Daimler Trucks

„Völlig undenkbar“ und „Schlag ins Gesicht“: Daimler erhitzt mit Zukunftsplänen die Gemüter

Mercedes-Benz Trucks läutet neue Ära ein: Weltpremiere des eActros am 30. Juni.
+
Daimler Truck AG: Auch die Lkw werden bald elektrisch. Für die schweren Verbrennungsmotoren will der Betriebsrat jetzt ein „Last-man-standing“-Konzept.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
    schließen

Die Daimler AG stellt nicht nur die Pkw auf E-Mobilität um. Auch die Lkw werden in Zukunft nicht mehr mit Verbrennern betrieben. Der Betriebsrat bringt deshalb ungewöhnliche Maßnahmen ins Spiel.

Stuttgart - Autofahrer verbinden mit der Daimler AG aus Stuttgart vor allem die Luxuslimousinen von Mercedes-Benz. Dabei umfasst die Unternehmensstruktur der Daimler AG noch zahlreiche weitere Unternehmen und Projekte. Erst Anfang des Jahres sorgte der Fahrzeughersteller für eine Zäsur, als eine umfassende Umstrukturierung des Konzerns bekannt gegeben wurde.

„Daimler“ verschwindet zum Teil aus Stuttgart und wird aufgespalten, die Lkw-Sparte wird zu einem eigenständigen Unternehmen und geht als Daimler Truck AG an die Börse. Dabei unterlaufen die Lkw der Daimler AG aktuell denselben Prozess, der bei den Pkw bereits in vollem Gange ist: Der Verbrenner ist bei den Trucks ein Auslaufmodell, die Zukunft gehört alternativen Antrieben. Wie das Handelsblatt berichtet, stößt das bei Mitarbeitern und Betriebsräten auf wenig Gegenliebe. Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag fordern sie jetzt das Aus für den Verbrenner maximal hinauszuzögern.

Zukunft von Daimler Trucks: Betriebsrat will Motoren auch an die Konkurrenz verkaufen

Bereits vor Abspaltung der Lkw-Sparte muss Daimler Trucks ums Überleben kämpfen - denn möglichen Investoren ist die Performance des Unternehmens zu niedrig. Dabei hat der Konzern aus Stuttgart bereits reagiert und übergibt die Produktion und Entwicklung von mittelschweren Motoren bei Lkw in den kommenden Jahren an den US-Konzern Cummins Inc. ab. Dieser will künftig mit dem Werk in Mannheim Truck-Hersteller beliefern.

Darüber hinaus verhilft Daimler einem alternativen Antrieb bei den Trucks zum Comeback: Lkw sollen künftig auch mit Wasserstoff betrieben werden. Unklar ist indes, was mit der Produktion von schweren Vier- und Sechszylindermotoren für Trucks passiert. Daimler sucht auch hier nach Partnern, der Betriebsrat wehrt sich aber vehement gegen einen Verkauf wie bei den mittelschweren Motoren.

„Ein Modell der Auslagerung wie mit Cummins ist für uns bei den schweren Motoren völlig undenkbar“, so Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Daimler, gegenüber dem Handelsblatt. Bei den schweren Motoren sei Daimler anders als bei den mittleren global führend. „Hier müssen wir ein ‚Last-man-standing‘-Konzept entwickeln und unsere Motoren im Zweifel auch an Dritte verkaufen“, fordert Brecht deshalb.

Daimler Trucks: Betriebsrat fordert trotz Verbrenner-Aus Investitionen in schwere Lkw-Motoren

Sowohl die Daimler AG, als auch der Betriebsrat des Unternehmens sind sich offenbar einig, dass die Bedeutung von Verbrennungsmotoren auch bei Lkw in Zukunft schwindet. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Michael Brecht will dennoch alles tun, um die Vormachtstellung der Daimler AG bei schweren Motoren aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch, Motorenumfänge von Wettbewerbern wie MAN, Scania, Iveco oder Volvo Trucks mit den eigenen zu bündeln. Brecht will so weiter hohe Stückzahlen bei geringen Kosten fertigen können.

Darüber hinaus will Michael Brecht trotz Wasserstoff- und Elektroantrieben bei Lkws weiterhin Investitionen in schwere Verbrennungsmotoren. „Wir brauchen im Übergang nicht nur Neues, sondern müssen Bestehendes auch fortführen“, so Brecht zum Handelsblatt. Damit soll auch die Belegschaft in den Standorten von Daimler besänftigt werden, die Teile und Motoren für die Lkw herstellt. Denn die Wende bei den Antrieben löste „keine Jubelschreie aus“, erklärt Bruno Buschbacher, Betriebsratschef der Daimler AG in Mannheim. Viele Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs, da die Produktion von elektrischen Antrieben weniger personalintensiv ist.

Entsprechend schockiert zeigte sich die Belegschaft auch über den Ausstieg der Daimler AG bei der Produktion mittelschwerer Motoren. Für die Mitarbeiter habe sich das wie ein „Schlag ins Gesicht“ angefühlt, so Betriebsratschef Buschbacher. Immerhin: In Zukunft will Daimler eine „Qualifizierungsoffensive“ starten und rund 500 Millionen Euro aufwenden, um einen Großteil der elektrischen Antriebe für Lkw selbst entwickeln und produzieren zu können. Auch der Vorschlag vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Michael Brecht, die schweren Motoren künftig an Konkurrenten zu verkaufen, stößt in der Führungsetage von Daimler auf Gehör. „Das ist ein vorstellbarer Ansatz“, so ein Manager laut Handelsblatt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare