E-Autos und Klimaschutz

Daimler-Chef: Die CO2-Ziele einzuhalten, ist wichtiger, als Jobs zu retten

Ein Auto mit dem Mercedes-Stern, das Logo der Marke Mercedes-Benz, steht vor einem Showroom.
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Im Zuge der Transformation zur E-Mobilität hat die Reduzierung der CO2-Werte bei Daimler die höchste Priorität.
  • Julian Baumann
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Die Transformation der Daimler AG zur E-Mobilität forderte bereits viele Stellen. Konzern-Chef Ola Källenius legt die Priorität auf das Erreichen der CO2-Ziele.

Stuttgart - Im vergangenen Jahr baute die Daimler AG aufgrund der Corona-Krise der Diesel-Affäre und Altlasten weltweit Tausende Stellen ab und schickte unzählige Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Letztendlich erwirtschaftete der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart dennoch einen Milliardengewinn und schüttete eine hohe Summe an die Aktionäre aus.

Dieser Aufschwung war vor allem dem großen Absatzzuwachs auf dem chinesischen Markt zu verdanken. In China boomt derzeit der Handel mit Luxusmodellen, die auch Daimler-Tochter Mercedes-Benz mit den Modellen S-Klasse und E-Klasse baut. Inzwischen konzentrieren sich die Schwaben jedoch stark auf die Produktion von E-Autos und befinden sich mitten in einer groß angelegten Transformation.

Die Transformation von den Verbrenner-Modellen zur Herstellung von E-Autos führt bei der Daimler AG weiterhin zum massiven Abbau von Arbeitsplätzen. Um Angestellte aufzufangen, deren Tätigkeiten im Zuge der Umstellung wegfallen und ihnen ihrer Qualifikationen entsprechend neue Aufgaben zuzuweisen, richtete der Autokonzern ein Jobforum ein.

In Bezug auf dieses Mitarbeiterportal gab es vonseiten der Belegschaft allerdings massive Kritik. Einige sehen das Forum als Mittel, unliebsame Mitarbeiter loszuwerden. Daimler lässt Mitarbeiter verzweifeln, es sei wie ein „Albtraum, aus dem man nicht erwacht“. Im Zuge der Transformation sei das Erreichen der CO2-Ziele politisch von höherer Priorität als der Erhalt der Arbeitsplätze, sagte Daimler-Chef Ola Källenius der britischen Tageszeitung Financial Times.

Daimler AG: Steigende Nachfrage nach EQ-Modellen - CO2-Neutralität noch vor 2039

Die Daimler AG legte zu Beginn des Jahres einen eher holprigen Start in die E-Auto-Welt hin. Der SUV EQC wurde sogar intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet und der kleinere EQA rief ebenfalls gemischte Resonanzen hervor. Die Hoffnung der Stuttgarter lag deshalb auf dem elektrischen Flaggschiff EQS, das vor wenigen Wochen in einer digitalen Weltpremiere enthüllt wurde.

Seitdem sei die Nachfrage nach den elektrischen Modellen der Daimler-Tochter Mercedes-Benz stark gestiegen, hieß es aus dem Konzern. Um die Nachfrage nach dem EQS und der S-Klasse decken zu können, führte Daimler im hochmodernen Werk in Sindelfingen sogar eine Nachtschicht ein.

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach den elektrischen Mercedes-Modellen wird die Daimler AG das Ziel, bis zum Jahr 2039 komplett CO2-neutral zu produzieren, wohl früher erreichen, berichtet die Financial Times. „Beabsichtigen wir Geschwindigkeit aufzunehmen? Ja, das tun wir“, sagte Ola Källenius gegenüber der Zeitung.

Im Jahr 2019 setzte sich der Stuttgarter Autokonzern das Ziel, innerhalb der nächsten 20 Jahre eine komplett emissionsfreie Fahrzeugflotte aufzubauen. Im Februar 2021 hieß es jedoch, man werde die Benzin- und Diesel-Modelle nicht ganz aufgeben, sie seien „Geld-Maschinen“ für die Finanzierung der Produktion von weiteren elektrischen Modellen in der Zukunft.

Daimler AG: Reduzierung der CO2-Belastung hat „höchste Priorität“, sagt Källenius

Mit der vollelektrischen Luxuslimousine EQS stellte die Daimler AG erstmals ein Fahrzeug vor, dass von vornherein als E-Auto konzipiert war. Die vorangegangenen EQ-Modelle basierten dagegen auf einer umgerüsteten Verbrenner-Architektur. Der Stuttgarter Autobauer plant weitere elektrische Modelle basierend auf der Architektur des EQS in den kommenden 18 Monaten, berichtet die Financial Times.

Allein in den ersten drei Monaten des Jahres hat Daimler weltweit rund 43.000 Plug-in-Hybriden und über 16.000 vollelektrische Fahrzeuge verkauft. Aufgrund der immer strenger werdenden EU-Klimaziele muss auch Daimler den Verbrenner früher abschaffen als erwartet.

Ola Källenius begrüße die strengeren Vorgaben der EU für die CO2-Ziele im Transportsektor jedoch, sagte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG gegenüber der Financial Times. Zugleich warnte er jedoch davor, dass diese Vorgaben ein „ernstes Gespräch über Arbeitsplätze“ zur Folge hätten.

„Jeder weiß, dass die Entwicklung und Herstellung eines Antriebsstranges auf Verbrenner-Basis deutlich mehr Arbeitsstunden benötigen als die Produktion eines elektrischen Antriebsstranges“, so Källenius. Demnach wird der erhöhte Fokus auf E-Autos bei Daimler noch mehr Stellen einfordern.

„Die neue Technologie wird immer wichtiger und unser übergeordnetes Ziel ist die Bekämpfung des Klimawandels und die Reduzierung der CO2-Belastung“, so der Daimler-Chef weiter. „Das hat politisch und auch in unserem Unternehmen die höchste Priorität.“

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