Betriebsrat ist alarmiert

Daimler droht in sechs deutschen Werken ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen - 20.000 Jobs bedroht

Der Mercedes-Stern über dem Werk in Düsseldorf neben einer roten Ampel
+
Zehntausende Stellen bei Daimler sind bedroht, der Betriebsrat ist alarmiert.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
    schließen

Der Sparkurs bei Daimler könnte für Zehntausende Angestellte in Deutschland das Ende bedeuten. Der Betriebsrat des Fahrzeugherstellers ist alarmiert.

Stuttgart - Eigentlich sieht es trotz Coronakrise gut aus für die Stuttgarter Daimler AG. Erst vor wenigen Tagen verkündete Daimler einen Betriebsgewinn von 3,07 Milliarden Euro im dritten Quartal 2020 - eine Steigerung von rund 14 Prozent im Vergleich zum Quartal zuvor.

Auch das letzte Viertel des Jahres soll der Daimler AG zufolge ähnlich gut laufen. Vorausgesetzt es gibt keinen erneuten Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland.

Daimler AG Stellenabbau 2020: Autohersteller rechnet mit einem Betriebsgewinn von 4,3 Milliarden Euro

Auf Jahressicht rechnet die Daimler AG sogar mit einem Betriebsgewinn von 4,3 Milliarden Euro, was dem Niveau des Vorjahres entspräche. Damals wütete das Coronavirus, das fatale Auswirkungen auf die Wirtschaft hat, allerdings noch nicht in Deutschland.

Trotz weniger Absatz in 2020 - und damit auch weniger Umsatz - steht die Daimler AG also bisher noch recht gut da. Der große Grund dafür: Das massive Sparprogramm, das Daimler-Chef Ola Källenius aufgelegt hat. Dieses Sparprogramm geht weiter und dürfte bald Zehntausende Stellen bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart vernichten, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Daimler AG plant Stellenabbau 2020: Bis zu 20.000 Stellen könnten deutschlandweit beim Autobauer bedroht sein

Innerhalb dieses Sparkurses wolle die Daimler AG nicht nur die Materialkosten bei Autos, Transportern und LKW reduzieren, auch sollen der Stuttgarter Zeitung zufolge rund zwei Milliarden an Personalkosten gespart werden. Deshalb droht bei Daimler in 2020 ein Stellenabbau: Bis zu 20.000 Stellen könnten dem Bericht zufolge in Werken in Deutschland künftig wegfallen. Der Stuttgarter Autobauer selbst gibt sich bemüht, diesen enormen Personalabbau „sozial verträglich“ zu gestalten.

Der Plan beim Stellenabbau von Daimler in 2020: Die Daimler AG will vor allem Stellen, die künftig frei werden, nicht neu besetzen. Anderen Mitarbeitern soll zudem Altersteilzeit angeboten werden. Der Konzern muss also auch viel Geld in die Hand nehmen, um Personal zu reduzieren, denn auch Auflösungsverträge sollen dem Bericht zufolge helfen, weitere Stellen abzubauen.

2.000 Beschäftige hätten die Daimler AG inzwischen mit einem Auflösungsvertrag verlassen. Das „Programm zur Optimierung der Personalkosten“ habe den Konzern bisher 229 Millionen Euro gekostet.

Betriebsrat versucht drastischen Stellenabbau 2020 bei Daimler AG in deutschen Werken zu verhindern

Angesichts dieses drastischen Sparkurses ist der Daimler-Betriebsrat alarmiert und stellt sich mit allen Mitteln gegen den drohenden Stellenabbau in großem Ausmaß.

Besonders schlecht sieht es derzeit für die Daimler-Standorte in Stuttgart-Untertürkheim und Berlin aus. Hier ist bereits bekannt, dass in den kommenden Jahren Stellen abgebaut werden sollen, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Allein in Untertürkheim sollen bis 2025 insgesamt 4.000 Jobs gestrichen werden, was bereits zu heftigen Protesten führte. Die Daimler AG will stattdessen in osteuropäischen Werken weiter produzieren.

Betriebsrat der Daimler AG: Mehr E-Auto-Komponenten selbst produzieren, um Stellenabbau 2020 zu zu vermindern

Dass durch den Boom der Elektromobilität und der sinkenden Beliebtheit von Verbrennern - zusätzlich zur ohnehin schon niedrigeren Autonachfrage durch das Coronavirus, das auch Stuttgart hart getroffen hat - immer weniger konventionelle produziert werden, weiß auch der Daimler-Betriebsrat.

Er appelliert deshalb daran, künftig einen möglichst großen Teil der E-Auto-Komponenten selbst zu produzieren und so Arbeitsplätze an den Standorten zu retten. Betriebsratschef Michael Brecht sorgt sich laut Medienbericht aber auch um die anderen der insgesamt sechs deutschen Daimler-Motorenwerke - also auch Kölleda, Gaggenau, Kassel oder Mannheim. Auch hier könnte in den kommenden Jahren Stellenabbau drohen.

Kommentare