Gegen Sparkurs

„Daimler macht sich kaputt“: Mitarbeiter wehren sich in letzter Verzweiflung

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG ist im Umbruch. Der Konzern spart, wo er kann - und greift dafür auch zu drastischen Maßnahmen. Die Belegschaft wehrt sich.

Stuttgart - Die Daimler AG versucht, gleichzeitig den Umstieg zur E-Mobilität zu meistern und die Corona-Krise zu stemmen. Klar ist, dass sich der Fahrzeughersteller aus Stuttgart in Zukunft deutlich wandeln wird. Daimler-CEO Ola Källenius kündigte eine Schrumpfkur an, wodurch ein „kleineres Unternehmen“ übrig bleiben soll.

Ein kleineres Unternehmen bedeutet aber auch: Weniger Beschäftigte. Daimler droht in sechs deutschen Werken ein massiver Stellenabbau. 20.000 Jobs sollen bedroht sein. Die Mitarbeiter der Daimler AG reagierten auf die immer neuen, schlechten Nachrichten zusehends verzweifelt.

Zuletzt kündigte Daimler an, einen neuen Motor in China zu bauen - die Mitarbeiter waren „fassungslos“. Selbst der sonst besonnene Betriebsratschef der Daimler AG, Michael Brecht, übte daraufhin deutliche Kritik am Vorstand. Die Stimmung bei Daimler sei am Boden, Mitarbeiter „zu Tode erschreckt“, wetterte er. Diese Entscheidung brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. Die IG Metall ruft 170.000 Daimler-Mitarbeiter zum Streik auf - die Proteste sollen nun verteilt über die ganze Woche stattfinden.

Proteste gegen Sparprogramm der Daimler AG: Mitarbeiter begehren an mehreren Standorten auf

Die Mitarbeiter versammeln sich demnach an mehreren Standorten der Daimler AG. Wie Wochenblatt-Reporter berichtet, finden Aktionen im Global Logistic Center in Germersheim, sowie in den Werken Offenbach und Wörth statt. Letzteres ist ein Standort von Daimler Trucks - einem Bereich, in dem Daimler einen „Kahlschlag“ mit 15.000 bedrohten Jobs plant.

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht, der den Vorstand bereits scharf kritisiert hat, will hingegen trotz Wandel möglichst viele Jobs retten. „Wir wollen diese Transformation so gestaltet haben, dass niemand Angst und Sorge um seine Existenz haben muss“, so Michael Brecht in einer Mitteilung der IG Metall.

Im Zuge der einwöchigen Proteste will der Betriebsratschef gemeinsam mit der IG Metall Druck auf den Vorstand um Daimler-CEO Ola Källenius aufbauen. Dazu haben sich die Beteiligten eine medienwirksame Aktion überlegt.

Sparkurs der Daimler AG: Mitarbeiter protestieren mit Gegenvorschlägen zur aktuellen Strategie

Bei den Versammlungen wie jetzt in Germersheim, Offenbach und Wörth können Mitarbeiter der Daimler AG nämlich Postkarten mit ihrer Unterschrift und Ideen, wie man alternativ die Zukunft sichern könnte, abgeben. Auch Mitglieder der IG Metall aus anderen Unternehmen können teilnehmen und sich solidarisch zeigen.

Protest gegen den Sparkurs der Daimler AG: Der Betriebsrat sammelt Postkarten von Mitarbeitern mit Gegenvorschlägen für die Zukunft.

Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung erhoffen sich Betriebsrat und IG Metall dann, einen Berg Postkarten überreichen zu können. „Damit setzen wir ein Zeichen, was Zukunftssicherung für uns bedeutet: Wir wollen mehr über kluge Zukunftsinvestitionen und Qualifizierungsmaßnahmen sprechen, die die Beschäftigten im Blick haben. Nicht über Sparen mit dem Ziel des Arbeitsplatzabbaus“, erklärt Betriebsratschef Michael Brecht.

Als Negativbeispiele nennt die IG Metall den Abbau von 4.000 Stellen von Daimler in Stuttgart, die Quasi-Schließung des Werks in Berlin und die drohenden Entlassungen bei Daimler Trucks. „Diese drei Beispiele und viele weitere zeigen: Daimler ist auf dem besten Wege, sich kaputtzusparen“, schreibt die IG Metall dazu.

Daimler AG spart sich kaputt: Mitarbeiter mit drei Forderungen an die Vorstände

Neben der Protestaktion mit den Postkarten und den einwöchigen Versammlungen stellen die Mitarbeiter der Daimler AG drei übergeordnete Forderungen an den Daimler-Vorstand.

Neben Investitionen in neue Technologien und Produkte an den bestehenden Standorten wünschen sich die Mitarbeiter, stärker informiert und beteiligt zu werden. Zu guter Letzt fordern die Daimler-Angestellten, die Beschäftigung zu sichern und auch im Hinblick auf die E-Mobilität den Wandel als Chance zu begreifen, unter anderem durch Qualifizierungsoffensiven.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Silas Stein/dpa

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