Spaltung des Konzerns

Spaltung von Daimler: Mitarbeiter „wie vom Blitz getroffen“

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Die Daimler AG wird in zwei eigenständige Unternehmen aufgespalten. Für den weltbekannten Konzern ist das ein großer Schritt - den Mitarbeitern bereit das jedoch ein „flaues Gefühl im Bauch“.

Stuttgart - Die Daimler AG bildet mit BMW und der Volkswagen AG die absolute Speerspitze der deutschen Autoindustrie. Gottlieb Daimler und Carl Benz gelten als Erfinder des Automobils. Der von ihnen gegründete Konzern baut bereits seit über 100 Jahren Autos und Lastwagen unter einem Dach. Dementsprechend groß war das mediale Echo auf die kürzlich angekündigte Spaltung des Traditionsunternehmens aus der Schwaben-Metropole.

Zukünftig soll die Pkw-Sparte des Herstellers als Mercedes-Benz AG eigenständig sein, während die Lkw-Sparte als Daimler Truck AG als daon getrenntes Unternehmen ebenfalls an die Börse gehen soll. Mit der Namensänderung der Daimler AG verschwindet der Name „Daimler“ wohl auch aus Stuttgart. Die Daimler Truck AG wird ihren Hauptsitz zukünftig in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) haben.

Für die Landeshauptstadt wird sich wohl nicht viel ändern. Das beliebte Museum in der Nähe der Konzernzentrale heißt schon seit Jahren „Mercedes-Benz-Museum“ und auch das Fußballstadion des VfB Stuttgart wurde bereits im Jahr 2008 von „Gottlieb-Daimler-Stadion“ in „Mercedes-Benz Arena“ umbenannt. Den Mitarbeitern des weltbekannten Konzerns bereitet die Hammer-Nachricht jedoch Sorgen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) standen Daimler-Chef Ola Källenius und Betriebsratschef Michael Brecht Rede und Antwort zur Zukunft des Unternehmens.

Daimler AG: CEO Ola Källenius sieht „spannende Zukunft“ für die beiden Unternehmen

Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Corona-Pandemie und die Umstrukturierung hin zur E-Mobilität zwangen den Konzern zu einem strengen Sparplan. Der Autobauer erreichte im Jahr 2020 zwar einen Milliardengewinn, dieser Erfolg war durch den massiven Stellenabbau jedoch mit vielen Opfern verbunden.

Nun sollen also zwei eigenständige Unternehmen das Erbe des weltbekannten Konzerns fortsetzen. Darauf angesprochen, ob das jetzt der Anfang vom Ende sei, sagte Daimler-CEO Ola Källenius der FAZ: „Ganz sicher nicht. Wir werden in Zukunft zwei Unternehmen haben, die nach wie vor dieselbe extrem starke Basis und Historie haben und eine spannende Zukunft.“

Die Daimler AG erreichte unter dem heutigen Namen Weltruhm, für viele Mitarbeiter ist es jedoch nicht ausschlaggebend, wie der große Autobauer aktuell heißt. Es stellt sich jedoch die Frage, warum künftig zwei Unternehmen statt eines großen Konzerns die Historie des schwäbischen Herstellers fortsetzen sollen. „In einer Situation wie heute schaust du nicht nach hinten, sondern nach vorne“, sagte Källenius der FAZ. „Wir stecken in einer fundamentalen Transformation der Automobilindustrie. Da ist es notwendig, durch die Trennung das Tempo zu erhöhen.“

Daimler AG: Nachricht über Spaltung führte zu schlaflosen Nächten

Dass eine Aufspaltung eines so traditionsreichen Konzerns wie es die Daimler AG ist, nicht über Nacht entschieden wird, sollte klar sein. „Wir haben in den vergangenen Wochen hin und her diskutiert, welche Strategie die richtige ist. Wir sehen, dass sich beide Unternehmensteile, Autos und Lastwagen, auseinanderentwickeln und die Verbundvorteile relativ gering sind“, erklärt Michael Brecht, Vorsitzender des Daimler-Gesamtbetriebsrats.

Für die Mitarbeiter an den Standorten der Daimler AG weltweit bedeutet die Spaltung möglicherweise jedoch eine große Veränderung. „Das war der Punkt, weswegen ich die meisten schlaflosen Nächte hatte“, so Brecht gegenüber der FAZ. „Wenn ich von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugt bin, wie kann ich davon auch die Belegschaft überzeugen?“

Viele der Mitarbeiter der Daimler AG erfuhren erst aus den Medien von der Spaltung - oder aus einem zeitgleich verbreiteten Schreiben an die Belegschaft. Laut Michael Brecht habe der Vorstand die Entscheidung aufgrund der Ad-hoc-Regeln am Kapitalmarkt bis zuletzt geheim halten müssen. „Wir hatten keine Chance, die Kollegen vorzubereiten“, so Brecht zur FAZ. „Das regt mich wirklich auf, weil das nicht die menschliche Art und Weise ist, miteinander umzugehen.“

Die Angestellten seien demnach von der Nachricht überrumpelt worden. „Das ist Emotion pur. Ich glaube, die Mehrheit der Kollegen hat im Moment ein flaues Gefühl im Bauch“, sagte Brecht. Viele wüssten aktuell nicht, was die bevorstehende Spaltung der Daimler AG für sie persönlich bedeute. „Diese Leute hat die Nachricht von der Aufspaltung wie ein Blitz getroffen“. In der Führungsebene sei die Reaktion dagegen durchweg positiv gewesen.

Daimler AG: Zukünftig zwei Unternehmen mit dem berühmten Stern in Stuttgart

Während einige Mitarbeiter der Daimler AG in Bezug auf die Spaltung Angst vor der Zukunft haben, sieht die Führungsebene die Entwicklung als vielversprechend an. „Die häufigste Reaktion, die wir von den Führungsebenen unterhalb des Vorstands bekommen, lautete: „Das ist spannend““, sagte Ola Källenius im Interview mit der FAZ.

Auch Michael Brecht sieht die Entscheidung zur Daimler AG trotz der unglücklichen Kommunikation als richtig an. „Je länger man darüber nachdenkt, umso mehr leuchtet es ein, das jetzt zu machen“, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir das selbstbestimmt, ohne Zwang durch den Kapitalmarkt tun können. Ohne aktivistische Investoren, die versuchen, das Unternehmen zu zerschlagen.“

Das Logo der Daimler AG ist wahrscheinlich weltweit sogar noch bekannter als der schwäbische Autobauer selbst. Der Mercedes-Stern ziert auch in Stuttgart neben der Konzernzentrale und dem Mercedes-Benz-Museum den Turm des Hauptbahnhofs und ist damit fast in der ganzen Innenstadt zu sehen.

Einen Markenstreit um den berühmten Stern gibt es jedoch auch bei zwei Unternehmen nicht. „Keine Sorge, das ist eindeutig geregelt: Der Actros wird weiter den Stern tragen und die S-Klasse auch“, sagte Källenius. Demnach gibt es in der Region Stuttgart bald zwei Unternehmen mit dem Mercedes-Stern, die zwar unternehmerisch getrennt, in ihrer Historie dennoch verbunden sind.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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