Autokonzern im Dilemma

Daimler setzt Zukunft ganzer Sparte aufs Spiel - Angst vor „feindlicher Übernahme“

Eine Fahne mit dem Logo der Marke Mercedes-Benz, dem Mercedes-Stern, weht vor einem Showroom der Firma.
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Der harte Sparplan bei der Daimler AG gefährdet die Zukunft der Lkw-Sparte.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Der strenge Sparplan bei der Daimler AG forderte im vergangenen Jahr viele Opfer. Nun wird es sogar für eine der wichtigsten Konzernsparten gefährlich.

Stuttgart - Die Daimler AG hatte bereits vor der Corona-Pandemie an mehreren Fronten mit Problemen zu kämpfen. Altlasten und die anhaltende Abgas-Affäre machen dem Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart bereits seit einiger Zeit zu schaffen. Als der heutige Daimler-Chef Ola Källenius im Jahr 2019 die Nachfolge von Dieter Zetsche antrat, verordnete er dem großen Autobauer ein radikales Sparprogramm. Die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg verschärften die Maßnahmen noch zusätzlich. Durch Produktionsstopps und Absatzrückgänge strichen die Schwaben Tausende Stellen und schickten zahlreiche Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Auch die jährlichen Sonderzahlungen wurden 2020 nahezu vollständig gestrichen, die Mitarbeiter erhielten jedoch eine einmalige Corona-Prämie von 1.000 Euro.

Obwohl die Daimler AG durch den Absatzaufschwung auf dem chinesischen Markt im dritten Quartal letztendlich einen Milliardengewinn erwirtschaftete und der Konzern den Aktionären 1,4 Milliarden Euro ausschütten will, setzt sich der strenge Sparplan fort. Die Mitarbeiter müssen daneben auch aufgrund der Transformation zur E-Mobilität um ihre Jobs bangen.

Zu Beginn des Jahres machte die Daimler AG mit einer Hammer-Nachricht von sich reden. Der schwäbische Traditionskonzern soll zukünftig in zwei Teile gespalten werden. Daimler verschwindet damit aus Stuttgart, was Konsequenzen für die Mitarbeiter hat. In Bezug auf den anhaltenden Sparplan des Autobauers steht nun sogar eine der wichtigsten Konzernsparten auf dem Spiel, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG: Die zwei Seiten des schwäbischen Autokonzerns - Lkw-Sparte steht im Schatten

Zukünftig soll es die heutige Daimler AG, die bis auf die Auto-Pioniere Gottlieb Daimler und Carl Benz zurückgeht, zumindest in dieser Form nicht mehr geben. Die Pkw-Sparte soll als Mercedes-Benz AG weiterhin aus Stuttgart geleitet, Autos und Vans produzieren und die E-Mobilität vorantreiben, während die Lkw-Sparte als Daimler Truck AG ihren Sitz ins nahe Leinfelden-Echterdingen verlegt. Damit gibt es in Zukunft zwei Unternehmen mit dem berühmten Mercedes-Stern. Das Auto-Segment der Stuttgarter schwächelt in letzter Zeit zwar ein wenig, muss sich weltweit jedoch nach wie vor nicht vor dem Vergleich mit der Konkurrenz scheuen.

Die Marke Mercedes-Benz ist das Aushängeschild der Daimler AG. Die Modelle sind nicht nur in der schwäbischen Heimat viel auf den Straßen zu sehen, sondern werden auch in internationalen Film- und Serienproduktionen von Figuren gefahren, die höher gestellte Positionen innehaben. Während die Mercedes-Modelle wie die S-Klasse, die C-Klasse oder die E-Klasse nahezu jedem Autofan ein Begriff sind, fristen die Lkw-Modelle eher ein Schattendasein.

Die Daimler Truck AG ist der weltweit größte Hersteller von Nutzfahrzeugen über sechs Tonnen, der Konzern versäumt es jedoch offenbar immer wieder, die Skaleneffekte (Abhängigkeit der Produktionsmenge pro Zeiteinheit von der Menge der eingesetzten Produktionsfaktoren) in Erträge umzuwandeln, berichtet das Handelsblatt. Gerade im Bereich der schweren Lkw hinken die Stuttgarter der Konkurrenz derzeit weit hinterher.

Daimler AG im Dilemma: Setzt der Sparplan die Zukunft der Truck-Sparte aufs Spiel?

Die Mitarbeiter der Daimler AG waren von der Nachricht über die Spaltung „wie vom Blitz getroffen“. Viele befürchten, dass die kleineren Unternehmen auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden könnten. Daimler-CEO Ola Källenius betonte jedoch, die Aufspaltung soll „vor feindlichen Übernahmen schützen“. Das könnte sich jedoch als gefährlicher Irrtum herausstellen. Für die Lkw-Sparte könnte die Spaltung und der Sparplan eine deutlich höhere Gefahr darstellen als für die Auto-Sparte. Auch in normalen Zeiten sei das Truck-Segment der Daimler AG nur halb so profitabel wie bei den wichtigsten Konkurrenten, berichtet das Handelsblatt. Die Corona-Pandemie hat die Lücke jedoch noch mal deutlich vergrößert.

Während die Auto-Sparte der Daimler AG im vergangenen Jahr aufgrund des Aufschwungs auf dem chinesischen Markt die roten Zahlen noch deutlich ausbessern konnte, erzielte Daimler Trucks laut Handelsblatt nur eine Umsatzrendite von 1,5 Prozent. In China boomt derzeit nämlich der Handel mit Luxusautos, die schweren Lkw werden dort weniger verkauft. Im direkten Vergleich lagen die Einnahmen der Konkurrenten Scania (7,1 Prozent) und Volvo Trucks (8,1 Prozent) deutlich über der Rendite der Schwaben. Die Daimler AG steckt damit auch insgesamt im Dilemma. Durch den strengen Sparplan wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um rund eine Milliarde Euro gesenkt und auch das künftige Budget für die Ingenieure wurde begrenzt. Doch auch die werden dringend benötigt, um die Truck-Sparte nach vorn zu bringen und zukunftsfest zu machen.

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