Smart wird zum SUV

Daimler will Kultmodell völlig verändern - CEO Källenius: „Kunden haben andere Bedürfnisse“

Die Daimler AG bringt den beliebten Kleinwagen Smart als Stadt-SUV mit einer Länge von über vier Metern auf den Markt.
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Die Daimler AG bringt den beliebten Kleinwagen Smart (Foto) künftig als Stadt-SUV mit einer Länge von über vier Metern auf den Markt.
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Die Daimler AG bringt den Kleinwagen Smart als Stadt-SUV auf den Markt. Damit nehmen die Stuttgarter dem Kult-Zweisitzer ein Hauptverkaufsargument - laut Konzern-Chef Källenius haben viele Kunden jedoch andere Bedürfnisse.

Stuttgart - Die Daimler AG ist weltweit vor allem für die Modelle von Tochter Mercedes-Benz bekannt. Die berühmte Marke mit dem Stern produziert beispielsweise die Luxuslimousinen S-Klasse und E-Klasse - vor wenigen Wochen stellte der Autobauer auch die vollelektrische S-Klasse EQS vor. Daneben baut der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart jedoch auch große SUV-Modelle. Im vergangenen Jahr sorgte die Daimler AG für Empörung mit dem absurdesten Monster-SUV des Jahres. Insgesamt ist es mit den großen Mercedes-Modellen wie den Limousinen und den großen SUV nicht gerade einfach eine Parklücke in einer dicht befahrenen Großstadt zu finden.

Die Daimler AG ist jedoch auch der Hersteller des Kult-Kleinwagens Smart, dessen Hauptverkaufsargument seit jeher die kompakte Größe war. Ein Smart-Fahrer konnte in Parklücken parken, in denen sonst wohl nur wenige Fahrzeugmodelle Platz fanden. Ausgerechnet dieses Verkaufsargument will der schwäbische Autokonzern bei der Marke Smart nun abschaffen. Daimler baut den Smart um, die Fans erkennen das Kultauto nicht wieder. „Die Marke ist gestorben“, kommentierte ein Facebook-Nutzer.

Statt einem kompakten Zweisitzer soll das nächste Smart-Modell nämlich ein SUV mit einer Länge von über vier Metern werden. Damit gehört das Parken in kleinen Lücken wohl der Vergangenheit an. Viele Smart-Kunden hätten jedoch ganz andere Bedürfnisse, sagte Daimler-Chef Ola Källenius im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Daimler AG: „Smart-Familie bekommt Zuwachs“ - SUV für die Großstadt?

Die Daimler AG setzt in den vergangenen Jahren stark auf die Produktion von E-Autos. Vor der elektrischen Luxuslimousine EQS, die eine eigene E-Auto-Architektur verwendet, brachte der Autobauer elektrische SUV auf den Markt. Der EQC wurde sogar intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet und auch der kleinere EQA rief verhaltene Reaktionen hervor. Im vergangenen Jahr erhielten die Stuttgarter für den monströsen Mercedes GLS sogar einen Negativpreis. Nun soll ausgerechnet der kompakte Smart ebenfalls ein SUV werden. „Die Smart-Familie bekommt Nachwuchs“, sagte Ola Källenius im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Demnach sollen gleicht zwei City-SUV der Kultmarke auf den Markt kommen.

Mit den großen Modellen der Daimler AG ist es in der Stadt oftmals schwer, überhaupt einen Parkplatz zu finden. Mit einem Smart ist die Parkplatzsuche dagegen deutlich einfacher, weswegen sich das Modell vor allem für die Fahrt innerhalb einer Großstadt eignet. „Natürlich ist der Smart Fortwo ein einmaliges Produkt, weil man zwei Autos auf einem Parkplatz parken kann“, sagte Ola Källenius. Das wird mit dem kommenden Smart-SUV jedoch nicht mehr möglich sein. Der Kult-Zweisitzer soll laut dem Daimler-CEO jedoch für die nächsten Jahre bestehen bleiben. „Wie es dann weitergeht, wird man sehen.“

Daimler AG: Konzern will emissionsfreie Fahrzeuge bauen - „keine Diskussion mehr“

Als vier Meter langer SUV ist das kommende Smart-Modell der Daimler AG deutlich weniger praktisch für die Innenstädte. Konzern-Chef Källenius sieht darin jedoch kein Problem. „Viele unserer Kunden haben [...] andere Bedürfnisse“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Die bisherigen Smart-Modelle bringen dem Stuttgarter Konzern zwar weniger Einnahmen als beispielsweise die großen Limousinen, dafür sind sie gerade in großen Städten besonders praktisch. Die Daimler AG will sich zwar daran beteiligen den Stadtverkehr zu optimieren, jedoch auch Geld verdienen. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und müssen darauf achten, dass es eine Ausgewogenheit gibt zwischen Kosten, Nutzen und Preis“, machte Källenius deutlich.

Im Zuge der Transformation zur E-Mobilität will die Daimler AG auch bis zum Jahr 2039 die komplette Fahrzeugflotte emissionsfrei gestalten. Die CO2-Ziele einzuhalten, sei wichtiger als Jobs zu retten, lies Ola Källenius kürzlich durchscheinen. „Wir versuchen, emissionsarme oder emissionsfreie Fahrzeuge zu bauen, von der großen S-Klasse bis zur kleinen A-Klasse“, sagte der Daimler-CEO der Süddeutschen Zeitung. „Da gibt es keine Diskussion mehr.“

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