SUV statt Kleinwagen

„Die Marke ist gestorben“: Daimler baut Smart um - Fans erkennen Kultauto nicht wieder

Das Logo der Marke Smart auf einem Modell der Baureihe „Forfour“.
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Aus für den kultigen Zweisitzer: Der Smart-SUV der Daimler AG soll bei der IAA in München im Herbst vorgestellt werden.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG kündigte bereits Ende 2020 an, die Marke Smart vollständig umbauen zu wollen. Dann wurden die Pläne konkretisiert - die Fans erkennen den beliebten Kleinwagen nicht wieder.

Stuttgart - Die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart hat als einer der größten Autokonzerne der Welt gleich mehrere Erfolgsmodelle in der Fahrzeugpalette. Die beliebte Luxuslimousine S-Klasse erhielt Anfang 2021 mit der Vorstellung des EQS ein vollelektrisches Pendant. Die Nachfrage für die Verbrenner-Version des Flaggschiffs war so hoch, dass Daimler in der neuen „Factory 56“ in Sindelfingen sogar Nachtschichten einlegte. Das meistverkaufte Modell der Schwaben ist jedoch die Mittelklasse-Limousine E-Klasse, deren Produktion zwischenzeitlich aufgrund der weltweiten Chip-Krise temporär eingestellt werden musste.

Neben den weltbekannten Modellen von Mercedes-Benz steckt die Daimler AG jedoch auch hinter der ebenfalls sehr beliebten Marke Smart. Die zweitürigen Kult-Kleinwagen sind vor allem in Großstädten mit Parkplatzmangel äußerst praktisch, da sie in Parklücken passen, in denen sonst kein Auto Platz findet. Bereits Ende 2020 kündigte der schwäbische Konzern jedoch eine drastische Änderung der Marke an. Daimler belebt die Kult-Marke als SUV wieder und kassierte Häme. Dann wurden die Pläne des Smart-SUV weiter konkretisiert, berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel. Der wiederbelebte Kleinwagen sollte im Herbst 2021 zunächst als Konzept und 2022 in Serie produziert werden.

Mit der Neuausrichtung der Marke Smart ändert die Daimler AG ausgerechnet das bisherige Verkaufsargument der Modellreihe und will statt einem Kleinwagen zukünftig einen vier Meter langen SUV anbieten. Dieser Schritt verwundert nicht nur Fachleute, auch Fans des kultigen Kleinwagens erkennen die Marke nicht wieder.

Daimler AG: Neuausrichtung von Smart führt zu Kritik - „Marke ist gestorben“

Die heutige Daimler AG kann bis auf die Erfinder des Automobils, Gottlieb Daimler und Carl Benz zurückgeführt werden. Inzwischen konzentrieren sich die Schwaben jedoch stark auf die Produktion von E-Autos. Der zu Beginn des Jahres vorgestellte E-SUV EQC wurde jedoch als „Rohrkrepierer“ bezeichnet. Daimler zog den Flop-SUV daraufhin zurück und verzichtete auf eine Markteinführung in den USA. Auch der elektrische SUV EQA traf bei einigen Autofans auf Kritik, die Baureihe Sport Utility Vehicle scheint es den Stuttgartern allerdings angetan zu haben. Bei der Markteinführung des ersten Smart-Modells vor rund 20 Jahren traf der Kleinwagen bereits auf gemischte Reaktionen. Einige bezeichneten das Fahrzeug als revolutionärstes Auto seit der Einführung des Mini, andere sahen jedoch nur ein zu groß geratenes Spielzeugauto.

Während die anderen bekannten Modellreihen der Daimler AG wie die S-Klasse oder die C-Klasse als Limousinen Autos von stattlicher Länge auf die Straßen brachten, galt die Marke Smart als Minimum in der Fahrzeugflotte der Stuttgarter. Diese Tage sind nun jedoch endgültig vorbei. Der kultige Zweitürer Fortwo mit 2,70 Meter und der Viersitzer Forfour mit 3,50 Meter können wohl als Kleinwagen durchgehen. Zukünftig soll der Smart jedoch ein Fünfsitzer mit einer Länge von über vier Metern werden, wie der Spiegel berichtet. Damit passt man definitiv nicht mehr in jede Parklücke. Auf einem Facebook-Blog (siehe oben) stieß die Ankündigung des Smart-SUV mitunter auf deutliche Kritik. „Die Marke Smart ist jetzt schon gestorben“, kommentierte ein Nutzer.

Die Neuausrichtung der Marke Smart als SUV trifft bei Facebook nicht bei allen Fans auf Gegenliebe.

Daimler AG: Neubeginn für die Marke Smart? „Als SUV wird er endlich erwachsen“

Obwohl die Marke Smart weltweit beliebt ist, brachte der Kleinstwagen der Daimler AG in den vergangenen Jahren hauptsächlich Verluste. Das ist wohl auch Grund für den radikalen Neuanfang der Marke, berichtet Spiegel. Fans des Kult-Zweisitzers müssten sich nun an die Hoffnung klammern, dass der Kleinwagen noch möglichst lang im französischen Hambach weitergebaut werde.

Daimler hatte das Smart-Werk in Hambach 2020 verkauft. Ein britischer Milliardär rettete 1.300 Daimler-Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit und kündigte an, die Smart-Modelle am Standort für unbestimmte Zeit weiter produzieren zu wollen. Bei Daimler selbst wird die Marke dagegen radikal umgebaut. „Süß war gestern, jetzt wird der Smart sexy“, sagte Designchef Gorden Wagener laut dem Spiegel. „Als SUV wird er endlich erwachsen.“

Die großen SUV-Modelle werden immer wieder als besonders umweltschädlich bezeichnet und stehen in der Kritik. Die Daimler AG erregte im vergangenen Jahr die Gemüter mit dem absurdesten Monster-SUV des Jahres und erhielt sogar den Negativpreis „Goldener Geier“. Aus diesem Grund traf auch die Ankündigung des Smart-SUV auf Kritik. „Der Meeresspiegel könnte um sieben Meter steigen, aber hey, Daimler baut einen weiteren SUV“, schrieb ein Nutzer auf Twitter.

Bislang ist der Smart-SUV der Daimler AG allerdings noch immer nur ein Konzeptentwurf. Der SUV soll jedoch als E-Auto mit einer Lithium-Ionen-Batterie auf den Markt kommen. Die Fans sind allerdings noch skeptisch, ob das Konzept auch wirklich so umgesetzt wird. „Wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, bleibt von dem Konzept in der Serie wahrscheinlich null übrig“, schreibt ein Nutzer auf Facebook.

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