1.400 Fahrzeuge betroffen

Blamage: Daimler muss groß angekündigte S-Klasse zurückrufen

  • Julian Baumann
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Mit der neuen S-Klasse stellte die Daimler AG im vergangenen Jahr die Zukunft ihres Flaggschiffs vor. Nun müssen viele Wagen von Kunden zurück in die Werkstatt - eine Blamage für den Stuttgarter Autobauer.

Stuttgart - Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. Durch den Fokus auf die E-Mobilität befindet sich der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart zudem im direkten Konkurrenzkampf mit dem E-Auto-Pionier Tesla. Während deren Chef Elon Musk den Konkurrenzkampf nicht so ernst sieht und sich sogar eine Fusion mit der Daimler AG vorstellen kann, fühlt man sich in Stuttgart Tesla noch immer überlegen. Neben der immer stärker werdenden Konkurrenz brachten auch die Diesel-Krise und die Corona-Pandemie erhebliche Probleme für den Autobauer. Der Hersteller setzte seine Hoffnung in das neue Modell der S-Klasse von Mercedes-Benz.

Das neue Modell des Flaggschiffs der Daimler AG wurde Anfang September mit einer groß angelegten Weltpremiere aus dem neuen Werk „Factory 56“ in Sindelfingen bei Stuttgart vorgestellt. Während der Premiere warben auch bekannte Persönlichkeiten wie Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton und Popstar Alicia Keys für das Mercedes-Fahrzeug. Nun muss die Daimler AG jedoch einen weiteren harten Rückschlag verkraften. Rund 1.400 Modelle der neuen S-Klasse werden zurückgerufen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Daimler AG: Mercedes-Flaggschiff hat Probleme mit der Lenkung - 1.400 Autos betroffen

Es sollte ein Befreiungsschlag und der Aufbruch in die technologische Zukunft für den angeschlagenen Weltkonzern werden, als die Daimler AG in einer hollywoodreifen Präsentation im September vergangenen Jahres ihre neue S-Klasse enthüllte. Während der Vorführung im neuen Werk in Sindelfingen verlieh Daimler-Chef Ola Källenius einem Vorführmodell des Flaggschiffs den berühmten Mercedes-Stern, der das neue Modell nach seiner Aussage erst vollständig machte. Der CEO sprach vom „finalen magischen Moment“. Neben den unzähligen neuen Features wie horizontalen Scheinwerfern und dem autonomen Fahren sei die eingebaute Technologie das Wichtigste, so Källenius. Sie gebe dem Fahrer das Gefühl, „an einem sicheren Ort zu sein“.

Daimler-Chef Ola Källenius stellte im September 2020 die neue S-Klasse vor - nun müssen viele Fahrzeuge zurück in die Werkstatt.

Die neue S-Klasse der Daimler AG brachte dem Konzern jedoch schon kurz nach der Premiere allerhand Kritik ein. Manche Nutzer in den sozialen Medien sprachen sogar von einer „Tesla-Kopie“. Es gab jedoch auch positive Stimmen. „Die neue S-Klasse wird wieder ein Traumauto. Viele Menschen werden bereit sein, 100 - 300k dafür zu zahlen“, schrieb ein Nutzer auf Twitter. Trotz der hohen Erwartungen an die Sicherheit und die Technologie des Fahrzeugs muss Daimler nun viele Autos, die bereits in der Hand der Kunden seien, zurück in die Werkstatt rufen. Grund dafür sei ein möglicher Defekt bei der Lenkung, der die Gefahr eines Unfalls deutlich erhöhe, berichtet Business Insider. Insgesamt seien 1.400 S-Klassen weltweit betroffen.

Daimler AG: Wurden falsche Teile in die neue S-Klasse eingebaut?

Die Daimler AG hatte bereits mit älteren Modellen der S-Klasse Probleme. Ein Kanadier baute wegen einer Fehlfunktion seines Modells beinahe einen Unfall und flog anschließend persönlich nach Stuttgart, um sich bei Daimler zu beschweren. Mit den neuen Fahrzeugen von Mercedes-Benz sollte dann ein besonderer Fokus auf der Sicherheit des Fahrers liegen. Eine defekte Lenkung bedeutet jedoch das genaue Gegenteil. In einem Schreiben an die Fahrzeugbesitzer heißt es, man habe „festgestellt, dass bei ihrem Fahrzeug an der Vorderachsenlenkung nicht die für den Fahrzeugtyp vorgesehenen inneren Spurstangen verbaut sein könnten“.

Durch die offenbar nicht für die S-Klasse der Daimler AG gedachten Spurstangen könne die Verbindung den Belastungen während der Fahrt nicht dauerhaft standhalten, heißt es in dem Schreiben an die Kunden. „Dies würde die Lenkfähigkeit des Fahrzeugs beeinträchtigen, was das Unfallrisiko erhöhen würde.“ Der Stuttgarter Konzern bittet die Besitzer der S-Klassen, ihre Fahrzeuge zur Überprüfung der Spurstangen umgehend zu einem autorisierten Servicepartner zu bringen, wie Business Insider berichtet. Der gegebenenfalls notwendige Austausch der Komponenten sei für die Kunden kostenlos.

Dass gerade die S-Klasse von einem solchen Sicherheitsproblem betroffen ist, ist für die Daimler AG besonders kritisch. Das Modell ist seit jeher das Aushängeschild für den schwäbischen Autobauer. Die neue Serie wurde erstmals in der hochmodernen Factory 56 in Sindelfingen gebaut, die für Daimler „die Zukunft der Produktion bei Mercedes-Benz verkörpert“, wie Ola Källenius im September vergangenen Jahres sagte.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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