Gewinnbeteiligung statt Corona-Hilfe

Daimler: Mitarbeiter-Prämie von 500 Euro bringt Staat Millionen an Steuern ein

Ein Mercedes-Stern steht am Mercedes-Benz-Werk.
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Die Daimler AG deklariert die Zahlung von 500 Euro als Beteiligung - deshalb müssen die Mitarbeiter Steuern zahlen.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG zahlt 135.000 Mitarbeitern eine Prämie von 500 Euro. Trotz der Pandemie-Bedingungen fallen dabei Steuern an - der Staat verdient mehrere Millionen.

Stuttgart - Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr massiv zu kämpfen. Die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg führte dazu, dass mehrere Werke des Autokonzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart wochenlang stillstanden. Auch der Absatz des großen Autobauers brach massiv ein und zwang Daimler zu einem noch radikaleren Sparplan als von CEO Ola Källenius geplant. Im Zuge des Sparplans wurden Tausende Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt und viele Boni und Sonderzahlungen gestrichen. Dazu zählte beispielsweise auch die jährliche Prämie. Stattdessen erhielten die Angestellten jedoch eine Corona-Prämie von 1.000 Euro.

Die Rettung für das zunächst sehr schwach erscheinende Geschäftsjahr 2020 war für die Daimler AG letztendlich der starke Absatzaufschwung auf dem chinesischen Markt. Für die Stuttgarter und auch andere deutsche Autobauer ist China inzwischen der wichtigste Markt, dort boomt vor allem das Geschäft mit Luxusautos. Letztendlich konnte die Daimler AG im Krisen-Jahr 2020 einen Milliardengewinn einstreichen und schüttete eine große Summe an die Aktionäre aus.

Das führte zu allerhand Kritik, da der schwäbische Konzern zuvor Corona-Staatshilfen in Anspruch genommen hatte. Nach mehreren Verhandlungen knickte die Daimler AG ein und will 135.000 Mitarbeitern eine Prämie von 500 Euro zahlen. Die Angestellten müssen darauf jedoch Steuern zahlen, was dem Staat mehrere Millionen Euro einbringt, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Daimler AG: Prämie als Corona-Sonderzahlung? Mitarbeiter müssen dennoch Steuern zahlen

Für die Mitarbeiter der Daimler AG war das vergangene Jahr 2020 ganz besonders hart. Nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft, sondern auch die groß angelegte Umstrukturierung auf die E-Mobilität forderte viele Opfer. Die im Dezember gezahlte Corona-Prämie sollte ein „Zeichen der Anerkennung setzen und die persönlichen Belastungen abmildern“, sagte Daimler-Personalchef Wilfried Porth damals. Bis Ende Juni 2021 können Unternehmen bis zu 1.500 Euro an Mitarbeiter auszahlen, um sie für die Belastungen aufgrund der Corona-Krise zu entlasten, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Dabei fallen keine Steuern oder Angaben an, solange die Zahlungen als Coronahilfen deklariert sind, heißt es im Coronahilfen-Steuergesetz.

Demnach könnte die Daimler AG die bald anstehende Prämie von 500 Euro zusammen mit der Corona-Prämie von 1.000 Euro im vergangenen Jahr steuerfrei als Corona-Hilfe an die Mitarbeiter überweisen. Laut den Stuttgarter Nachrichten entschied sich der Konzern jedoch dazu, die anstehende Zahlung nicht als Corona-Hilfe zu deklarieren. Stattdessen werde die Zahlung als Erfolgsbeteiligung am Gewinn des Autobauers ausgezahlt und ist damit steuer- und abgabepflichtig.

Daimler AG: Beteiligung auch für die Mitarbeiter bringt Staat Millioneneinnahmen

Der Betriebsrat der Daimler AG verteidigt das Vorgehen gegenüber den Mitarbeitern. Die Begründung sei, dass eine Beteiligung nicht nur dem Vorstand und den Aktionären zustehe, sondern auch den Angestellten, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Da die Mitarbeiter jedoch von der erhaltenen Prämie Steuern und Abgaben zahlen müssen, belastet dieses Vorgehen vor allem sie. Der Konzern selbst kann die Zahlungen nämlich in jedem Fall steuerlich absetzen. Für die öffentlichen Kassen des Staates bedeuten die versteuerten Prämien der Daimler-Mitarbeiter allerdings Mehreinnahmen im zweistelligen Millionenbereich.

Zuvor hatte der Betriebsrat der Daimler AG zunächst die Rücknahme der umstrittenen Maßnahmen gegen die Mitarbeiter gefordert. Dazu zählte vor allem die Kurzarbeit für Angestellte in der Verwaltung. In Bezug auf den Millionengewinn forderte der Betriebsrat bereits vor einigen Wochen eine Mitarbeiterbeteiligung, die der Stuttgarter Konzern letztendlich bewilligte.

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