Von Mercedes zu Tesla

Daimler-Ingenieur wechselt nach 13 Jahren zu Tesla: „Daimler ist wie eine Behörde“

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Die Daimler AG setzt verstärkt auf E-Autos und befindet sich im Konkurrenzkampf mit Tesla. Nun wechselt erneut ein Mitarbeiter von Daimler die Fronten - in einem Video auf YouTube erklärt er seine Entscheidung.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich im Wandel hin zur E-Mobilität und baut die Produktion in vielen Werken entsprechend um. so soll beispielsweise eines der wichtigsten deutschen Werke massiv eingedampft werden und auch das älteste deutsche Daimler-Werk in Berlin stellt die Produktion von Verbrennern nach 118 Jahren ein. Der Stuttgarter Autobauer verabschiedet sich jedoch nicht vollständig von dieser Technologie, sondern will Verbrennermotoren zukünftig in China produzieren. Durch den Fokus auf E-Autos trat der Konzern auch in die direkte Konkurrenz zum US-Hersteller Tesla. Das Unternehmen von Elon Musk gilt als Pionier der E-Mobilität in der weltweiten Autobranche.

In den letzten Wochen und Monaten gab es immer wieder Reibungspunkte zwischen der Daimler AG und Tesla. Während Tesla-Chef Elon Musk den Konkurrenzkampf nicht allzu zu ernst nimmt und sich offenbar sogar eine Fusion mit Daimler vorstellen könnte, fühlt man sich in Stuttgart dem E-Pionier nach wie vor überlegen. „Tesla ist kein großer Konkurrent“, sagte ein Top-Manager des Autobauers aus der Schwabenmetropole. Nun wechselt jedoch ein Daimler-Ingenieur, der auch Youtuber ist, zu Tesla und erklärt seine Beweggründe in einem Video.

Daimler AG: Ingenieur wechselt die Fronten - Er ist nicht der Erste

Bei der Daimler AG spitzt sich die Lage am ältesten noch aktiven Werk in Berlin seit einiger Zeit zu. Während der Stuttgarter Autobauer in der Fabrik massiv Stellen streicht, baut Konkurrent Tesla nur wenige Kilometer entfernt eine Gigafactory, die Tausende Jobs schaffen soll. Nachdem bereits der Werksleiter der Daimler-Fabrik in Berlin zu Tesla gewechselt war, folgt ihm nun auch ein Ingenieur. Stefan Schwunk, der Betreiber des YouTube Kanals „Schwunkvoll“ arbeitet seit über 13 Jahren im Mercedes-Benz-Werk in Bremen als Ingenieur. „Hier habe ich nach meinem Studium alles über den Automobilbau gelernt“, sagt er in einem Video auf seinem Kanal.

In dem Werk der Daimler AG in Bremen hat Stefan Schwunk im Laufe der 13 Jahre alle zehn Baureihen des Herstellers betreut. „Die Bezahlung war super und die Kollegen sind sogar zu Freunden geworden“, sagt der Ingenieur. Nun lässt er das jedoch zurück und wechselt zu Tesla in die Hauptstadt der Bundesrepublik. Mit einer entsprechenden Ausbildung als Ingenieur habe er bei Daimler gutes Geld verdient, erzählt Schwunk in seinem Video „Als Ingenieur von Mercedes zu Tesla - warum wage ich diesen Schritt“. Bis zuletzt betreute er die neuen E-Modelle des Stuttgarter Autobauers, wie den EQC.

Daimler AG: Von Mercedes zu Tesla - die Beweggründe

In seinem Video erklärt Stefan Schwunk seine Arbeit bei der Daimler AG in den letzten rund 13 Jahren. „Das Einzige, was ich dem Daimler Konzern vorzuwerfen habe, ist, dass ich niemals die Chance bekommen habe, ein Team zu führen“, sagt der Ingenieur. Das habe ihn auch bis zuletzt gestört. Durch die immer weiter fortschreitende Entwicklung der E-Mobilität habe sich sein Denken geändert und er habe seinen Job bei Daimler infrage gestellt, erklärt Schwunk. „Mercedes propagiert ganz viel EQ - wir setzen auf E-Mobilität“. E-Mobilität bedeute in diesem Fall jedoch nicht nur Fahrzeuge mit Elektroantrieb, sondern auch die Hybrid-Modelle.

Innerhalb der Daimler AG herrsche noch kein einheitliches „Mindset“ zum Thema E-Mobilität, erklärt Schwunk. Viele Mitarbeiter warten noch auf den Wasserstoffantrieb oder diskutieren intern über die Brennstoffzelle. „Da muss also noch viel passieren“, sagt der Ingenieur in seinem Video. Obwohl er in seinen Videos oftmals den Modellen von Tesla kritisch gegenübersteht, entschloss sich Stefan Schwunk sich bei dem US-Hersteller zu bewerben. „Ich fange am 1. Februar 2021 in Grünheide an“, sagt Schwunk. Zu diesem Zeitpunkt werde dort noch kein Auto produziert. Seine Aufgabe bestehe darin, Prozesse zu gestalten. „Diese Chance ist einmalig und die musste ich einfach nehmen.“

Daimler AG: Viel zu lange Prozesse bis zur Entscheidung - „Behörde“

Bei der Daimler AG zeige sich aktuell auch, dass CEO Ola Källenius kein Ingenieur sei, sondern BWLer, sagt Stefan Schwunk in seinem Video auf YouTube. „Das, was ich in den letzten Jahren bei der Behörde Daimler erlebt habe, das sind richtig langwierige Prozesse und bis man dann eine Entscheidung trifft, geht das durch drei oder vier Instanzen durch“, so der Ingenieur. Tesla habe dagegen eine direkte Vision und alle Mitarbeiter seien sich bewusst, dass in Berlin E-Autos gebaut werden.

Bei Tesla seien die Prozesse schneller als bei jedem anderen Autobauer. Das verspricht sich Stefan Schwunk bei seiner Arbeit bei Tesla auch in seinem Bereich zu erleben, wie er in dem Video auf YouTube sagt. Welche Position der ehemalige Ingenieur der Daimler AG im Februar bei dem Unternehmen von Elon Musk antreten wird, sagt er jedoch nicht.

Rubriklistenbild: © Screenshot/YouTube/Kanal: Schwunkvoll

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