Eine Milliarde an Einnahmen erwartet

„Relikt aus vorherigem Jahrhundert“: Daimler will 25 Niederlassungen verkaufen - 2.800 Mitarbeiter betroffen

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Daimler AG auf Sparkurs: Der Konzern verkauft in drei Ländern konzerneigene Vertriebsstützpunkte.
  • Valentin Betz
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Eigentlich hat die Daimler AG die Corona-Krise gut überstanden. Trotzdem fährt der Konzern einen strikten Sparkurs - dabei geht der Blick des Vorstands jetzt ins Ausland.

Stuttgart - Anders als zu Beginn der Pandemie befürchtet, konnte die Corona-Pandemie der Daimler AG keinen nachhaltigen Schaden zufügen. Noch immer stehen für den Fahrzeughersteller aus Stuttgart aber gewaltige Herausforderungen an, darunter der Wandel zur Elektromobilität. Deshalb fährt der Konzern noch immer einen Sparkurs, den bislang vor allem die Mitarbeiter durch massiven Stellenabbau zu spüren bekamen.

Entlassungen sind aber nicht die einzige Stellschraube, an der die Daimler AG dreht. Der Sparkurs brachte den Daimler-Bossen bereits peinliche Spitznamen ein. Wie das Handelsblatt berichtet, hat Daimler den Blick jetzt auf das Ausland gerichtet, um weiter finanzielle Sicherheit zu garantieren. Demnach hat es Daimler-CEO Ola Källenius auf ein „Relikt aus dem vorherigen Jahrhundert“ abgesehen und Daimler prüft als Sparmaßnahme einen Hammer-Verkauf*.

Vertriebsnetz der Daimler AG: Standorte in Europa fallen Sparkurs zum Opfer

Der Firmensitz des Konzerns ist zwar in Stuttgart. Daimler-Standorte sind aber auf der ganzen Welt verteilt, viele davon in Europa. Daimler ist hier in 19 Ländern mit mehr als 1.500 Pkw-Vertriebsstandorten vertreten. Ein Großteil davon wird allerdings von externen Händlern geführt. Der Fahrzeughersteller betreibt aber auch eigene Vertriebsstützpunkte - noch. Denn laut Handelsblatt will Daimler konzerneigene Retail-Stationen und Werkstätten in Großbritannien, Spanien und Belgien verkaufen, um Fixkosten zu reduzieren.

In den drei Ländern wären 25 Retail-Stationen und Werkstätten vom Verkauf betroffen, die dann an unabhängige Händler oder Investoren weitergegeben werden würden. Die Daimler AG könnte damit eine Menge Geld sparen. Das Handelsblatt geht von 30 bis 40 Millionen Euro pro Niederlassung aus. Insgesamt wären Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro durch den Verkauf denkbar.

Ganz neu ist diese Sparmaßnahme allerdings nicht, Deutschland hat diese Entwicklung bereits hinter sich. 2014 entschied Daimler-CEO Ola Källenius 63 der damals 158 Filialen von Daimler-Tochter Mercedes-Benz zu verkaufen. Die Vertriebskosten des Fahrzeugherstellers sanken daraufhin um etwa 200 Millionen Euro.

Daimler AG: Auch kleineres Vertriebsnetz bedeutet Entlassungen - aber nicht Schließung

Dass Daimler-CEO Ola Källenius in den konzerneigenen Vertriebs- und Servicestützpunkten Relikte aus dem vergangenen Jahrhundert sieht, hat Gründe. Sie gelten als nur wenig lukrativ. In Asien oder den USA arbeitet die Daimler AG fast nur mit externen Partnern zusammen und erzielt dort meist sogar bessere Margen als in Europa „Wir müssen anerkennen, dass gute Händlerbetriebe deutlich effizienter wirtschaften als unsere Kleinfürsten in den Niederlassungen“, so ein Daimler-Mitarbeiter gegenüber dem Handelsblatt.

Die Standorte in Großbritannien veranschaulichen die Hintergründe für einen Verkauf besonders. Die Mercedes-Benz Retail Group UK schreibt seit Jahren rote Zahlen, Daimler musste seiner englischen Vertriebseinheit zuletzt sogar eine Kapitalspritze von umgerechnet gut 25 Millionen Euro gewähren. Der Verkauf in Großbritannien, Spanien und Belgien bedeutet allerdings nicht, dass das Vertriebsnetzwerk künftig nicht weiterhin für die Daimler AG tätig ist. „Verkauf bedeutet nicht Schließung“, so eine Daimler-Sprecherin zum Handelsblatt. Die Fortführung der Aktivitäten an den einzelnen Standorten habe „höchste Priorität“.

Das ist für die Mitarbeiter einerseits ein gutes Zeichen, da Daimler ihnen eine „langfristige Perspektive“ bieten und gleichzeitig die Kunden vor Ort weiter bestmöglich betreuen wolle. Ganz ohne Entlassungen wird der Konzern aber auch im Ausland nicht auskommen. Das Handelsblatt rechnet in Summe mit rund 2.800 Beschäftigten, die ihre Anstellung verlieren werden. *echo24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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