„Bananenentwicklung“

Gefährliche Mängel: Daimler muss laut Studie am häufigsten Autos zurückrufen

Daily Life In Edmonton A new Mercedes-Benz vehicle parked outside a Mercedes-Benz dealership in South Edmonton. On Tuesd
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In Autos der Daimler AG steckt jede Menge Software. Die hat bei dem Konzern aber oft Fehler - was lebensgefährlich sein kann.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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In Autos wird immer mehr Software eingesetzt. Die Hersteller bauen aber erst langsam Expertise auf. Besonders Daimler hat damit offenbar Schwierigkeiten.

Stuttgart/USA - Als Pionier der Automobilherstellung hat die Daimler AG eine starke Qualität aufgebaut und genießt international hohes Ansehen. Die Industrie hat sich in letzter Zeit aber stark gewandelt. Die Elektromobilität setzt sich durch, gleichzeitig gewinnt Software in Autos massiv an Bedeutung.

Das hat die Daimler AG lange verschlafen und damit den Weg für E-Auto-Pionier Tesla geebnet. Inzwischen hat der Konzern aus Stuttgart aber die Aufholjagd gestartet. Bereits im vergangenen Jahr kündigte Daimler das „Smartphone auf vier Rädern an“ und sagte Tesla den Kampf an.

Daimler ist mit dieser Ansage in guter Gesellschaft, die gesamte Automobilindustrie rüstet auf. Allerdings braucht es Zeit, Expertise im Bereich Software aufzubauen. Eine Studie des Center of Automotive Management (CAM) zeigt aktuell, dass dort Nachholbedarf herrscht. Wie das Handelsblatt berichtet, wertete die Studie die Rückrufe von Fahrzeugen in den USA basierend auf softwarebedingten Störungen aus - mit miesem Ergebnis für Daimler.

Gefährliche Softwarefehler: Rückrufrate nimmt rasant zu

Softwarefehler in Fahrzeugen sind kein kleines Problem, denn sie ist nicht nur für Spielereien im Bordcomputer zuständig. Wie gefährlich Mängel werden können, zeigte unlängst die Porsche AG. Fehler in der Software des Porsche Taycan sorgten dafür, dass er sich spontan ausschaltet. Bei voller Fahrt kann das lebensbedrohlich sein.,

Das CAM fand in seiner Studie heraus, dass in den USA im ersten Halbjahr 2021 bereits 2,7 Millionen Autos und leichte Nutzfahrzeuge wegen Softwarefehlern zurückbeordert werden mussten. Das ist mehr als im gesamten Vorjahr. Auch der Anteil an Rückrufen bei Softwareproblemen stieg insgesamt, er verdoppelte sich von 7 auf 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Softwarefehler bei Daimler: Konzern aus Stuttgart mit Horror-Rückrufquote

Die Daimler AG schnitt in der Studie mit seinen Fahrzeugen von Mercedes-Benz besonders schlecht ab. An den Rückrufen wegen Softwarefehlern in den USA hat der deutsche Fahrzeughersteller mit 64 Prozent den größten Anteil.

Eigentlich läuft es für die Daimler AG in den USA nicht schlecht. 160.000 Fahrzeuge verkaufte der Konzern aus Stuttgart dort in den ersten beiden Quartalen 2021. Gleichzeitig rief Daimler aber zwei Millionen Fahrzeuge zurück. Das entspricht einer Horror-Rückrufquote von 1.250 Prozent, das heißt Daimler rief 12,5-mal so viele Autos zurück, als es Neuwagen verkaufte.

Daran zeigt sich, dass der Markt sich wohl schneller entwickelt, als die Daimler AG mit dem Aufbau von Software-Expertise gegensteuern kann - obwohl der Konzern Fachkräfte lockt. 3.000 Mitarbeitet sucht die Daimler AG im IT-Bereich.

Software bei Daimler und Co.: Hohe Dunkelziffer - Problem wird sich verschärfen

Die Daimler AG kommt in der aktuellen Studie besonders wegen eines Massenrückrufs schlecht weg. 1,3 Millionen Fahrzeuge musste der Konzern in den USA zurückrufen, weil Standortdaten bei Unfällen von der Software falsch übermittelt wurden. Der Direktor des CAM sieht derweil kein Ende der Softwaremängel. „Insgesamt ist bereits abzusehen, dass Probleme rund um das Batteriesystem sowie Softwareprobleme erheblich zunehmen werden“, so Stefan Bratzel laut Handelsblatt.

Besorgniserregend findet der Direktor des CAM das aber nicht. Denn moderne Autos würden sich erst allmählich in rollende Computer wandeln. Bratzel bezeichnet das als „Bananenentwicklung“, weil die Fahrzeuge „erst beim Kunden“ reifen. E-Auto-Pionier Tesla hat dies Vorgehensweise perfektioniert. Schon seit einem Jahrzehnt bietet der US-Hersteller drahtlose Software-Updates an und rüstet seine Fahrzeuge damit schrittweise nach. Auch die Daimler AG beherrscht diese over-the-air Updates inzwischen.

Trotzdem hinkt Daimler dem Konkurrenten Tesla hinterher. Das zeigt auch der Langzeitvergleich der CAM-Studie bei den Rückrufen. Mit 350 Millionen zurückbeorderten Fahrzeugen und einer Quote von mehr als 200 Prozent von 2011 bis heute ist dieser in den USA zwar erschreckend hoch. Tesla hat mit einer Rückrufquote von 55 Prozent in diesem Zeitraum aber den niedrigsten Wert. Daimler liegt mit 201 Prozent auf lange Sicht zumindest im Mittelfeld.

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