Kurzarbeit und Chipkrise

Massenkündigung bei Daimler: Hunderte Mitarbeiter verlieren Job - „größter Saftladen aller Zeiten“

Ein Mitarbeiter der Daimler AG hat in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
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Aufgrund der Chipkrise setzt die Daimler AG Mitarbeiter mehrerer Werke vor die Tür. Zudem müssen große Teile der Belegschaft erneut in Kurzarbeit.
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Aufgrund der anhaltenden Halbleiter-Krise schickt die Daimler AG erneut Mitarbeiter in die Kurzarbeit. In mehreren Werken müssen Hunderte Angestellte jedoch endgültig gehen.

Stuttgart/Bremen/Rastatt - Der Lieferengpass von wichtigen Halbleiter-Komponenten bereitet der Daimler AG bereits seit Februar Probleme. Zu diesem Zeitpunkt stoppte Daimler die Produktion in einem deutschen Werk erstmals. Seitdem standen die Bänder in mehreren Werken des Autobauers aus der Landeshauptstadt Stuttgart immer wieder temporär still und die Mitarbeiter mussten immer wieder in die Kurzarbeit. Dieses Stop-and-go der Produktion beim Premiumhersteller sorgt für steigende Verunsicherung. Die wochenlange Kurzarbeit lässt Mitarbeiter verzweifeln.

Durch die Probleme bei der Lieferung von Halbleiter-Komponenten waren mehrere Standorte der Daimler AG betroffen. Besonders hart traf es die Belegschaft in Bremen und Rastatt, doch auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur zehn Monate nach der Eröffnung wieder still. Die Krise ist jedoch noch nicht überstanden. Laut Informationen des Portals bunntenunbinnen.de schickt Daimler erneut große Teile der Belegschaft in Bremen in die Kurzarbeit. Zudem setzt der Autobauer Hunderte Mitarbeiter endgültig vor die Tür.

Daimler AG: Chipkrise dauert an - erneut Kurzarbeit in Mercedes-Werk Bremen

Das Mercedes-Benz-Werk Bremen ist eines der größten Produktionsstätten der Daimler AG in Deutschland. Im Werk mit rund 12.500 Mitarbeitern wird unter anderem die C-Klasse produziert. Durch die Chipkrise verlagerte der Konzern den Produktionsfokus in den vergangenen Monaten allerdings eher auf das Premiumsegment. Modelle wie die S-Klasse und das elektrische Pendant EQS wurden bevorzugt gebaut, während Daimler die Produktion der meistverkauften Modellreihe temporär stoppte. Für die Belegschaft in Bremen waren die vergangenen Wochen alles andere als leicht. Erst kürzlich schickte Daimler wieder 1.000 Mitarbeiter in die Kurzarbeit.

Im Laufe der Krise durch den Lieferengpass gab es bei der Daimler AG immer wieder Entwarnungen und die Produktionen liefen wieder an. Nun schickt der Autobauer jedoch erneut große Teile der Belegschaft in Bremen ab kommender Woche in die Kurzarbeit, wie buntenunbinnen.de berichtet. Die Jahresproduktion an dem Standort habe sich durch die anhaltende Krise fast halbiert. Als weitere Konsequenz der Krise setzt die Daimler AG zudem hunderte Leiharbeiter vor die Tür. Laut dem Portal sollen ab Oktober bis Ende des Jahres alle Sonderschichten in der Produktion in Bremen wegfallen. Demnach fallen für eine dreistellige Zahl an Mitarbeitern ab Oktober die Beschäftigungsfelder weg.

Das Mercedes-Werk der Daimler AG in Bremen hat bereits seit Langem massiv unter der Chipkrise zu leiden. Nun veröffentlichte das Werk jedoch erstmals betriebsinterne Prognosen, wie sich die Lieferprobleme auf die Produktion auswirken werden. Demnach geht die Standortleitung von 230.000 produzierten Fahrzeugen in diesem Jahr aus. Vor der Corona-Pandemie, die einen großen Teil zu der Halbleiterkrise beitrug, rollten in Bremen jährlich rund 400.000 Mercedes-Modelle vom Band.

Daimler AG: Kurzarbeit und Entlassungen auch in Rastatt - „größter Saftladen aller Zeiten“

Neben dem Mercedes-Werk in Bremen ist auch das Werk der Daimler AG im baden-württembergischen Rastatt besonders von Kurzarbeit und Produktionsstopps betroffen. Ähnlich wie im Bremer-Werk werden hier Kompaktwegen hergestellt, die aufgrund der Lieferschwierigkeiten von Halbleitern zugunsten der Luxusmodelle von Mercedes-Benz zurückstecken mussten. Kürzlich geriet Daimler auch wegen einer Fremdfirma in Erklärungsnot. Mitarbeiter in Rastatt fühlen sich ausgebeutet. Nach Angaben der Badischen Neuesten Nachrichten rumort es am Standort aktuell gewaltig. Auch in Rastatt wurden demnach Hunderte Leiharbeiter abgestellt.

Aktuell ist von ein Ende der Chipkrise in der Autoindustrie und auch bei der Daimler AG noch nicht abzusehen. Daimler-Chef Ola Källenius sprach von einer jahrelangen Krise, der Vorstandsvorsitzende rechnet erst mit einer Beruhigung der Lage im Jahre 2023. Das bereitet derzeit vor allem den Leiharbeitern an den Standorten Sorgen, die nun um ihre Jobs bangen müssen. „Das ist eh der größte Saftladen aller Zeiten“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. „Arbeitsplätze mit Leiharbeiter füllen [...] und wenn man sie nicht mehr braucht, schmeißt man sie raus.“ Die Gewerkschaft IG Metall und der Daimler-Betriebsrat haben für den heutigen Donnerstag eine Pressekonferenz angekündigt.

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