50.000 Postkarten

Daimler-Mitarbeiter kämpfen mit bewegender Aktion vor der Konzernzentrale um ihre Jobs

Mitarbeiter der Daimler AG stehen bei einer Protestaktion des Daimler-Gesamtbetriebsrats und der IG Metall hinter Wäschekörben mit Unterschriften.
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Mitarbeiter, Betriebsrat und Gewerkschaft überreichten der Leitung der Daimler AG zwölf Wäschekörbe mit Protest-Postkarten.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG baut im Zuge der Umstrukturierung auf die E-Mobilität massiv Stellen ab. Ein Video zeigt eine Protestaktion der verzweifelten Mitarbeiter vor der Konzernzentrale in Stuttgart.

Update vom 4. Dezember, 13:00 Uhr: Im Zuge der Umstrukturierung auf die E-Mobilität sollen bei der Daimler AG Tausende Stellen abgebaut werden. Das betrifft auch das Stammwerk in der Konzernzentrale in Untertürkheim. Am Donnerstag, dem 3. Dezember, wollten Mitarbeiter und der Betriebsrat Daimler-Chef Ola Källenius symbolisch 170.000 Protest-Postkarten überreichen. Ein Video zeigte die verzweifelte Aktion der Belegschaft.

Daimler AG: Video zeigt Protestaktion der Mitarbeiter vor der Konzernzentrale

Ein Sprecher des Betriebsrates der Daimler AG sagte bereits im Vorfeld der Protestaktion, dass das sammeln von 170.000 Postkarten nicht möglich gewesen sei. Laut dem SWR überreichten die Mitarbeiter am Donnerstag vor der Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim der Unternehmensleitung jedoch zwölf Wäschekörbe mit insgesamt 50.000 Postkarten. In Zeiten von Corona und Homeoffice sei es auch bei Daimler teilweise schwer, die Mitarbeiter zu erreichen. Dafür sei die Ausbeute gar nicht so schlecht, teilte die Gewerkschaft IG Metall mit.

Die Protestaktion vor den Toren der Konzernzentrale war nach Angaben des Betriebsrats die erste derartige gemeinsame Aktion in der Geschichte der Daimler AG. Auf den Postkarten schrieben die Mitarbeiter ihre Sorgen und Wünsche nieder, dahinter stünden Menschen, die Daimler groß und erfolgreich gemacht hätten, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht dem SWR. „Die Unternehmensleitung muss diese Erfahrung, die wir haben, auch in Zukunft nutzen“, so Brecht weiter. „Hört uns zu und lasst die Beschäftigten Teil der Veränderung sein.“

Nach dem Protest der Mitarbeiter will die Daimler AG jetzt doch Tausende Jobs in Deutschland retten. Der Betriebsrat und die Konzernführung einigten sich auf einen sogenannten Transformationsfond über eine Milliarde Euro. Der Fonds soll Jobs sichern.

Erstmeldung: Stuttgart - Das Jahr war für die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart alles andere als einfach. Vor allem die Mitarbeiter des Automobilkonzerns sind schwer von der aktuellen Krise betroffen. Die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg auf die Wirtschaft zwangen das Unternehmen zu einem deutlich härteren Sparplan als von CEO Ola Källenius angekündigt. Die Corona-Krise ist jedoch nicht das einzige Problem. Im Zuge der Umstrukturierung auf die Produktion von E-Autos sollen in zahlreichen Werken von Daimler massiv Stellen abgebaut werden. Nun droht die Lage zu eskalieren. Für Donnerstag, den 3. Dezember, ist eine Protestaktion geplant.

Die Daimler AG befindet sich aktuell im Wandel. Durch die Umstrukturierung auf die E-Mobilität kündigte der Konzern an, eines der wichtigsten deutschen Werke massiv einzustampfen. Auch am ältesten deutschen Werk in Berlin wird die Produktion von Verbrennern nach 118 Jahren eingestellt. Für besonderen Unmut unter den Mitarbeitern sorgte der Weggang des Leiters im Werk in Berlin-Marienfelde zum Konkurrenten Tesla. Die Mitarbeiter sind entsetzt über die Quasi-Schließung des Standorts und gingen bereits vor dem Werk auf die Barrikaden.

Nun droht die Lage vollständig zu eskalieren, wie tagesschau.de berichtete.

Daimler AG: Protestaktion am Donnerstag - Lage scheint immer weiter zu eskalieren

Kurz vor dem Jahresende ist die Stimmung bei den Mitarbeitern der Daimler AG mehr als nur angespannt. Der Betriebsrat des Stuttgarter Autobauers wehrt sich schon seit Langem gegen den massiven Sparplan, der für Tausende Beschäftigte einen Jobverlust bedeutet. Daimler sprach erst kürzlich eine Drohung gegenüber den Mitarbeitern aus, die sich gegen die Pläne des Konzerns stellen. Der Betriebsrat und der Vorstand streiten sich aktuell über den Elektro-Campus in Untertürkheim, dessen Produktion teilweise verlagert werden soll. Für diesen Donnerstag plant die Arbeitnehmervertretung mit den Mitarbeitern eine symbolische Aktion gegen den Autobauer.

Laut tagesschau.de wollen der Betriebsrat der Daimler AG und die Gewerkschaft IG Metall Daimler-Chef Ola Källenius und Aufsichtsratschef Manfred Bischoff am Donnerstag symbolisch 170.000 Protest-Postkarten überreichen. Dabei stehe eine Karte für einen Mitarbeiter des Konzerns.

Es sei zwar nicht möglich gewesen, wirklich 170.000 Postkarten zu sammeln, mehrere Zehntausend dürften jedoch zusammen gekommen sein, sagte ein Sprecher des Betriebsrats gegenüber tagesschau.de. Bis zu den mit Spannung erwarteten Tarifverhandlungen könnten zudem noch weitere Protestaktionen folgen.

Daimler AG: Die Mitarbeiter des Autokonzerns haben „Angst um ihre Zukunft“

Für die Daimler AG sieht es nach einem harten Corona-Jahr wirtschaftlich eigentlich gut aus. Durch die Sparmaßnahmen sollen dennoch an sechs deutschen Werken rund 20.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. „Transformation, Covid, Rezession. Die Belegschaft leistet bei allen Herausforderungen ihren Beitrag: Qualifikation, Hygieneregeln, Sparbeitrag. Doch das reicht dem Vorstand nicht“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht laut tagesschau.de. „In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft. Die Belegschaft in der Verwaltung fühlt sich verstoßen.“

Die Situation in der deutschen Autobranche ist noch immer sehr angespannt. Sollte sich die Lage in den kommenden Monaten nicht bessern, könnte sich der Streit zwischen den Arbeitnehmern und dem Vorstand der Daimler AG weiter zuspitzen. „Der Vorstand schießt über das Ziel hinaus“, sagte Brecht kürzlich gegenüber dem Handelsblatt. „Die Belegschaft ist doch nicht der Feind“. Der Betriebsratschef bemühte sich in der Vergangenheit um Kompromisse, zeigt sich angesichts der Lage inzwischen jedoch kämpferisch. „Eine Beziehung, in der man sich weigert, aufeinander zu zugehen, hält nicht lange“, sagte Brecht.

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