Halbleiter-Krise beim Autobauer

Daimler stoppt Produktion von meistverkaufter Modellreihe

Eine Cabriolet-Version der Mercedes-Benz E-Klasse bei einer Testfahrt.
+
Im Daimler-Werk in Sindelfingen ruht derzeit die Produktion der Mercedes E-Klasse - Grund ist der Engpass bei der Halbleiter-Lieferung.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Bei der Daimler AG sorgen noch immer Lieferengpässe bei den Halbleiter-Komponenten für Probleme. Der Konzern stoppt nun zwischenzeitlich die Produktion seiner meistverkauften Modellreihe.

Stuttgart/Sindelfingen - Der weltweite Lieferengpass bei den Halbleiter-Komponenten betrifft auch die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Der Autobauer musste aufgrund der fehlenden Bauteile bereits im Februar die Produktion in einem Werk stoppen. Die Halbleiter-Komponenten werden bei allen gängigen Baureihen des Konzerns mit dem weltbekannten Stern verbaut. Durch den Produktionstopp mussten die Mitarbeiter im Rastatter Werk in Kurzarbeit und rund 100.000 Fahrzeuge konnten nicht fertiggestellt werden. Ursprünglich waren die Mitarbeiter verschiedener Werke der Daimler AG bis Ende April in Kurzarbeit geschickt worden. Am Mercedes-Benz-Werk in Bremen verlängerte der Autobauer die Maßnahme sogar bis zum 11. Mai.

Nun hat die Halbleiter-Krise auch die „Factory 56“ in Sindelfingen erreicht. In der modernen Fabrik der Daimler AG wird unter anderem das Flaggschiff S-Klasse und das vollelektrische Pendant EQS produziert. Um einen Produktionstopp dieser wichtigen Baureihen zu vermeiden, stoppte der Stuttgarter Konzern nun jedoch die Herstellung der meistverkauften Modellreihe vorübergehend, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Demnach ruht die Produktion der Mercedes E-Klasse in Sindelfingen seit dem 3. Mai und soll auch noch bis einschließlich 14. Mai stillstehen. Die Mitarbeiter der Produktionsreihe befinden sich in Kurzarbeit.

Daimler AG: Erneuter Produktionsstillstand durch Lieferengpass

Die Daimler AG stellte erst vor wenigen Wochen die elektrische Limousine EQS vor. Das E-Auto soll zum Superkonkurrenten für Tesla werden. Die Schwaben wollen sich mit dem Fahrzeug endgültig auch als E-Autobauer etablieren. Durch den derzeitigen Lieferengpass bei den Halbleitern könnte jedoch auch die Produktion des EQS betroffen sein. Da Daimler der Elektrooffensive inzwischen jedoch deutliche Prioritäten einräumt, entschied sich der Konzern offenbar, die Produktion der E-Klasse temporär einzustellen. „Die Bänder bei der E-Klasse stehen bis zum 14. Mai still – zunächst einmal“, sagte ein Daimler-Mitarbeiter gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Daimler selbst bestätigte bislang nicht, dass es sich um die E-Klasse handele.

Obwohl die Mercedes S-Klasse allgemein hin als das Aushängeschild der Daimler AG gilt, verkaufte sich die E-Klasse in den vergangenen Jahrzehnten deutlich öfter und ist seit 2007 sogar die meistverkaufte Fahrzeugklasse der oberen Mittelklasse in ganz Deutschland und Europa. Im Werk in Sindelfingen arbeiten rund 24.000 Mitarbeiter an den Baureihen E-Klasse, S-Klasse und dem elektrischen EQS. Wie viele Mitarbeiter von dem Produktionstopp betroffen und damit bis 14. Mai in Kurzarbeit bleiben müssen, kommentierte der Konzern laut der Stuttgarter Zeitung nicht.

Daimler AG: Autobauer setzt Priorität auf S-Klasse und EQS

Durch die Lieferengpässe bei den Halbleitern konnte Volkswagen rund 100.000 Fahrzeuge im ersten Quartal nicht produzieren, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Das sei auch im Jahresverlauf nicht mehr aufzuholen. Die Daimler AG zeigt sich in Bezug auf den erneuten Produktionstopp dagegen zuversichtlicher. „Wir sind zuversichtlich in den Bereichen, in denen die Beschäftigten in Kurzarbeit sind, die Ausfälle über das Jahr zu kompensieren und aufzuholen“, sagte Ergun Lümali, Betriebsratschef in Sindelfingen gegenüber der Zeitung. Aktuell sei die Situation für die Daimler-Mitarbeiter in der „Factory 56“ jedoch sehr belastend, denn „wir könnten mehr produzieren.“

Der Halbleiter-Engpass ist derzeit stark von Schwankungen geprägt. In der gesamten Autoindustrie kommt es dadurch immer wieder zu Produktionsverzögerungen aufgrund von nicht verfügbaren Elektronikbauteilen. Die Daimler AG reagiere „aufgrund der hohen Flexibilität unserer Werke kurzfristig“, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Konzerns. „Die Situation ist volatil (unbeständig Anm.d.Red.), es ist daher nicht möglich, eine Prognose zu den Auswirkungen abzugeben.“ Aktuell liege der Fokus im Daimler-Werk in Sindelfingen klar auf der Produktion der S-Klasse, der Maybach S-Klasse und dem elektrischen EQS. Daimler versuche die Krise weitgehend von der S-Klasse fernzuhalten, garantieren könne man das jedoch nicht, sagte Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm kürzlich bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare