Umstrukturierung und Luxusstrategie

Daimler verschwendete 100 Millionen Euro für ein Werk, das jetzt geschlossen werden muss

Ein Mitarbeiter der Daimler AG hat in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
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Aufgrund der fatalen wirtschaftlichen Lage, stellt Daimler die Produktion von Mercedes-Pkw in Brasilien ein (Symbolbild).
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG befindet sich im Wandel und baut massiv Stellen ab. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage wird nun ein Werk geschlossen, in das der Stuttgart Autobauer einst fast 100 Millionen Euro investierte.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich mitten in der Umstrukturierung auf die E-Mobilität und baut massiv Stellen ab. Das älteste deutsche Daimler-Werk in Berlin soll nach 118 Jahren die Produktion von Verbrennern einstellen. Der Konzern gibt die Technologie jedoch nicht auf, sondern verlegt die Herstellung nach China.

Die Umstrukturierung ist jedoch nicht der einzige Faktor, der die Daimler AG aus Stuttgart zu einem strengen Sparplan zwingt. Die Corona-Pandemie hat nicht nur Folgen für die Wirtschaft in Deutschland, sondern beeinträchtigt die Produktion weltweit. Aufgrund der Krise schließt Daimler nun ein Werk in Brasilien, in das der Fahrzeughersteller einst 600 Millionen Real (umgerechnet fast 100 Millionen Euro) investiert hatte.

Die Daimler AG zieht damit die Konsequenz aus der fatalen wirtschaftlichen Lage in Brasilien und kündigte an, keine Modelle des Tochter-Unternehmens Mercedes-Benz mehr in dem südamerikanischen Land produzieren zu wollen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete.

Daimler AG: Konzern schließt Werk in Brasilien - Aufgrund der wirtschaftlichen Lage

Zur Kostenverringerung verlegt die Daimler AG viele Produktionen nach und nach ins Ausland. Der Betriebsratschef Michael Brecht prangerte in einem Interview Daimlers größte Schwäche an und warnte vor der Bedrohung durch China. Laut ihm sei es fatal, die Entwicklung neuer Technologien in fremde Hände zu geben. Der US-Konkurrent Tesla baut dagegen viele Komponenten selbst, mahnte Brecht in einem Interview mit dem Manager Magazin an.

Die Daimler AG gab in diesem Jahr bereits ein Werk in Frankreich auf. Die Smart-Fabrik in Hambach wurde an einen britischen Milliardär verkauft, der dadurch 1.300 Daimler Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit rettete. Nun wird aufgrund der wirtschaftlichen Lage ein weiteres Werk eingestampft. In der brasilianischen Stadt Iracémapolis sollen zukünftig keine Mercedes-Modelle mehr produziert werden, teilte der Stuttgarter Autobauer am Donnerstagabend mit.

In Brasilien ist die wirtschaftliche Lage schon seit Langem sehr schwierig, die drastischen Folgen der Corona-Pandemie haben die Situation noch deutlich verschärft. Für die Daimler AG nun endgültig das Signal, sich aus dem schwächelnden Standort zurückzuziehen.

Daimler AG: Grund für Werksaufgabe in Brasilien ist auch die Mercedes-Strategie

Die Daimler AG stellte vor wenigen Wochen den neuen Fahrplan für Mercedes-Benz vor. Der Stuttgarter Konzern möchte die weltbekannte Marke wieder voll auf Luxus auslegen. Hinter der Luxusstrategie von Daimler steckt jedoch in Wahrheit ein eiskalter Plan. Laut einer Investorenpräsentation sollen Absatzziele zukünftig nicht mehr im Vordergrund stehen. Das Ziel sei vielmehr, Deckungsbeträge pro verkauftem Fahrzeug zu steigern und zeitgleich Kosten zu senken. Das wirkt sich auch auf das Werk in Brasilien aus. Die Mercedes-Strategie erntete bereits viel Kritik.

Die wirtschaftliche Lage habe zu einem massiven Rückgang der Verkaufszahlen von Oberklassen-Pkw geführt, teilte die Daimler AG mit. Im Zuge der Umstrukturierung und der angestrebten Kapazitätsauslastung sei deshalb entschieden worden, die Produktion von Mercedes-Pkw im Werk in Iracémapolis einzustellen. Dadurch verlieren rund 370 Mitarbeiter ihre Arbeitsstellen, wie die dpa berichtet. Der Stuttgarter Fahrzeughersteller zieht sich jedoch nicht komplett aus Brasilien zurück. Der Konzern will auch weiterhin Modelle der Sparte Daimler AG Trucks sowie Busteile in dem südamerikanischen Land herstellen.

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