Autobauer in der Krise

Die Daimler AG wendet sich mit fragwürdiger Botschaft an Mitarbeiter

„Durchfahrt verboten“-Schild und Mercedes-Fahnen vor der Daimler-Zentrale in Untertürkheim
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Daimler in Einbahnstraße: Fahrzeughersteller plant Sparmaßnahmen
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG kämpft gegen die Krise. Der Autobauer setzt anscheinend alles daran, zahlungsfähig zu bleiben - und wendet sich nun an die Mitarbeiter. 

Stuttgart - Die Daimler AG mit Hauptsitz in Stuttgart hat nicht zuletzt aufgrund der fatalen Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft mit massiven Problemen zu kämpfen. Der Konzern fährt aktuell einen deutlich strengeren Sparplan als ursprünglich von CEO Ola Källenius angekündigt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Daimler in sechs deutschen Städten ein massiver Stellenabbau droht, 20.000 Jobs sind dadurch gefährdet. Die Probleme bei dem Stuttgarter Autobauer stürzen jedoch auch die Zulieferer mit in die Krise.

Die Daimler AG steckte schon vor dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg in der Misere. Dadurch haben auch die Zulieferer mit Problemen zu kämpfen. Mahle aus Stuttgart kündigte 7.600 Entlassungen an und sprach von einer beispiellosen Krise. Der Autokonzern aus der Schwabenmetropole wandte sich nun mit einer Botschaft an die eigenen Mitarbeiter, aber auch an die Zulieferer.

Daimler AG mit Botschaft an Zulieferer und Mitarbeiter - Konzern will zahlungsfähig bleiben

Die Daimler AG appellierte an die Mitarbeiter, eingehende Rechnungen so spät wie möglich zu bezahlen. Jeder der Angestellten solle verstehen, wie man die Balance zwischen dem Geld, das hereinkomme und dem Geld, das ausgegeben werde, optimieren könne, sagte Daimler-Finanzvorstand Harald Wilhelm in einer Botschaft an die Beschäftigten, die den Stuttgarter Nachrichten (StN) vorliegt.

In der Botschaft an die Mitarbeiter der Daimler AG heißt es den StN zufolge außerdem, dass die Konzernkasse auch zulasten der Zulieferer aufzubessern sei. „Wenn es um unsere zu zahlenden Rechnungen geht: wie kann ich mit unseren Lieferanten verhandeln, um die Zahlungsziele zu verlängern?“, fragt Wilhelm in einem Interview, das im Intranet der Daimler AG veröffentlicht wurde, wie die StN berichten. Ein strengerer Umgang mit den Kunden soll ebenfalls die Lage verbessern: „Wie kann ich die Zahlungsziele unserer Kunden reduzieren und meine Außenstände minimieren?“.

Daimler AG mit Forderung: Zahlungsziele der Zulieferer sollen verlängert werden

Die Daimler AG und das Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz gehören zu den größten und wichtigsten Automobilherstellern der Welt. Dadurch ist der Stuttgarter Konzern auch ein wichtiger Abnehmer für die deutschen Autozulieferer. Viele dieser Unternehmen stecken jedoch ebenfalls in der Krise. Beispielsweise schloss kürzlich der Daimler-Zulieferer Ebersbacher ein Werk in Esslingen, trotz des verzweifelten Kampfs der Mitarbeiter - und auch mehrere andere Daimler-Zulieferer verkündeten Entlassungen. Durch die Spezialisierung werden die Unternehmen vom technischen Wandel deutlich härter getroffen als die Hersteller.

Mahle produziert beispielsweise Komponenten für den Verbrennungsmotor, die Daimler AG setzt jedoch vermehrt auf die E-Mobilität. Durch die Verlängerung von Zahlungszielen würde sich der Kassenbestand bei Daimler erhöhen und bei den Zulieferern entsprechend verringern. Die Zahlungsfähigkeit ist für Konzerne und Unternehmen der Automobilbranche wie für alle Unternehmen der Wirtschaft in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg überlebensnotwendig.

Eine Zahlungsunfähigkeit kann die Pflicht zu einem Insolvenzantrag auslösen. Bereits im Frühjahr habe man „Simulationen gefahren, um sicherzustellen, dass wir zu jedem Zeitpunkt der Krise zahlungsfähig sind“, zitieren die StN Daimler-Finanzchef Wilhelm.

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