Milliardenverluste der Autobauer

Großes Erwachen: Experten prophezeien „brutale Auslese“ bei Daimler, BMW & Co.

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Die Corona-Pandemie hat Autobauer wie Daimler hart getroffen. Das Beratungsunternehmen EY analysierte nun, wie schwer - und macht eine düstere Prognose für 2021.

  • Das Beratungsunternehmen EY glaubt, dass sich Konzerne wie die Daimler AG lange nicht von der Corona-Krise erholen.
  • Fahrzeughersteller weltweit mussten durch die Corona-Krise Milliardenverluste hinnehmen.
  • EY hält Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste bei Daimler, BMW und Co. für unausweichlich.

Stuttgart - Erst langsam erholen sich Fahrzeughersteller weltweit von der Corona-Krise. In Baden-Württemberg hatte das Coronavirus die Daimler AG mit voller Wucht getroffen. Seitdem bemüht sich der Konzern, die wirtschaftlichen Folgen möglichst gering zu halten. Doch auch bei Daimler sind Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste längst im Gespräch.

Bereits im Juni machte das Beratungsunternehmen EY eine düstere Prognose für Daimler und Co. Wirtschaftsprüfer von EY waren sich da bereits sicher: „Diese Krise werden nicht alle Autohersteller überleben“. Jetzt hat EY die Autobranche weltweit erneut analysiert. Das Ergebnis lässt das Unternehmen seine düstere Prognose nicht revidieren, sondern bekräftigt vielmehr die schlechte Vorhersage.

Schlechte Aussichten für Daimler, BMW und Co. - zweites Quartal Albtraum für alle Automobilhersteller

Laut der Analyse des Beratungsunternehmens EY belaufen sich die operativen Verluste der 17 größten Autokonzerne im zweiten Quartal 2020 auf fast 11 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatten dieselben Unternehmen noch 22 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Sinkende Umsätze konnte der Analyse zufolge kein Fahrzeughersteller im zweiten Quartal umgehen. Zusammen büßten die Autobauer fast 177 Milliarden Euro ein, das ist ein Rückgang um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

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Die deutschen Fahrzeughersteller liegen bei dieser kollektiven Katastrophe im Mittelfeld, der Umsatz von Volkswagen ging um 37 Prozent, der von Daimler um 29 und von BMW um 22 Prozent zurück. „Einen derartigen Einbruch bei Umsatz, Gewinn und Absatz hat es noch nie gegeben“, erklärte Constantin Gall von EY gegenüber der dpa. „Die Pandemie hat die weltweite Automobilindustrie zeitweise fast zum Stillstand gebracht – mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung.“

Für Daimler, BMW und Co. gibt es laut EY nur kurzzeitig Erholung - die fatalsten Auswirkungen folgen

Das zweite Quartal wäre für deutsche Fahrzeughersteller wie die Daimler AG sogar noch weitaus schlimmer verlaufen, wenn sich China nicht so schnell von der Corona-Krise erholt hätte. Der Absatzmarkt in China erwies sich als wichtigster Stützpfeiler für Daimler, BMW und VW. „Alle drei deutschen Autokonzerne konnten im zweiten Quartal in China zulegen, während der Absatz in den anderen Regionen massiv einbrach. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autobauer kletterte dadurch von 33 auf 51 Prozent“, so Constantin Gall zur dpa.

Das Beratungsunternehmen EY rechnet damit, dass das dritte Quartal wieder deutlich besser ausfallen wird als das zweite. Doch darüber hinaus macht EY Daimler, BMW und Co. keine großen Hoffnungen. „Das große Erwachen wird wohl erst im nächsten Jahr kommen“, erklärte EY-Experte Peter Fuß gegenüber der dpa. Dann führten an Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten kein Weg vorbei. „Dann wird es eine brutale Auslese geben“, so Peter Fuß weiter. Mit einer Rückkehr der Zahlen auf das Niveau vor der Corona-Krise rechnet EY frühestens 2022.

Rubriklistenbild: © dpa/Marijan Murat

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