Defekte S-Klasse

Daimler: Autoexperte kauft S-Klasse und ist entsetzt - „Mercedes hat ein ernsthaftes Problem“

  • Valentin Betz
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Anfang 2020 verklagte ein Autoexperte aus Kanada die Daimler AG wegen seiner defekten S-Klasse. Doch es gibt noch immer keine Klärung. Deshalb rechnet er nun ab.

Richmond/Stuttgart - Vergangene Woche präsentierte die Daimler AG ihr neues, vollelektrisches Flaggschiff. Mit der Luxuslimousine EQS will der Konzern bei der E-Mobilität durchstarten. Doch das Design von Daimlers „Tesla-Killer“ EQS spaltet die Fans.

Vor dem Mercedes EQS gab es die S-Klasse lange als reinen Verbrenner. Bei einem stolzen Preis jenseits der 100.000 Euro erwarten Käufer absolute Spitzenqualität. Bei einem Kunden aus Kanada blockierte allerdings mehrmals das Lenkrad seines neuen Mercedes S 550. Datong Yang fuhrt deshalb beinahe in eine Betonwand. Der Kanadier beschwerte sich darüber und flog wegen der defekten S-Klasse Anfang des letzten Jahres sogar zu Daimler nach Stuttgart.

Der Kunde aus Kanada wollte, dass seine S-Klasse in die Zentrale zurückgerufen wird, um das Problem mit der Lenkung zu lösen. Ansonsten verlangte er sein Geld zurück oder ein Alternativfahrzeug. In der Daimler-Zentrale in Stuttgart nahm man das Anliegen des frustrierten Kunden ernst und versprach, Mercedes Kanada zu kontaktieren.

Daimler AG: Kunde will für seine defekte S-Klasse eine Alternative und erhebt Klage

„Der Besuch war sehr inspirierend für mich, weil ich nun wusste, dass die Mercedes-Benz-Zentrale die richtige Einstellung hat und sich pflichtbewusst und verantwortungsvoll verhält“, erklärt Datong Yang gegenüber BW24. Doch ein Jahr später hat sich in dem Fall noch nicht viel getan.

Inzwischen wird eine Klage von Datong Yang am „Provincial High Court“ in Kanada verhandelt. Selbst das Medienecho des Falls habe Mercedes-Benz Kanada nicht dazu bewogen, Datong Yang für seine defekte S-Klasse zu entschädigen. „Mercedes-Benz Kanada hat auf all das nicht reagiert, sogar nachdem sie so ein negatives Medienecho erhielten hatten.“

Bei seinem Mercedes S 550 habe plötzlich die Lenkung blockiert, behauptet der Kanadier Datong Yang.

Der Kanadier ist kein gewöhnlicher Kunde, sondern einer, der sich in der Autoindustrie sehr gut auskennt. Nach eigenen Angaben war Datong Yang vor seinem Umzug nach Kanada fast 20 Jahre lang in Führungspositionen bei chinesischen Automobil-Unternehmen tätig. Danach habe er weitere 20 Jahre bei einem „Fortune 500“-Konzern gearbeitet - also bei einem der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt, die das Wirtschaftsmagazin Fortune in einer Rangliste aufführt. „Ich will deshalb über meine Ansichten zu Mercedes sprechen, basierend auf meinen eigenen Erfahrungen in der Autoindustrie.“

Daimler AG: Autoexperte war einst begeistert von der Marke Mercedes-Benz

In einem Schreiben, das BW24 vorliegt, betont Datong Yang, dass es ihm bei der Klage gegen Mercedes-Benz Kanada nicht nur um die Sicherheit für sein Leben gehe, sondern auch um „den Ruf von Mercedes-Benz für Qualität.“ Dabei lobt der Mann sogar die Arbeit der Daimler AG in der Konzernzentrale in Stuttgart, sagt, dass die ersten zwei Autos von Mercedes-Benz seine Familie und ihn zutiefst vom Charme der Marke überzeugt hätten.

Unzufriedener Daimler-Kunde: Kanadier mit Kritik an Konzernstrategie

Das erfolglose Vorgehen gegen Mercedes-Benz in Kanada bewegt Datong Yang nun zu einer Kritik an der Konzernstrategie. „Ich glaube, Mercedes-Benz hat ein ernsthaftes Unternehmensproblem“, sagt der Kanadier zu BW24. Der Fahrzeughersteller verhalte sich gegenüber Kunden „extrem unverantwortlich“. Bei „Problemfahrzeugen“ wie seiner Mercedes S-Klasse „weicht der Konzern Verantwortung aus, verzögert und streitet alles ab“. Diese Verkaufsstrategie habe dazu geführt, dass mittlerweile zahlreiche Qualitätsprobleme aufgedeckt worden seien.

Bei dem Konzern bestünden zu wenig Verbindungen zwischen Produktion, Forschung und Entwicklung. Dadurch gebe es „immer mehr Qualitätsprobleme“, so der Kanadier. „Die hohe Anzahl an Produktrückrufen hat die Kosten nach dem Verkauf enorm erhöht. Ein Teufelskreis entsteht.“ Denn gerade Beschwerden wie bei seiner Mercedes S-Klasse seien letztlich ja „Qualitätsfeedback“. „Das ist die Rettungsleine eines Unternehmens. Wenn da Pflichten versäumt werden, führt das flächendeckend zu einer gefährlichen Situation“, warnt Datong Yang.

Der Kanadier betont trotz seiner Kritik an der Daimler AG, dass er mit seiner Beschwerde auch die „Qualität und Glaubwürdigkeit von Mercedes-Benz“ schützen wolle. Trotzdem glaubt er, dass „die kontinuierlichen, negativen Berichte in den Medien einen unermesslich negativen Einfluss und Verlust für Mercedes-Benz bedeuten.“ In Bezug auf seinen eigenen Fall hat der Kanadier indes noch lange nicht aufgegeben. Er sagt: „Ich werde bis zum Ende kämpfen.“ Auf eine Anfrage von BW24 mit der Bitte um Stellungnahme zu den Vorwürfen hat die Daimler AG bisher nicht reagiert.

 

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