Die Bänder stehen still

„Lassen uns nicht abwracken“: Verzweifelte Daimler-Mitarbeiter streiken für 2.000 Jobs

Im Werk der Daimler AG steht ein Mitarbeiter an einem Montageband.
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Daimler-Mitarbeiter wollen in Berlin um Tausende Jobs kämpfen - mit einem Streik. (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Daimler-Mitarbeiter des bedrohten Mercedes-Benz-Werks in Berlin kämpfen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und wollen dafür auch auf die Straße gehen.

Berlin - Beschäftige der Daimler AG fürchten derzeit in ganz Deutschland um ihre Jobs. Die Coronakrise hat den Autobauer getroffen. Hinzu kommt eine große Umstrukturierung hin zur E-Mobilität im Unternehmen. Wegen der Sparmaßnahmen im Konzern sollen in sechs Deutschen Werken rund 20.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Besonders hart trifft es ein Werk von Mercedes-Benz in Berlin: Hier ist die Rede von 2.000 Entlassungen - Mitarbeiter sind entsetzt. Am Mittwoch, 9. Dezember, wollen in Marienfelde deshalb zahlreiche Angestellte von Daimler ihre Arbeit niederlegen und auf der Straße für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren.

Rund 2.500 Menschen arbeiten derzeit in dem Daimler-Werk in Marienfelde. Doch am 9. November stehen die Bänder still. „Wir Daimler-Beschäftigte werden am Mittwoch nicht arbeiten“, kündigte der Betriebsratsvorsitzende Michael Rahmel am Montag in einer Pressemitteilung der IG Metall Berlin an. „Wir nehmen uns diesen Tag, um dem Vorstand klar zu zeigen, dass wir uns von ihm nicht abwracken lassen.“ Geplant sind eine Demonstration in Marienfelde und eine Video-Betriebsversammlung.

Daimler AG: Mitarbeiter in Berlin protestieren gegen Sparprogramm

Das Daimler-Werk dürfe nicht „rasiert werden“, sagte der Berliner IG-Metall-Chef Jan Otto. Die Konzernspitze fordert er auf, den Stilllegungsbeschluss zurückzunehmen - zumindest in Teilen. Mit Trillerpfeifen und Sambagruppe wollen die Streikenden am Mittwoch den Daimlerchefs einheizen. Wie die IG Metall Berlin mitteilte, ziehen die Demonstranten ab 9.15 Uhr von Tor 1 und 2 aus Richtung Alt-Mariendorf, machen dort eine Zwischenkundgebung mit Politik-Prominenz und halten nach dem Mittag ihre digitale Betriebsversammlung ab.

Der Betriebsrat lädt die Beschäftigten von Daimler sowie die neue Werksleitung im Anschluss an die Demonstration zur Online-Betriebsversammlung ein - und zu deutlichen Aussagen zur Zukunft des Standortes: „Wir wollen eine gelingende Transformation des Werkes mit zukunftsfähigen Produkten, zum Beispiel in der E-Mobilität“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Rahmel. „Zukunft oder Widerstand ist das Motto des Tages. Am Ende wissen wir alle, wie es weitergeht.“

Daimler AG will in Berlin 2.000 Stellen abbauen - Mitarbeiter kämpfen um ihre Zukunft

Laut bisherigen Berichten sollen von den derzeit 2.500 Mitarbeitern in dem Daimler-Werk in Marienfelde nur rund 500 ihre Jobs behalten können. Michael Rahmels klare Ansage: „Die Beschäftigten hier werden sich von keinem Vorstand der Welt ihre Zukunft stehlen lassen.“ Sie wollen um jeden Arbeitsplatz kämpfen.

Erst kürzlich kämpften Daimler-Mitarbeiter in Stuttgart mit einer bewegenden Aktion vor der Konzernzentrale um ihre Jobs. Jetzt ist es auch in Berlin-Marienfelde so weit. Es ist das älteste produzierende Werk des Konzerns. Neben Komponenten zur Motorsteuerung werden hier auch Getriebeteile, -komponenten, Kraftstoffsystem, Nockenwellen, Pumpen und Dieselmotoren gebaut.

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