Betriebsratschef rechnet ab

„Bitter und enttäuschend“: Daimler demütigt Tausende Mitarbeiter mit Sparmaßnahmen

Daimler: Der Stuttgarter Autobauer könnte auf seinem Investoren-Tag heute für eine große Überraschung sorgen.
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Daimler: Der Stuttgarter Autobauer greift in Arbeitsverträge Tausender Mitarbeiter ein
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Die Daimler AG fährt aktuell einen massiven Sparkurs. Die Mitarbeiter müssen nun erneut drastische Maßnahmen in Kauf nehmen. Aus dem Betriebsrat hagelt es Kritik.

Update vom 17. November, 15:26 Uhr: Vergangene Woche hatte die Daimler AG angekündigt, Tausende unbefristete 40-Stunden-Verträge ihrer Mitarbeiter in schlechter bezahlte 35-Stunden-Tarifverträge umzuwandeln. Jetzt hagelt es Kritik aus dem Betriebsrat des Fahrzeugherstellers. Laut Stuttgarter Nachrichten (StN) halte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht die Maßnahmen zur Kosteneinsparung für „nicht zielführend“.

„Wir haben interveniert und unser Unverständnis ausgedrückt. Wir sind der Ansicht, dass wir jetzt erst einmal die Wirkung der Maßnahmen aus der Gesamtbetriebsvereinbarung zur Reduzierung der Arbeitskosten abwarten sollten, bevor unkoordiniert und mit der Gießkanne weitere Schritte eingeleitet werden“, so Michael Brecht gegenüber den StN zum Vorhaben der Daimler AG.

Besonders enttäuscht zeigt sich der Betriebsrat des Autobauers vom Zeitpunkt der Verkündung kurz vor Weihnachten: Es sei enttäuschend, „dass die betroffenen Kolleginnen und Kollegen solche bitteren Pillen kurz vor Weihnachten schlucken müssen.“ Dies passe nicht zu der vom Vorstand der Daimler AG verlangten Unternehmenskultur und sei sicherlich nicht förderlich für einen vertrauensvollen Umgang untereinander.

Daimler AG: Autobauer plant drastische Veränderungen in Mitarbeiter-Verträgen

Erstmeldung vom 13. November: Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart ist weiter auf Sparkurs. Seit der Schwede Ola Källenius die Position des CEO bei dem Autohersteller angetreten hat, stehen die Zeichen auf Sparen. Doch der gefahrene Sparplan wirkt sich deutlich härter auf den Konzern aus als ursprünglich vorhergesagt.

In der letzten Zeit macht der Fahrzeughersteller durch eine ganze Reihe von Stellenabbau-Maßnahmen von sich Reden. So droht beispielsweise in sechs deutschen Werken ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen und auch eines der wichtigsten deutschen Werke soll massiv eingedampft werden. Wie sich nun herausstellt, müssen nicht nur Tausende Mitarbeiter um ihre Anstellung fürchten, auch vielen von denen, die bleiben dürfen, steht ein massiver Einschnitt bevor.

Erst kürzlich kündigte die Daimler AG an, die Produktion im ältesten deutschen Werk nach 118 Jahren einzustellen. Die Mitarbeiter sind verzweifelt - von den rund 2.500 Angestellten sollen nach der Umstrukturierung auf die E-Mobilität nur rund 500 übrig bleiben. Der Chef des Werkes in Berlin-Marienfelde geht ausgerechnet zu Tesla. Die Gewerkschaft IG Metall sieht das als Verrat an. Im Zuge der Sparmaßnahmen kündigte der Konzern nun an, unbefristete 40-Stunden-Verträge zahlreicher Mitarbeiter abändern zu wollen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Die Mitarbeiter der Daimler AG haben es aktuell alles andere als leicht. Mit einer fragwürdigen Botschaft wandte sich der Autobauer erst vor Kurzem an die Belegschaft. Darin werden die Angestellten dazu aufgerufen, eingehende Rechnungen so spät wie möglich zu bezahlen. Die Konzernkasse soll auch zulasten der Zulieferer aufgebessert werden, viele dieser Unternehmen befinden sich selbst in der Krise. Eine weitere drastische Sparmaßnahme führt bei Tausenden Mitarbeitern nun sicherlich zu noch mehr Verzweiflung. Bislang wissen die meisten jedoch noch nichts von den Kürzungen der Arbeitsverträge.

Die 40-Stunden-Verträge von knapp eintausend Mitarbeitern der Daimler AG sollen ab April 2021 drastisch gekürzt werden, wie die dpa berichtet. Betroffen seien Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen, sagte eine Sprecherin des Autobauers am Donnerstagabend. Ab April gelte eine tariflich geregelte wöchentliche Arbeitszeit von 35 Stunden. Laut Angaben der Stuttgarter Nachrichten (StN) (Artikel hinter Bezahlschranke) erfahren viele der Daimler-Mitarbeiter erst im Dezember, ob sie von den Sparmaßnahmen betroffen sind.

Daimler AG sieht Kürzung von Arbeitszeit und Gehalt vor

Die Kürzung der Arbeitszeit von einer 40-Stunden-Woche auf 35 Stunden gelte für alle Mitarbeiter der Daimler AG, die aktuell einen unbefristeten Vertrag haben, wie die StN am Freitag berichteten. Ausgenommen seien einzelne Gruppen wie etwa Funktionsträger bei der Werksfeuerwehr und dem Rettungsdienst. Auch die Führungsebene ist von den drastischen Einschnitten in die Arbeitszeit und damit auch ins Gehalt nicht betroffen. Laut einem Schreiben, das den StN vorliegt, sollen die Führungskräfte bis zur Ebene 5 den Mitarbeitern die Notwendigkeit der Kürzungen erklären.

Die Daimler AG möchte allen betroffenen Mitarbeitern Anfang Dezember die Änderungen per Post mitteilen, wie die StN berichten. Der Konzern beruft sich dabei auf die Rechtslage, die besagt, dass er die Vereinbarungen mit den Angestellten kündigen darf, ohne dass Betriebsrat oder Gewerkschaft zustimmen. Gemäß der Kündigungsfrist von drei Monaten will die Daimler AG die Änderungen zum 1. April 2020 umsetzen.

In Ostfildern endete ein Arbeitsverhältnis kürzlich äußerst unschön. Anstatt sich mit dem Vertragsende abzufinden, schlug ein Leiharbeiter über die Stränge - und landet jetzt vor Gericht. Der Mitarbeiter löschte 570 Computer-Programme bei einer Firma, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde.

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