Klare Rollenverteilung

Völlig überraschend: Daimler schließt Mega-Deal mit Google-Unternehmen

Nahaufnahme zeigt das Vorderrad und das Fahrgestell des neuen elektrischen Daimler-Trucks
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Die Daimler AG verkauft LKW an Google-Schwester Waymo
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG kündigte erst kürzlich an, sich von dem Umbau zum Mobilitätsanbieter zurückzuziehen. Nun gehen die Stuttgarter einen Kompromiss mit einem US-Unternehmen ein - die Rollen sind klar verteilt.

Stuttgart - Die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart stellt ihre Produktion nach und nach auf die E-Mobilität um, setzt aber auch auf andere moderne Technologien wie das autonome Fahren.

Erst vor wenigen Wochen stellte der Autobauer die neue S-Klasse in Sindelfingen vor. Das Flaggschiff der Daimler-Tochter Mercedes-Benz ist in der Lage, mit entsprechender Ausstattung selbstständig einzuparken und an einen vorher festgelegten Punkt zurückzukehren. Daimler testet das autonome Fahren bereits seit einiger Zeit in einem mit Sensoren ausgestatteten Parkhaus am Flughafen Stuttgart.

Die Daimler AG hatte mit dem Unternehmen Bosch bereits geplant, Robotaxis zu entwickeln, die Fahrgäste autonom und ohne Fahrer von A nach B fahren sollten. Kürzlich gab die Daimler AG jedoch bekannt, diese wichtige Technologie aufzugeben. Doch statt der starken US-Konkurrenz ganz das Feld zu überlassen, ging Daimler nun überraschend eine große Kooperation ein.

Mercedes-Benz hat einen Mega-Deal mit Google-Schwester Waymo geschlossen, die bereits Robotaxis auf den Straßen testet. Das gaben beide Unternehmen am Dienstag bekannt. Dabei liefert die Daimler AG die Fahrzeuge, während die Amerikaner die Software einbauen. Zunächst geht es nur um LKW von Mercedes, die künftig als autonome Trucks fahren sollen.

Daimler AG: Partner im Fahrzeug-Bereich, Konkurrenten bei der Software

Die Kooperation zwischen der Daimler AG und Waymo basiert auf einer klaren Rollenverteilung. Die beiden Unternehmen vereinbarten eine Partnerschaft für sogenannte Level-4-Systeme. Level 4 sei bei der Entwicklung des autonomen Fahrens die zweithöchste Stufe, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. Die Kooperation helfe beiden Unternehmen, schneller voranzukommen, sagte Daimler-Trucks-Chef Martin Daum. Die Partnerschaft beziehe sich jedoch nur auf den Fahrzeug-Bereich, bei der Software würden die Unternehmen Konkurrenten bleiben.

Die Rollenverteilung des Deals sieht vor, dass die Daimler AG eine spezielle Variante ihres US-Lastwagenmodells Freightliner Cascadia an Waymo liefert. Das US-Unternehmen baut dann die hauseigene Software „Waymo Driver“ in die Fahrzeuge ein - also die Technologie zum autonomen Fahren mit Sensoren, Rechnern und Software. Auf die Software der Google-Tochter werden die Stuttgarter jedoch keinen Zugriff haben. „Am Ende verkaufen wir das Chassis [Anmerk. d. Red. Fahrgestell] an Waymo“, sagt Daum. Was Waymo mit den Fahrzeugen mache, werde man im Hause Daimler gar nicht wissen.

Daimler AG: Stuttgarter arbeiten weiterhin an eigener Software-Technologie

Obwohl sich die Daimler AG als erstes bedeutendes Unternehmen von der Strategie des Umbaus zum Mobilitätsanbieter verabschiedet hat, setzt der Konzern weiter auf das autonome Fahren. Die Daimler-Tochter Daimler Trucks arbeitet parallel zu der Kooperation mit Waymo an einer eigenen Software für autonom fahrende Lastwagen, wie die dpa berichtet. An diesen Plänen werde sich laut Daum auch nichts ändern. Der Deal mit der Google-Tochter diene dazu, die Entwicklung der speziellen Fahrzeugtechnik voranzubringen, den Anwendungsbereich über die eigenen Projekte hinaus zu vergrößern und die Kosten dafür zu senken.

Die Kooperation mit dem Google-Unternehmen Waymo ist nicht der erste große Coup der Daimler AG in diesem Jahr. Der Autobauer schloss einen Rekord-Deal mit dem Handelsriesen Amazon. Auch in diesem Fall stellt der Konzern Fahrzeuge für das US-Unternehmen zur Verfügung. Schon bald sollen 1.800 Elektro-Transporter von Mercedes-Benz für Amazon im Einsatz sein. Daimler verabschiedete sich von der Idee, bei zukunftsweisenden Technologien allein auf dem Markt zu sein und die Konkurrenten auszustechen. „Die Illusion können wir uns abschminken“, sagte Daum.

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