Kritik an Autobauer wächst

„Verhöhnt“ Daimler deutsche Bürger? Bundesregierung soll Autobauer stoppen

Daimler AG
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Daimler in der Kritik: Eine Bürgerbewegung macht dem Konzern schwere Vorwürfe.
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In einem Brief an Ola Källenius, dem Chef der Daimler AG, fordert eine Bürgerbewegung den sofortigen Stopp der Dividenden - der Autobauer will rund 400 Millionen mehr ausschütten.

Stuttgart - Im vergangenen Jahr hatte auch die Daimler AG massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden. Der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart war gezwungen, mehrere Werke wochenlang stillzulegen. Zusätzlich zwang die Lage, zu der auch die groß angelegte Transformation zur E-Mobilität dazu kam, Daimler zu einem strengen Sparplan. Im Zuge dieser Maßnahme wurden Tausende Stellen gestrichen und unzählige Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt. Auch die jährlichen Sonderzahlungen wurden im Jahr 2020 gestrichen, die Daimler-Angestellten erhielten jedoch eine Corona-Prämie von 1.000 Euro.

Aufgrund des massiven Absatzaufschwungs auf dem chinesischen Markt stand die Daimler AG am Ende des vergangenen Jahres dennoch deutlich besser da als erwartet. Der Konzern nahm einen Milliardengewinn ein und will insgesamt 1,4 Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten. Das führte bereits zu deutlicher Kritik an dem Stuttgarter Autobauer, da er im vergangenen Jahr mehrfach Corona-Hilfen und Prämien für E-Autos in Anspruch genommen hatte. Am 31. März steht bei der Daimler AG die große, aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie digital veranstaltete Jahreshauptversammlung an. Im Vorfeld wandte sich die Bürgerbewegung Finanzwende mit einem persönlichen Brief an Daimler-Chef Ola Källenius und forderte, die Dividendenzahlungen sofort zu stoppen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet

Daimler AG: Kritik am Autobauer wächst - „Ungerechtigkeit in der Corona-Krise“

Die Daimler AG ist einer der fünf größten Autobauer der Welt und nicht nur einer der wichtigsten Arbeitgeber für die Region Stuttgart, sondern mit Standorten weltweit auch insgesamt wichtig für die Wirtschaft. Der erwirtschaftete Milliardengewinn im Krisenjahr 2020 klingt demnach zunächst sehr positiv. Aufgrund der massiven Stellenstreichungen und Arbeitskürzungen trotz deutlicher Corona-Hilfen des Staates hat der Erfolg jedoch mehr als nur einen faden Beigeschmack. Erst nach einigem Protest knickte die Daimler AG ein und will 135.000 Mitarbeitern eine Erfolgsbeteiligung von einmalig 500 Euro pro Person zahlen. Da diese Zahlung nicht als Corona-Hilfe deklariert ist, müssen die Angestellten die Summe jedoch versteuern.

Durch die hohe Dividende, die in diesem Jahr sogar noch weiter erhöht werden soll, steht die Daimler AG aktuell scharf in der Kritik. Die Bürgerbewegung „Finanzwende“ forderte nun einen Verzicht auf die deutliche Erhöhung der Dividende, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Im Vorfeld hatte die Bewegung unter dem Motto „Lockdown für Dividenden“ eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. „Ein Minus für Beschäftigte und Hilfeleistungen durch die Steuerzahler, aber Gewinne für die Aktionäre – diese Ungerechtigkeit in der Corona-Krise ist niemandem zu erklären und gefährdet die Solidarität unserer Gesellschaft“, sagte Lena Blanken, Leiterin Kampagnen bei Finanzwende, laut einer Pressemitteilung der Bürgerbewegung.

Daimler AG: Offener Brief an Konzern-Chef Källenius - „moralisch verwerflich“

Als großer Autokonzern zog die Daimler AG im vergangenen Jahr auch zahlreiche Zulieferer in die Krise. So wurden beispielsweise 7.600 Mahle-Mitarbeiter mit der Kündigung konfrontiert. Das lag nicht unmittelbar an der Corona-Krise, sondern war auch der Transformation zur E-Mobilität geschuldet. Für besondere Kritik sorgt nun jedoch, dass der Stuttgarter Autobauer hohe Summen an die Aktionäre auszahlt, obwohl die Corona-Hilfen des deutschen Staates nicht zurückgezahlt wurden. Die Bundesregierung solle deshalb die Erhöhung der Dividenden verhindern, fordert die Bürgerbewegung Finanzwende. „Bei BMW, Daimler und Co. sollen letztlich auch Steuergelder als Gewinnausschüttungen an Aktionäre fließen“, sagte Lena Blanken. Und das, obwohl noch immer Tausende Mitarbeiter unter Finanzeinbüßen durch die Kurzarbeit leiden.

Bei der Hauptversammlung am 31. März sollen die Aktionäre der Daimler AG gemeinsam über die Höhe der Dividenden entscheiden. Geplant ist eine Steigerung der Ausschüttung von 90 Cent auf 1,35 Euro pro Aktie, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Das wären 400 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Die Bürgerbewegung Finanzwende wandte sich deshalb mit einem offenen Brief an Ola Källenius. „Stoppen Sie die geplante Ausschüttung“, heißt er darin. Das Vorgehen sei „moralisch verwerflich“ und weiter: „Wenn Sie Ihre Pläne umsetzen, werden die deutschen Steuerzahlerinnen in diesen Krisenzeiten dazu beitragen, dass die Investoren eine um 50 Prozent höhere Gewinnausschüttung erhalten als im Vorjahr.“

Daimler AG: Hohe Gewinnauszahlung an Aktionäre sei „inakzeptabel“

Die Daimler AG hatte im Krisen-Jahr 2020 nicht nur die Corona-Hilfe des Staates in Anspruch genommen. Der Autobauer habe auch von der Lkw-Kaufprämie und der bis 2025 verlängerten E-Auto-Kaufprämie profitiert. Der schwäbische Autobauer sei deshalb „nicht selbstständig“ durch die Krise gekommen, kritisiert die Bewegung aus Berlin laut der Süddeutschen Zeitung. Die hohe Gewinnauszahlung an die Aktionäre sei „inakzeptabel“ und verhöhne „die Bereitschaft zur Solidarität, ohne die eine Gesellschaft eine Krise nicht gemeinsam bewältigen kann“, heißt es in dem Brief an Ola Källenius weiter.

Ein großes Problem ist auch, dass die größten Aktionäre, unter anderem Geely, der Daimler AG ihren Sitz in China haben. Damit kommen die hohen Dividenden auch dem chinesischen Staat zu Gute. Durch die erhöhte Dividende kämen die Aktionäre des Autobauers nun vollkommen ohne Schaden durch die Krise, während die Mitarbeiter ganz besonders unter den Folgen zu leiden hätten. „Solche Ausschüttungen muss die Bundesregierung nun schleunigst unterbinden!“, fordert Lena Blanke in der Pressemitteilung der Bürgerbewegung Finanzwende. Auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die Entwicklung bei dem großen Autobauer kritisch. Daimlers zweifelhafter Umgang mit Corona-Hilfen löste Empörung aus.

Die Daimler AG wird jedoch am Mittwoch, dem 31. März, über die tatsächliche Höhe der Ausschüttungen verhandeln. Der Dividendenvorschlag berücksichtige „eine sorgfältige und umsichtige Abwägung“ der Interessen aller Beteiligter, teilte der Konzern laut der Süddeutschen Zeitung mit. Ob die Unterschriftenkampagne der Bürgerbewegung Finanzwende Erfolg haben wird, wird sich demnach kommende Woche zeigen.

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