Boom der Elektroautos

„Tesla frisst Daimler“: Hochrangiger Manager beunruhigt Angestellte mit unheilvoller Prognose

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Tesla ist der wertvollste Autobauer der Welt - Daimler bringt es gerade mal auf ein Sechstel davon. Ein BMW-Manager macht Angestellte daher mit einer düsteren Vorhersage nervös.

  • Ein Ex-BMW-Manager hat ein vernichtendes Urteil über die Daimler AG gefällt.
  • Die Daimler AG hat im Bereich E-Mobilität einen großen Rückstand auf Konkurrent Tesla.
  • Traditionelle Fahrzeughersteller haben die Entwicklung von E-Autos lange Zeit verschlafen.

Stuttgart - Die Daimler AG will in Zukunft hauptsächlich E-Autos bauen und so mit Unternehmen wie Tesla konkurrieren. Ein hochrangiger Automanager sieht in der Strategie von Daimler allerdings Selbstmord. Seiner Ansicht nach wird der Trend zur Elektromobilität so nicht ewig weitergehen. Statt nur auf batteriebetriebene Autos zu setzen, empfiehlt er der Daimler AG, die Brennstoffzelle nicht zu vernachlässigen.

Fest steht, dass die Daimler AG ihre bisherige Strategie überdenken muss. Die Konkurrenz durch Tesla in Kombination mit den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg haben dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart schwer zugesetzt. Zuletzt musste Daimler ein Werk in Frankreich abstoßen und hinterließ verzweifelte Mitarbeiter. Doch während sich Daimler in einer Krise befindet, konnte Tesla laut n-tv bei einer Produktion von 90.650 Elektroautos einen Quartalsgewinn von 90 Millionen Dollar erzielen. Daimler verkaufte im selben Zeitraum mit 541.800 Fahrzeugen zwar deutlich mehr, verlor aber 1,9 Milliarden Euro. Helmut Becker, ehemaliger Chefvolkswirt bei BMW, sieht mehrere Gründe für diese Entwicklung.

Daimler AG gegen Tesla: E-Pionier hat großen Vorsprung auf Stuttgarter Fahrzeughersteller

Tesla ist an der Börse 300 Milliarden Euro wert. Die Daimler AG bringt es laut Helmut Becker gerade auf 45 Milliarden Euro - rund ein Sechstel des Wertes von Elon Musks Firma. Das Paradoxe daran: Daimler gehörten einst 10 Prozent von Tesla - sie wären heute mehr wert als der halbe Konzern. Der damalige CEO von Daimler, Dieter Zetsche entschied, die Tesla-Anteile zu verkaufen. Diese Entscheidung habe Zetsche damals als das beste Geschäft mit Elektroautos bezeichnet, das die Daimler AG je gemacht hätte, schreibt Helmut Becker in einem Gastbeitrag auf n-tv. So kann man sich täuschen.

Daimler-CEO Ola Källenius fährt momentan einen harten Sparkurs. Neben dem Smart-Werk im französischen Hambach sollen noch weitere Fabriken schließen, außerdem kursieren immer wieder Gerüchte über massive Stellenkürzungen. Auf der anderen Seite kündigt Tesla-Grüner Elon Musk den Bau eines Werks in Texas an und stellt bald Batterien für seine Fahrzeuge in Brandenburg her. Nicht nur die Daimler AG, auch andere, traditionelle Fahrzeughersteller laufen Tesla hinterher und versuchen vergeblich, aufzuholen. Doch der Vorsprung des E-Auto-Herstellers aus Palo Alto ist gewaltig, in seinem Artikel auf n-tv titelt Helmut Becker entsprechend: „Tesla frisst Daimler“.

Tesla lässt Daimler und Co. hinter sich - die Gründe für das Scheitern sind nicht neu

Ausgebremst: Für die Daimler AG steht die Ampel auf rot - zumindest was den Fortschritt beim E-Auto angeht

Helmut Becker, ehemaliger Chefvolkswirt bei BMW, führt mehrere Gründe für den Erfolg von Tesla und das Scheitern der Daimler AG an. Alle sind nicht wirklich neu, unterstreichen aber, wie fatal vor allem das Fehlverhalten der Daimler AG war. „Tesla hat die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt“, so Helmut Becker bei n-tv. Elon Musk habe mit seinem Unternehmen gesehen, dass Klimakrise, wachsender Welt-Automobilbestand und eine absehbar verschärfte Abgasgesetzgebung dem traditionellen Benzin- und Dieselmotor ein Ende bereiten würden. Den Erfolg von Tesla macht Helmut Becker trotzdem auch zu einem Teil an Elon Musk fest - und vergleicht ihn mit einem „modernen Jules Verne“.

Diese Entwicklung alleine hätte vermutlich nicht ausgereicht, um Daimler und Co. gefährlich zu werden und die Verhältnisse unter den Fahrzeugherstellern derart zu kippen. So stellt auch Helmut Becker fest, dass weder die Daimler AG, noch sonst ein großer Autobauer in Europa die Entwicklung der E-Mobilität derart genau vorhergesehen hat wie Tesla. Stattdessen habe die traditionelle Automobilindustrie „die umweltpolitische Götterdämmerung für den Verbrennermotor verschlafen - und damit auch den rechtzeitigen Einstieg in die politisch opportune Elektromobilität“, so der ehemalige BMW-Manager. „Die Altvorderen wurden von der Umweltwelle und -politik regelrecht überrollt“, schreibt Helmut Becker in seinem Beitrag auf n-tv weiter.

Daimler AG hat Trend zur E-Mobilität verpasst - Ex-BMW-Manager zeigt Verständnis

Der Ex-BMW-Manager äußert in seinem Beitrag gleichzeitig aber auch Verständnis für die Trägheit von Daimler und outet sich selbst als Skeptiker der batteriebetriebenen E-Mobilität. Er sieht „berechtigte Zweifel, ob hohe Investitionen in eine neue Antriebstechnologie, die aus gesamthafter Sicht nur ein Nischendasein fristen kann, nicht zusätzliche Fehlinvestitionen wären.“

Der ehemalige Chefvolkswirt von BMW vertritt die Ansicht, dass „Bau und Betrieb von E-Autos“ in Summe umweltschädlicher sind als Verbrenner. Eine Studie der Universität Eindhoven hat jetzt allerdings nachgewiesen, dass Elektroautos eine deutlich bessere Ökobilanz aufweisen, als bisher angenommen. Der Spiegel hatte die Studie vorgestellt, die von der Grünen Bundestagsfraktion in Auftrat gegeben worden war.

Helmut Becker glaubt jedenfalls, dass die Welt-Flotte an Verbrennermotoren nicht durch E-Autos ersetzt werden kann und ist sich zudem sicher, dass die Wasserstoff-Brennstoffzelle Tesla ordentlich Konkurrenz machen wird.

Rubriklistenbild: © Federico GambariniFederico Gambarini/dpa

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