Strenge CO2-Ziele

Daimler-Albtraum: EU plant Verbot von Verbrennern -“Ende des Autobaus in Deutschland“

  • Valentin Betz
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Die EU-Kommission möchte den CO2-Ausstoß senken. Vor allem Fahrzeughersteller wie die Daimler AG sind von den Plänen betroffen. Sie bangen nun um den Verbrenner.

Stuttgart/Brüssel - Die Daimler AG zittert um den Verbrenner. Die Europäische Union bemüht sich, dem Klimawandel wirksam entgegenzutreten. Dazu verpflichtete sich die EU, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 radikal zu senken. Und prüft nun den bisher drastischsten Schritt: Den Verbot von Verbrennungsmotoren. Dabei warnte zuletzt der Daimler-Betriebsratschef, dass 95 Prozent der Jobs in der Autoindustrie am Verbrenner hängen.

Um die strengen CO2-Ziele der EU zukünftig einhalten zu können, muss jedoch vieles umweltfreundlicher werden. Eine besonders wichtige Stellschraube ist dabei die Energiegewinnung. Aber die Automobilindustrie ist jedes Jahr für den Ausstoß enormer Mengen von Treibhausgasen verantwortlich - bei der Fahrzeugherstellung, aber auch durch den Einsatz von Verbrennern.

Daimler AG besorgt um Verbrenner: EU-Kommission verschärft CO2-Ziele - folgt Verbot?

Die Einsparung von Treibhausgasen beschäftigt Fahrzeughersteller wie die Daimler AG mit ihrer Marke Mercedes-Benz daher besonders. Seit geraumer Zeit hat auch Daimler beschlossen, dass die Zukunft des Unternehmens in der Elektromobilität liegt. Doch der Umstieg auf das E-Auto braucht Zeit - die Daimler und Co. unter Umständen nicht haben. Denn wie der Tagesspiegel berichtet, verkündet EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute im EU-Parlament noch schärfere Klimaschutzziele. Demnach sollen bis 2030 sogar 55 Prozent Treibhausgase im Vergleich zu 1990 eingespart werden.

Bislang sollen Fahrzeughersteller wie Daimler den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid von 2021 bis 2030 um 37,5 Prozent reduzieren. Laut dem neuen „Plan für das Klima-Ziel 2030“, der dem Tagesspiegel vorliegt, schweben der EU-Kommission jetzt sogar „rund 50 Prozent“ weniger Treibhausgas-Ausstoß vor. Das Ziel setzt nicht nur die Autokonzerne unter Druck, sondern auch ihre Dienstleister. Schon jetzt sorgen Daimler, BMW & Co. für Massensterben und Job-Vernichtung bei Zulieferern, unter anderem, weil diese ebenfalls noch nicht auf die Elektromobilität umgestellt haben.

Daimler & Co.: EU-Zielwerte für CO2-Ausstoß sind schon jetzt kaum erreichbar

Rote Ampel für den Verbrenner: Daimler AG zittert vor Entscheidung der EU-Kommission

Für die Daimler AG und die meisten anderen Fahrzeughersteller ist bereits eine Senkung von 37,5 Prozent in diesem kurzen Zeitraum utopisch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Daimler den Zielwert verpassen wird und für den Konzern dadurch Strafzahlungen anstehen. Dabei kann man dem Autobauer aus Stuttgart vor allem in jüngster Vergangenheit nicht gerade mangelnde Bereitschaft unterstellen.

Zwar hat der Konzern die Elektromobilität verschlafen, seitdem bemüht sich Daimler aber, den Rückstand aufzuholen. Erst kürzlich beschloss Daimler einen Rekord-Deal mit Amazon. Der Fahrzeughersteller schloss sich damit einer Klimaschutz-Initiative an und will bis 2040 komplett CO2-neutral sein - zu spät für die Europäische Union.

Daimler AG: Reduktion des CO2-Ausstoßes erst der Anfang - Verbrenner-Verbot möglich

Die noch strengere Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes auch für Fahrzeughersteller wie Daimler ist laut Tagesspiegel erst der Anfang für die EU. Demnach denkt die EU-Kommission sogar über ein Verbot von Verbrennern nach. Die Kommission werde prüfen, ab welchem Zeitpunkt „interne Verbrennungsmotoren in Autos nicht mehr auf den Markt kommen sollten“.

Die EU-Kommission macht keinen Hehl daraus, künftig auf Elektromobilität zu setzen. Sie sehe „eine klare Rolle für die Elektrifizierung als Schlüsselpfad zur Dekarbonisierung“ des Sektors, so der Tagesspiegel. Im Jahr 2050 soll es auf den Straßen kaum noch Verbrennungsmotoren geben. „Nahezu alle Autos auf der Straße dürfen dann keinerlei Emissionen mehr ausstoßen“, so die EU laut Tagesspiegel. Beschlossen sind die Vorschläge der EU-Kommission noch nicht. Allerdings hält der Tagesspiegel Widerstand gegen die schärferen Regeln für unwahrscheinlich.

Innerhalb der Automobilbranche wird das Vorhaben, Verbrennungsmotoren möglicherweise zu verbieten, schockiert aufgenommen. Der Tagesspiegel belegt das mit einem "internen" Zitat: „Sollten die Pläne der Kommission Realität werden, dann bedeutet das das Ende des Automobilbaus in Deutschland, wie wir ihn heute kennen.“ Die Vorgaben aus Brüssel würden zu einem Arbeitsplatzabbau nie dagewesenen Ausmaßes bei Herstellern und Zulieferern führen.

Rubriklistenbild: © Federico GambariniFederico Gambarini/dpa

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