Neue Mercedes-Fabrik

„Er wird es noch lernen“: Daimler-Standortchef schickt Provokation an Elon Musk

Die neue S-Klasse von Mercedes neben Elon Musk (Fotomontage)
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Daimler AG: Der Standort-Chef von Mercedes-Benz in Sindelfingen widerspricht Elon Musk
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Erst kürzlich weihte Daimler eine neue hochmoderne Fabrik in Sindelfingen bei Stuttgart ein. Deren Standortleiter machte nun Elon Musks Zukunftsvision zunichte.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in Stuttgart hatte nicht zuletzt durch das Coronavirus mit massiven Rückschlägen zu kämpfen. Mit der neuen S-Klasse setzte der Konzern zum Befreiungsschlag an. Das neue Modell wurde in einer Live-Pressekonferenz aus dem ebenfalls neuen Werk in Sindelfingen präsentiert. Die Reaktionen auf die neue Daimler-S-Klasse fielen im Netz gemischt aus.

Die neue Fabrik mit dem Namen Factory 56 dagegen löste Begeisterung aus. Sie ist ein rundum vernetztes und digitalisiertes Werk - und zudem noch CO2-neutral. Die Factory 56 ist damit der modernste Daimler-Standort weltweit. Mit dem neuen Werk geht der Autobauer einen anderen Weg als der große Konkurrent Tesla.

Daimler AG: Wichtigstes Element beim Bau der neuen Mercedes S-Klasse sind die Mitarbeiter

Die Daimler AG will bewusst einen anderen Weg gehen als Konkurrent Tesla, heißt es. Tesla-Chef Elon Musk lässt derzeit eine Fabrik in Brandenburg bauen. Wenn es nach dem Tech-Pionier geht, läuft die Fabrik der Zukunft vollautonom und wird nur noch von wenigen Menschen gesteuert. Michael Bauer, der Standortchef des neuen Daimler-Werks in Sindelfingen, hat für diese Vision kein Verständnis. „Er wird lernen, dass Autobauen nur mit Menschen klappt“, sagte er der Autonews-Agentur press-inform.

Auch im neuen Werk der Daimler AG in Sindelfingen laufen einige Prozesse autonom ab, jedoch kann auf die Mitarbeiter nicht verzichtet werden. In der „Factory 56“ werde in ausgewählten Fertigungsbereichen („TecLines“) das herkömmliche Fließband durch fahrerlose Transportsysteme (FTS) abgelöst, schreibt der Konzern in einer Mitteilung. Dadurch sei ein Taktbetrieb möglich, bei dem das Fahrzeug steht und nicht kontinuierlich weiterbefördert werde. Die Basis für die modernen Maschinen und Anlagen bilde ein leistungsfähiges WLAN- und Mobilfunknetz. Auch das leistungsstarke 5G-Mobilfunknetz soll erstmalig eingesetzt werden.

Obwohl die Daimler AG auf hochmoderne Technik und nahezu autonome Arbeitsschritte setzt, liegt der Fokus nach eigenen Angaben auf den Mitarbeitern. „Trotz modernster Technik und innovativen Industrie 4.0-Maßnahmen steht in der „Factory 56“ der Mensch nach wie vor im Mittelpunkt“, heißt es in der Mitteilung. „Das Know-how, die Flexibilität sowie die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für Mercedes-Benz der Schlüssel zum Erfolg“.

Die neue Besinnung auf die Mitarbeiter ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Nahezu zeitgleich zur Einweihung der neuen „Factory 56“ gab die Daimler AG die lang diskutierte Schließung des Smart-Werkes im französischen Hambach bekannt. Daimler trennte sich von Werk und hinterließ Verzweiflung bei den Angestellten. 1.600 Arbeitsplätze stehen dadurch in Gefahr.

Daimler AG plant Angestellten mit neuen Arbeitsmodellen entgegenzukommen

Die Daimler AG geht jedoch noch einen Schritt weiter und sieht die Mitarbeiter nicht nur als Notwendigkeit, sondern als Mittelpunkt der Automontage. Derzeit erprobe man ein Modell für flexible Einsatzkräfte, schreibt das Unternehmen. Damit können Wünsche von Mitarbeitern in Bezug auf den Einsatzplan, abhängig von der persönlichen Situation, künftig besser berücksichtigt werden, um somit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.

Es gibt jedoch auch Kritik am neuen Wekr der Daimler AG. Noch vor der Eröffnung der "Factory 56" wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Mitarbeiter mit dem neuen System jede Sekunde überwachen kann. Die Autonomisierung könne Menschen in gewissen Bereichen sogar überflüssig machen. Das neue System soll Fehler automatisch an Werksarbeiter und Qualitätsbeauftragte weiterleiten und außerdem Arbeitsanweisungen geben.

Erst kürzlich schloss die Daimler AG einen Rekord-Deal mit dem Handels-Riesen Amazon. Im Rahmen der Kooperation bestellte Amazon 1.800 Elektro-Transporter bei Mercedes Benz.

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