„Missbrauch des Sozialsystems“

„Zum Kotzen“: Daimler feiert sich für Milliarden-Gewinn und sorgt für Empörung

Ein Mitarbeiter der Daimler AG in Sindelfingen. Foto: Marijan Murat/dpa
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Ein Mitarbeiter der Daimler AG in Sindelfingen. Foto: Marijan Murat/dpa
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Die Daimler AG machte nach einem harten Jahr im dritten Quartal einen Milliarden-Gewinn und feiert sich dafür. Damit löste der Konzern Empörung aus.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart spürte die Folgen des Coronavirus massiv. Der Autobauer verfolgt deshalb einen deutlich strengeren Sparplan als von CEO Ola Källenius ursprünglich vorgesehen. Erst Ende September verkündete der Konzern, eines der wichtigsten Werke massiv eindampfen zu wollen.

Auch das älteste deutsche Werk der Daimler AG in Berlin stellt nach 118 Jahren die Produktion ein. Insgesamt müssen Tausende Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers durch die Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft um ihre Arbeitsplätze fürchten. Zudem verschlingt der Wandel hin zum E-Auto Milliarden.

Daimler AG: Milliarden-Gewinn im dritten Quartal - „Betrug an der arbeitenden Bevölkerung“

Im dritten Quartal 2020 machte die Daimler AG nun jedoch überraschenderweise einen Milliarden-Gewinn, wie der Konzern in einer Pressemitteilung vom 15. Oktober verkündete. „Die Resultate des dritten Quartals reflektieren eine sehr starke Leistung und beweisen, dass wir bei der Absenkung der Gewinnschwelle auf dem richtigen Weg sind“, sagte Finanz-Vorstand Harald Wilhelm. „Dies macht uns zuversichtlich für die Weiterentwicklung unseres Unternehmens - sowohl strategisch als auch operativ“.

In den sozialen Medien rief diese Verkündung Empörung und Unverständnis aus. Auf Facebook postete die Linke einen Beitrag, in dem der Parteivorsitzende Bernd Riexinger der Daimler AG vorwirft, die Gewinne auf Kosten der Mitarbeiter und Steuerzahler finanziert zu haben. „Daimler lobt sich für sein tolles drittes Quartal und spricht von Markterholung und Kosten-Disziplin“, sagt Riexinger. Der Konzern habe Tausende Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt und so seine Gewinne über die Sozialkasse finanziert.

Unter dem Facebook-Beitrag der Linken entbrannte eine hitzige Diskussion über Moral und das Verhalten der Daimler AG in der Krise. „Nicht nur Daimler, es dürften keine Unternehmen (Konzerne) aus diesen Kassen Geld und Unterstützung bekommen, solange Dividenden gezahlt werden“, schreibt ein Nutzer. „Das ist Betrug an der arbeitenden Bevölkerung, die diese Sozialkassen füllt“.

Sparplan der Daimler AG: „Missbrauch des Sozialsystems auf Kosten der Schwächsten“

Vor allem die Tatsache, dass die Daimler AG Stellenabbau plant und staatliche Hilfen in Anspruch genommen hat, stößt bei den Facebook-Nutzern auf Unverständnis. „Zum Kotzen. Mag sein, dass es legal ist, aber es ist ein scham- und ehrloser Missbrauch des Sozialsystems auf Kosten der Schwächsten“, kommentiert eine Nutzerin. „Mal ganz ehrlich: Unternehmen, die dauernd Unterstützung und Sonderregelungen benötigen, sind meiner Ansicht nach nicht gesund“, macht ein weiterer Nutzer deutlich.

Die Daimler AG zeigt sich mit dem dritten Quartal zufrieden und hofft auf einen positiven Effekt für den Rest des Jahres. Voraussetzung dafür ist laut dem Konzern aus Stuttgart, dass es zu keinem weiteren Corona-Lockdown kommt. Daimler beabsichtigt, eine aktualisierte Prognose für das Geschäftsjahr 2020 am 23. Oktober zu veröffentlichen, wie der Autobauer in der Pressemitteilung angab.

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