Tesla verliert an Boden

Daimler wird Angst-Gegner für Elon Musk: Neuer EQS „könnte Tesla verdrängen“

Ein schwarz-silberner Mercedes EQS fährt durch einen Tunnel.
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Der Mercedes EQS könnte Tesla aus dem Premiumsegment verdrängen - die Kalifornier reagieren mit einem neuen Modell.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG hat mit dem EQS die E-Auto-Hoffnung der Stuttgarter ins Rennen geschickt. Sogar Tesla zittert vor der Limousine. Tesla-Chef Elon Musk reagiert mit einem neuen Modell.

Stuttgart - Vor wenigen Monaten stellte die Daimler AG in einer digitalen Weltpremiere ihre E-Auto-Hoffnung EQS vor. Die vollelektrische S-Klasse des Autokonzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart soll die Schwaben endlich als E-Autobauer etablieren. Der zuvor vorgestellte SUV EQC wurde dagegen intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet und auch der EQA legte einen holprigen Start hin. Mit dem EQS haben die Stuttgarter nun jedoch eine elektrische Limousine ins Rennen geschickt, vor dem sich sogar der E-Auto-Pionier Tesla in Acht nehmen muss. Schon im Vorfeld der Weltpremiere hieß es, das E-Auto solle zum Super-Konkurrenten für Tesla werden.

Das Model S von Tesla galt lange als das Aushängeschild der E-Mobilität, mit dem sich die Modelle aller anderen Autobauer messen mussten. Das Fahrzeug der Kalifornier ist inzwischen jedoch bereits seit neun Jahren auf dem Markt und langsam setzen Alterserscheinungen ein. Der EQS der Daimler AG steht dagegen erst in wenigen Tagen für die Kunden zum Verkauf. Im Premiumsegment sind Tesla und das Model S damit mit einer starken Konkurrenz konfrontiert, sagt Autoexperte Stefan Bratzel dem Handelsblatt. Tesla müsse aufpassen, „nicht verdrängt zu werden“. Visionär Elon Musk reagiert unter anderem auf die Bedrohung aus Stuttgart mit der Ankündigung eines neuen Tesla-Modells.

Daimler AG: Mercedes EQS könnte Tesla aus dem Premiumsegment verdrängen

Die Daimler AG setzt ihren Fokus aktuell stark auf die E-Mobilität und baut die Werke entsprechend auf die Produktion von E-Autos um. So soll beispielsweise in Berlin ein Digitalcampus für E-Autos und Software und am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim ein Elektrocampus entstehen. Tesla war dagegen seit Unternehmensgründung auf die Herstellung von E-Autos ausgelegt und hatte deshalb einige Vorteile gegenüber den traditionellen Autobauern. In einer Zukunftstechnologie könnte Daimler Tesla allerdings deutlich überlegen sein. Die Stuttgarter entschlossen sich jedoch bei dieser entscheidenden Zukunftstechnologie zu sparen und Tesla das Feld zu überlassen.

Nun könnte der EQS von Daimler-Tochter Mercedes-Benz jedoch den Platzhirsch Tesla Model S aus dem Premiumsegment vertreiben. Die Nachfrage nach der elektrischen Limousine sei so hoch, dass im Werk in Sindelfingen sogar eine Nachtschicht eingelegt werden muss, hieß es kürzlich aus dem Konzern. Tesla hat dagegen seit einigen Jahren kein neues Modell in diesem Segment auf den Markt gebracht. Stattdessen setzt das Unternehmen auf sogenannte Over-The-Air-Updates und wertet nach und nach Bremsen, Reichweite oder Assistenzsysteme auf, wie das Handelsblatt berichtet. „Die Software-Update-Pakete verringern die Wahrnehmung vom Alter der Tesla-Modelle“, sagte Alec Furrier von der Silicon-Valley-Beratung Ace of Diamonds laut der Zeitung.

Umgekehrte Machtverhältnisse: Tesla reagiert auf Daimler, BMW und Co.

In der Welt der E-Autos orientierten sich die Autobauer bislang hauptsächlich am vermeintlichen Marktführer Tesla und bauten Modelle, die es mit dem Model S aufnehmen sollten. Nun stellt sich in der E-Auto-Industrie offenbar ein umgekehrtes Machtverhältnis ein. Die Daimler AG ist von dem Erfolg des EQS überzeugt. „Wir sehen ein hohes Interesse von unseren Händlern und Kunden“, sagte Daimler-Vertriebsvorständin Britta Seeger dem Handelsblatt. Zudem blasen auch andere große Autokonzerne zum Angriff. Audi bringt mit dem e-tron GTS aktuell ein E-Auto im Premiumsegment auf den Markt und BMW will im kommenden Jahr mit der vollelektrischen 7er-Reihe nachlegen.

Nun liegt es im Premiumsegment bei Tesla, dem EQS der Daimler AG und dem e-tron GTS von Audi ein neues Modell entgegenzusetzen. Bislang vertrauten die Kalifornier eher auf Fahrzeuge im niedrigeren Preissegment. „Tesla war mit dem Model 3 und Y auf die niedrigeren Preissegmente fokussiert“, sagt Autoprofessor Bratzel. Im Premiumsegment wird die Konkurrenz dagegen immer größer, weswegen Tesla mit dem Model S Plaid nun zur Gegenoffensive übergeht. Zudem soll im Jahr 2022 mit dem Model X Plaid ein weiteres E-Auto in dem Segment folgen. Tesla-Chef Musk verkündete vor einigen Wochen seine ambitionierten Ziele. Der E-Auto-Pionier wolle pro Woche 2.000 Modelle der S und X Plaid produzieren, sagte Musk im Gespräch mit Analysten.

„Tesla ist immer noch ein kleines Unternehmen“, sagt ein Autoprofessor

Die Geschichte der Daimler AG geht bis auf die Erfinder des Automobils Gottlieb Daimler und Carl Benz zurück. Der Stuttgarter Konzern kann damit nicht nur auf eine lange Geschichte zurückblicken, sondern hat im Automobilbereich auch viel Erfahrung. Obwohl Daimlers E-Auto-Flotte bislang noch überschaubar ist, können die Stuttgarter allein durch ihre Größe schnell reagieren. Die Daimler AG zog beispielsweise den Verkauf des „Flop-SUV“ EQC aus dem amerikanischen Markt zurück, der EQS könnte nun jedoch auch auf diesem Markt überzeugen. Tesla ist dagegen noch ein verhältnismäßig junges Unternehmen. Mit einer Mitarbeiterzahl von 71.000 ist der E-Auto-Pionier zwar gut sieben Mal so groß wie noch vor sieben Jahren, für die Daimler AG arbeiten weltweit jedoch rund 288.000 Angestellte.

Tesla hatte laut dem Handelsblatt ursprünglich ein Modell namens Model S Plaid+ geplant. Die Entwicklung wurde inzwischen jedoch wieder eingestellt. „Plaid+ ist gestrichen“, schrieb Musk Anfang Juni auf Twitter. „Wir brauchen es nicht, weil Plaid einfach so gut ist.“ Laut Analysten zeigt die Einstellung des Modells allerdings die mangelnde Erfahrung Teslas. „Tesla ist immer noch ein kleines Unternehmen, seine Entwicklungskapazitäten sind beschränkt“, sagt Bratzel laut dem Handelsblatt. „Daher hat es einen Nachteil gegenüber großen Herstellern, es kann nicht so rasch neue Modelle oder Modellauffrischungen bringen.“

Das neue Model S Plaid könnte jedoch auch Konkurrenten wie die Daimler AG erneut in die Schranken weisen. Ein Selbstläufer sei das angekündigte Fahrzeug allerdings nicht, so Bratzel. „Man darf die Situation nicht mit der Markteinführung [des Model S, Anm.d.Red.] 2012 vergleichen – dafür ist die Konkurrenz zu stark.“

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