Transformation beschleunigt

Daimler-Boss bereitet Konzern auf extremes Szenario in Deutschland vor

Eine elektrische S-Klasse EQS von Mercedes-Benz fährt auf einer Straße.
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Die nächste Generation der elektrischen Baureihe EQ soll ein Jahr früher auf den Markt kommen. Daimler bereitet sich auf den Extremfall vor.
  • Julian Baumann
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Das Ende des Verbrenners könnte früher kommen als erwartet. Ola Källenius, Chef der Daimler AG, bereitet den Stuttgarter Konzern auf den Extremfall vor.

Stuttgart - In der deutschen und europäischen Automobilindustrie setzen die Hersteller immer stärker auf eine CO2-neutrale Produktion. Die Daimler AG stellte vor wenigen Wochen die vollelektrische S-Klasse EQS vor und will insgesamt immer mehr E-Autos produzieren. Damit will der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart die CO2-Emissionen der Fahrzeugflotte senken. Bis zum Jahr 2039 plant das Unternehmen komplett CO2-neutral zu produzieren. Das Erreichen der CO2-Ziele sei wichtiger als der Erhalt von Arbeitsplätzen, sagte Daimler-Chef Ola Källenius kürzlich.

Die Daimler AG setzt inzwischen zwar stark auf die elektrische Baureihe EQ und damit auf die E-Mobilität. Im Lkw-Segment sollen jedoch auch wasserstoffbasierte Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Deshalb schloss Daimler ein Bündnis mit einem erbitterten Konkurrenten. Die Schwaben verkündeten bereits vor einiger Zeit, den Verbrenner früher abschaffen zu wollen, als geplant. Aktuell werden die Vorgaben der EU zur Abgasminderung immer schärfer und das Verbrenner-Ende könnte noch früher eintreten. Für diesen Extremfall will der Daimler-Chef den weltbekannten Konzern vorbereiten, berichtet das Manager Magazin.

Daimler AG: Konzern-Chef will Elektrifizierung schneller vorantreiben

Die Daimler AG stellte bereits mehrere Modelle der vollelektrischen Baureihe EQ vor. Der SUV EQC wurde jedoch sogar intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet und auch der EQA brachte nicht den erhofften Erfolg. Mit der Luxuslimousine EQS hat der Stuttgarter Autobauer jedoch im Premiumsegment die Nase vorn. Daimler wird damit zum Angst-Gegner für Elon Musk, der EQS „könnte Tesla verdrängen“. Während die Standorte in Berlin und Untertürkheim aktuell noch auf die Produktion von E-Autos umgerüstet werden, ist die „Factory 56“ in Sindelfingen das Herzstück von Daimlers E-Auto-Strategie. Daimler will mit großzügigen Boni weltweit Ingenieure anlocken.

Die Europäische Union plant bereits seit Langem ein Verbrenner-Verbot. Dieses Vorhaben wurde jedoch immer weiter verzögert. Aktuell werden die Richtlinien für die Autobauer und damit für die Emissionswerte der Fahrzeuge immer strenger. Da die E-Auto-Flotte der Daimler AG im Vergleich zu den Verbrenner-Modellen nach wie vor überschaubar ist, hätte ein frühes Verbrenner-Verbot gravierende Folgen für den Konzern. Konzernchef Ola Källenius will den Autobauer deshalb auf den Extremfall vorbereiten. Die nächste Modellgeneration der Reihe EQ war für die Jahre 2024/2025 angesetzt. Nun sollen die E-Autos bereits ein Jahr früher auf den Markt kommen, berichtet das Manager Magazin.

Grüne fordern Verbrenner-Aus bis 2030 - Daimler AG will vorbereitet sein

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gründete im vergangenen Jahr einen Strategiedialog der Automobilwirtschaft. Daran nahmen auch Daimler-Chef Ola Källenius und Porsche-Chef Oliver Blume teil. Ein Zukunftsplan soll Baden-Württemberg zum Vorbild der E-Mobilität machen. Die Grünen fordern bundesweit jedoch ein Verbrenner-Aus bis 2030. Källenius will vor allem die Marke Mercedes-Benz auf diese Extremsituation vorbereiten. Die Mercedes-Benz AG soll zukünftig eigenständig fungieren, denn Daimler spaltet sich auf.

Bei der kommenden Neuauflage der Fahrzeugmodelle der Daimler AG sollen bereits mehr als die Hälfte aller Modelle mit einem Elektromotor ausgestattet werden. Damit wollen die Stuttgarter gewährleisten, dass die Verbrennermodelle mit Benzin- oder Dieselmotor zügig auslaufen, berichtet das Manager Magazin. Bislang produzierten die Schwaben keine eigenen Batteriezellen für die E-Autos, sondern setzten auf externe Zulieferer. Aufgrund „katastrophal“ schlechter Batteriezellen aus China, war kurzzeitig sogar die E-Auto-Strategie des Autobauers bedroht. Im Rahmen der beschleunigten Transformation ist im Konzern nun jedoch sogar von einem Einstieg in die Batteriezellenfertigung die Rede.

Die Daimler AG baute bereits eine Fabrik, die den größten Makel von E-Autos ausmerzen soll. Dabei handelt es sich um eine Batterie-Recycling-Fabrik in Gaggenau (Kreis Rastatt). Zukünftig könnte Daimler demnach aber auch selbst Batteriezellen für die kommenden Fahrzeuge der elektrischen Baureihe EQ produzieren. Ola Källenius will die beschleunigte Elektro-Strategie des Stuttgarter Autokonzerns noch vor der Sommerpause öffentlich vorstellen, heißt es aus dem Unternehmen.

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