Kritik an E-Autos

Daimler unter Druck: Skepsis der Deutschen gegenüber E-Autos wächst

Das Konzeptauto Mercedes-Benz VISION EQS der Daimler AG.
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Daimler wird noch in diesem Jahr die elektrische S-Klasse EQS auf den Markt bringen.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG setzt mit der vollelektrischen Baureihe EQ auf die Technologie der Zukunft. Vom E-Auto sind jedoch bei weitem nicht alle Autofahrer überzeugt.

Stuttgart - In der deutschen und internationalen Automobilindustrie stehen die Zeichen deutlich auf der E-Mobilität. Auch die Daimler AG will in den nächsten Jahren über zehn neue Modelle der vollelektrischen Baureihe EQ auf den Markt bringen und den Verbrenner schneller abschaffen als erwartet. Die Transformation der Produktion von Verbrenner-Modellen zum E-Auto sorgt bei dem Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart seit Langem für Kritik. Im Zuge der Umstrukturierung sollen nämlich auch Tausende Arbeitsplätze abgebaut werden, da die Produktion der E-Autos deutlich weniger Personal benötigt.

Bislang verlief der Start in die Welt der E-Autos für die Daimler AG eher holprig. Der elektrische SUV EQC blieb weit hinten den Erwartungen zurück und auch der kleinere SUV EQA polarisierte unter den Autofahrern. Der Auto-Pionier setzt seine Hoffnung deshalb in die mit Spannung erwartete elektrische S-Klasse EQS. Das E-Auto soll zum Super-Konkurrenten für Tesla und am 15. April in einer Weltpremiere enthüllt werden. Bislang stehen viele deutsche Autofahrer, die jahrelang mit Verbrenner-Modellen des Autobauers unterwegs waren, dem neuen Weg kritisch gegenüber. Laut einer Befragung des Marktforschungsunternehmens GfK nimmt die Skepsis gegenüber den E-Autos sogar noch weiter zu, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet.

Daimler AG: Fokus auf E-Autos - Studienergebnisse setzen den Autobauer unter Druck

Dass die Technologie der E-Autos allgemein als die Zukunft der Autoproduktion angesehen wird, zeigt sich auch bei dem vermeintlichen Marktführer. Das US-Unternehmen Tesla, geführt von Elon Musk, ist inzwischen der wertvollste Autobauer der Welt. Während Tesla von Beginn an nur auf E-Autos setzte, muss die Daimler AG die Produktion der Werke zunächst entsprechend umstellen. Beispielsweise soll das Daimler-Stammwerk in Untertürkheim in einen Elektrocampus umgebaut werden und am Berliner Standort entsteht ein Digitalcampus für Software und E-Autos. Der Fokus auf die E-Mobilität ist jedoch nicht unumstritten. Im vergangenen Jahr veröffentlichten Ingenieure die unangenehme Wahrheit über E-Autos.

Die Skepsis vieler deutscher Autofahrer gegenüber den E-Autos zeigte sich kürzlich auch anhand von Reaktionen in Bezug auf eine polarisierende Aussage des Forschungschefs der Daimler AG. Der Daimler-Forschungschef löste eine hitzige Debatte über E-Autos aus, in dem er sagte, das E-Auto sei den Verbrenner-Modellen bereits ebenbürtig. Im vergangenen Jahr sanken die Neuzulassungen in der Autobranche nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie drastisch, die Absätze der reinen E-Autos stiegen dagegen deutlich an, wie die FAZ berichtet. Die Repräsentativbefragung des Marktforschungsunternehmens GfK zeigt jedoch, dass von einer allgemeinen Bevorzugung der neuen Technologie nicht die Rede sein kann.

Daimler AG: Laut Befragung sehen fast 50 Prozent der Autofahrer Verbrenner nicht am Ende

Die E-Autos der Daimler AG haben, wie auch die Modelle anderer Autobauer noch immer mit einigen Problemen zu kämpfen. Dazu gehört beispielsweise die vergleichsweise geringe Reichweite pro Akkuladung und das hohe Gewicht der Batterien. Auch die Infrastruktur für E-Ladesäulen ist noch nicht flächendeckend ausgebaut. Das Unternehmen GfK befragte 4.547 Neu- und Gebrauchtwagenkäufern sowie Fahrzeughalter für ihren DAT-Report 2021, wie die FAZ berichtet. Dabei zeigt sich, dass die Skepsis gegenüber E-Autos im Vergleich zum Vorjahr sogar noch zugenommen hat. Rund 21 Prozent der befragten Käufer bezeichneten das E-Auto zwar als perfektes Fahrzeug für den Alltag, 46 Prozent sagten jedoch, die neue Technologie werde den Verbrenner in naher Zukunft nicht ablösen können.

Die angebliche Umweltfreundlichkeit beim Fahren der E-Autos ist schon seit Langem umstritten. Die Daimler AG will mit der Baureihe EQ und dem Fokus auf elektrische Antriebe ihre CO2-Bilanz drastisch senken. Den E-Autos könnten jedoch sogar Fahrverbote drohen, wegen der Feinstaubbelastung. Auch die Befragung der GfK offenbarte Zweifel an der Umweltfreundlichkeit der E-Autos. 16 Prozent der Befragten zweifelten an der Umweltfreundlichkeit während des Fahrens. Sogar 47 Prozent während sind der Meinung, dass die Produktion von E-Autos alles andere als umweltfreundlich ist. Fast die Hälfte der Befragten bemängelten die verhältnismäßig lange Ladezeit, 59 Prozent die geringe Reichweite und 46 Prozent die hohen Anschaffungskosten der E-Autos.

Dass die E-Autos auch in anderen Bereichen noch immer Probleme bereiten, zeigte sich kürzlich bei einem Vorfall mit einem Modell der Daimler AG. Ein „hochgefährlicher“ Vorfall mit einem E-Auto an der Ladestation stellte die Feuerwehr vor eine große Herausforderung. Der Stuttgarter Autobauer will zwar die Benziner-und Dieselmodelle nach und nach abschaffen, so ganz hat sich der Konzern jedoch noch nicht vom Verbrenner gelöst. Die vor wenigen Wochen vorgestellte neue Mercedes-Benz C-Klasse setzt noch mal bewusst auf einen Antrieb aus Verbrenner und Batterie.

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