Daimler im Konkurrenzkampf

Daimlers technische Neuheit bei E-Autos offenbart gewaltigen Abstand zu Tesla

Mercedes-Benz zeigt am 16.05.2013 auf der Entwicklermesse Google I/O 2013 eine Integration von Google-Diensten in der Fahrzeug-Navigation.
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Daimler kündigt eine Technologie an, die in Tesla-Fahrzeugen schon seit Jahren verbaut ist.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG und Konzern-Chef Ola Källenius kündigten eine technische Revolution an. Damit zeigte der Stuttgarter Autobauer jedoch, dass Tesla doch ein harter Konkurrent ist.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich mitten in der Umstrukturierung hin zur Produktion von E-Autos. Damit tritt der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart in direkte Konkurrenz zum E-Pionier Tesla aus den USA. Während dessen Chef Elon Musk den Konkurrenzkampf nicht ganz so ernst sieht und sich sogar eine Fusion mit der Daimler AG vorstellen könnte, fühlt man sich in Stuttgart Tesla nach wie vor überlegen. Zusätzlich zur Konkurrenz durch Tesla müssen Daimler, BMW und Co. jedoch auch vor dem E-Auto von Apple zittern. Eine groß angekündigte technische Neuerung zeigt jedoch, wie sehr man in Stuttgart der Konkurrenz Tesla in gewissen Punkten eben doch unterlegen ist, glaubt ein Experte.

Bei der Daimler AG wird der Fokus aktuell nicht nur auf die elektrischen Antriebe gesetzt. In einer Keynote stellte Daimler-CEO Ola Källenius vor einiger Zeit die neue Software-Strategie des Konzerns vor. Die Software soll der wettbewerbsfähige Faktor werden. Dadurch zeigte der weltbekannte Konzern jedoch, wie weit die Konkurrenz im Gegensatz dazu bereits die Nase vorn hat.

Daimler AG: Revolution per Software? - Autoexperte warnt vor Rückstand

Bereits Mitte Juni letzten Jahres kündigte die Daimler AG die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems an, mit dem der Stuttgarter Konzern Tesla den Kampf ansagen wollte. Durch das System MB.OS sollten die Fahrzeuge zu „Smartphones auf vier Rädern“ werden, wie Ola Källenius bereits vor einem halben Jahr sagte. Der Fokus auf die Software war schon damals gesetzt, das Betriebssystem soll jedoch erst 2024 oder 2025 in vollem Umfang einsetzbar sein. Bei der Vorstellung er neuen Software-Strategie unterstrich der Daimler-Chef nochmals die Wichtigkeit der Softwaretechnologie.

Die Strategie der Daimler AG sieht vor, Fahrzeuge dauerhaft mit neuen Software-Updates zu versorgen. Der Wert der Modelle soll dadurch kontinuierlich an Wert steigen, sagte Ola Källenius. Daneben sollen manche Updates nur durch ein kostenpflichtiges Abo-Modell verfügbar sein. Im Jahr 2018 wagte Daimler und Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz bereits ein Experiment mit einem Abo-Modell im Stil von Netflix und Co., das jedoch zum Flop wurde. Doch auch die neue Idee der Softwareupdates bringt so einige Probleme mit sich, wie ein Autoexperte gegenüber Business Insider sagte.

Källenius hat es endlich erkannt: Die Software wird eines der entscheidenden Wettbewerbskriterien der Zukunft sein“, sagte Sahin Albayrak, Professor an der TU Berlin, dem Business Insider. „Die deutschen Autobauer haben davor zu lange die Augen verschlossen.“ Die von Ola Källenius vorgestellten Neuerungen der Daimler AG gebe es beim Konkurrenten Tesla schon seit Jahren, sagte der Autoexperte weiter. Er sehe die Präsentation als „offenes Eingeständnis“, dass Daimler Tesla noch Jahre hinterher sei.

Daimler AG: Konkurrenz von Tesla beim E-Auto - und von Apple bei der Software

Mit dem eigenen Betriebssystem sagte die Daimler AG jedoch nicht nur dem E-Pionier Tesla den Kampf an, sondern auch den Platzhirschen Google und Apple. Während der Automobilbau für Apple noch Neuland darstellt, hat der Konzern zumindest bei der Software eindeutig die Nase vorn. Dass die Kalifornier mit einem eigenen E-Auto nun auch auf den Automarkt drängen, könnte für die deutschen Autohersteller wie Daimler, BMW und VW sehr gefährlich werden, so Sahin Albayrak. „Apple lief bisher unter dem Radar, hat ohne großes Tamtam an der Fahrzeugsoftware gebastelt. Die Luft wird nun dünn für Daimler.“

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