Vormachtstellung bei E-Mobilität

„Auf Attacke umschalten“: Daimler hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tesla

Die S-Klasse von Mercedes neben Elon Musk (Fotomontage)
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Laut einem Experten müssen Daimler und Co. im Kampf gegen Tesla zum Angriff übergehen - sie haben einen Vorteil.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Im Bereich der E-Mobilität müssen sich die Daimler AG und Co. mit Tesla messen. Ein Experte rät den deutschen Autoherstellern nun, einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem US-Unternehmen zu nutzen.

Stuttgart - Inzwischen liegt der Fokus in der weltweiten Autobranche deutlich auf der E-Mobilität. Die Daimler AG stellte bereits im vergangenen Jahr drei neue E-Auto Modelle für 2021 vor. In diesem Bereich müssen sich die deutschen Autobauer jedoch mit dem E-Auto-Pionier Tesla messen, der aktuell um ein Vielfaches mehr wert ist als Daimler, BMW und VW zusammen. Tesla ist jedoch vor allem an der Börse sehr erfolgreich und hat als reiner E-Auto-Hersteller einen Vorteil. Die Daimler AG und das Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz gelten als die Erfinder des Automobils und haben den Verbrenner-Motor über Generationen hinweg geprägt. Im Zuge der Umstrukturierung muss der Autobauer aus Stuttgart allerdings viele Standorte weltweit auf die Produktion von E-Autos umstellen.

Im Gegensatz zur Daimler AG und auch den anderen großen deutschen Herstellern hat Tesla dieses Problem nicht. Konzern-Chef Elon Musk baut aktuell in der Nähe von Berlin eine Gigafabrik, die von vornherein auf die Produktion von E-Autos ausgelegt ist. Daimler hat dagegen im vergangenen Jahr die „Factory 56“ als moderne und neue Fabrik des Konzerns vorgestellt. Dort wird jedoch auch noch das Flaggschiff S-Klasse produziert, das nach wie vor mit einem Verbrenner betrieben wird. Im Kampf um die Vormachtstellung in der E-Mobilität haben die deutschen Autobauer jedoch nicht nur Nachteile, sondern auch einen entscheidenden Vorteil. Ein Experte rät diesen gegenüber Tesla einzusetzen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Daimler AG: Die Unterschiede zu Tesla - Probleme mit Abgasnormen und Verbrenner-Verbot

Die Daimler AG hat im Bereich der E-Mobilität bereits einige Hebel in Bewegung gesetzt, musste jedoch auch viel Kritik einstecken. Der bereits im vergangenen Jahr auf den Markt gebrachte E-SUV EQC floppte und wurde sogar intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet. Der Konzern aus Stuttgart stellte vor wenigen Wochen als erster großer Autohersteller ein E-Auto im Jahr 2021 vor. Doch auch der EQA, ebenfalls ein SUV, erhielt in den sozialen Medien eine gemischte Resonanz. Mit den Verbrenner-Modellen scheint es bei Daimler noch immer besser zu funktionieren. Durch die strengen EU-Abgasnormen und dem drohenden Verbrenner-Verbot ist der Schritt zur E-Mobilität jedoch vielversprechender.

Tesla hat als reiner E-Auto-Hersteller solche Probleme nicht und fährt aktuell mit Abstand an der Börsenspitze. Die Marke Tesla ist ein vergleichsweise junges Phänomen. Durch den riesigen Erfolg der Aktie setzt der US-Hersteller aus dem Silicon Valley allerdings dazu an, auch die deutschen Platzhirsche zu überflügeln. Der Marktwert von Tesla kommt aktuell auf rund 700 Milliarden Euro. Die Daimler AG ist dagegen rund 63 Milliarden Euro wert. Der Stuttgarter Konzern machte im vergangenen Jahr allerdings einen Milliardengewinn von über sechs Milliarden Euro, während Tesla nur auf rund 1,6 Milliarden Euro kam.

Daimler AG: Entscheidender Vorteil gegenüber Tesla - „auf Attacke umschalten“

Durch den Erfolg an der Börse hat Elon Musk mit seinem Unternehmen Tesla einen großen Handlungsspielraum. So könnte der US-Hersteller sogar die Daimler AG übernehmen, „ohne um Erlaubnis zu fragen“. Die Aussichten auf eine mögliche Fusion versetzte die Daimler-Mitarbeiter bereits in Angst. Der Stuttgarter Hersteller fühlt sich dem Konkurrenten Tesla jedoch nach wie vor überlegen. Aktuell fahren die deutschen Hersteller zumindest im Bereich der E-Mobilität dem US-Hersteller deutlich hinterher. Das liegt allerdings nicht unbedingt nur an den verkauften Fahrzeugen. „Der Börsenwert ist mit den fundamentalen Daten etwa bei Gewinn und Produktion nicht zu rechtfertigen“, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung.

Die Daimler AG hat im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Autos gebaut. Tesla produzierte dagegen nur 500.000 Fahrzeuge. Der Großteil des Gewinns von Tesla im Jahr 2020 stammte auch nicht von den Autoverkäufen, sondern aus dem Verkauf von Verschmutzungsrechten. Zwar seien die deutschen Autobauer Tesla aktuell technologisch noch hinterher, er halte den US-Konzern jedoch für „krass überbewertet“, so Pieper. „Wenn die Deutschen jetzt nicht schnell auf Attacke umschalten, sehe ich die Gefahr, dass Tesla ihnen die führende Rolle auf dem Markt für alle Zeiten abspenstig macht.“ Die deutschen Hersteller stehen jedoch nicht so schlecht da und haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tesla.

Daimler AG: Vorteil gegenüber Tesla - große Refinanzierungsmöglichkeit durch klassische Antriebe

Die Daimler AG und auch andere deutsche Autobauer wie BMW und VW haben einen großen Vorteil gegenüber Tesla. „Die Geschäfte mit dem Verbrennermotor laufen prächtig“, sagte Autoanalyst Frank Biller von der LBBW der Stuttgarter Zeitung. „Sie spielen ihnen die nötigen Gelder für die Zukunftsinvestitionen ein. Diese Refinanzierungsmöglichkeit hat Tesla nicht.“ Jürgen Pieper ist da derselben Meinung. „Die deutschen Hersteller haben Glück im Unglück, sie erzielen mit ihrem Brot-und-Butter-Geschäft die nötigen Gewinne, um finanziell mithalten zu können“, sagte der Analyst vom Bankhaus Metzler. Tesla hat zwar keine Refinanzierungsmöglichkeiten durch den Verkauf von Verbrennermodellen, durch das große Vermögen von Elon Musk allerdings genug andere Möglichkeiten.

Durch Elon Musk, der neben Tesla auch als Mitbegründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX und des Bezahldienstes PayPal bekannt ist, hat der US-Konkurrent nahezu grenzenlose finanzielle Möglichkeiten. Genau das macht eine drohende Übernahme der Daimler AG auch durchaus realistisch. Tesla könnte zwar rein finanziell mühelos alle drei großen deutschen Autohersteller übernehmen, BMW und VW sind durch ihre Struktur mit einer Eignerfamilie an der Spitze jedoch weniger gefährdet. Bei der Daimler AG sei die Gefahr jedoch nicht nur theoretischer Natur, sagte Pieper gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Daimler ist wegen seiner Aktionärsstruktur angreifbarer als BMW und VW.“

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