Elektro-Architektur für EQS

Daimler entwickelt völlig neue E-Auto-Batterie: „Laden in sechs Minuten ist erreichbar“

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Die Daimler AG will den Fortschritt hin zur E-Mobilität weiter vorantreiben und setzt auf neue Technologien. Für die große Elektro-Hoffnung EQS entwickelt der Konzern eine völlig neue Elektro-Architektur.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich im Wandel zur E-Mobilität und will in Zukunft verstärkt auf E-Autos setzen. Damit steht der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart in direkter Konkurrenz zum E-Auto-Pionier Tesla. Während deren Chef Elon Musk den Konkurrenzgedanken nicht so ernst nimmt und sich sogar eine Fusion mit der Daimler AG vorstellen kann, fühlt sich der schwäbische Autobauer Tesla nach wie vor überlegen. Die Daimler AG kündigte bereits im vergangenen Jahr drei neue E-Auto Modelle von Tochterunternehmen Mercedes-Benz für das laufende Jahr an.

Nachdem der EQC weit hinter den Erwartungen zurückblieb, liegt die Hoffnung der Daimler AG nun auf dem elektrischen Flaggschiff EQS. Im Gespräch mit auto-motor-und-sport.de sprach Forschungsvorstand Markus Schäfer über die E-Mobilität und die neue Elektro-Architektur für die elektrische S-Klasse.

Daimler AG: Durch völlig neue E-Auto-Batterie soll der EQS deutlich mehr Reichweite haben

Bislang verlief die Umstrukturierung hin zur E-Mobilität für die Daimler AG nicht gerade reibungslos. Als die Feuerwehr Stuttgart im vergangenen Jahr ihre Fahrzeugflotte auf E-Autos umstellte, erhielt die Konkurrenz den Zuschlag. Grund dafür war, dass die Auswahl an E-Fahrzeugen des Stuttgarter Autobauers noch deutlich zu klein war. Inzwischen gibt es zwar eine größere Auswahl der Reihe EQ von Mercedes-Benz, der SUV EQC blieb beispielsweise jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Das Fahrzeug wurde intern sogar als „Rohrkrepierer“ bezeichnet. Daimler verteidigte den peinlichen SUV-Flop.

Durch die neue Batterie soll der EQS der Daimler AG eine Reichweite von über 700 Kilometern haben.

Bislang sind die verfügbaren E-Autos der Daimler AG auf eine maximale Reichweite von 390 Kilometer beschränkt. Der Stuttgarter Konzern baut nun jedoch eine neue Elektroarchitektur, die deutlich mehr ermöglichen soll. „Unsere neue Elektroarchitektur [ermöglicht] ab 2021 auch 700 Kilometer Reichweite, das geht nur über die Chemie, über eine hohe Energiedichte“, sagte Markus Schäfer gegenüber auto-motor-und-sport.de. Kernpunkt der neuen Architektur für den EQS ist eine verbesserte E-Auto-Batterie. „In den Laboren in Untertürkheim ist bereits die nächste Generation in der Entwicklung“, so Schäfer weiter.

Daimler AG: Konzern entwickelt neben verbesserter Batterie für EQS auch günstigere Alternativen

Die sich bereits am Hauptstandort der Daimler AG in der Entwicklung befindlichen Batterien sind laut Markus Schäfer Lithium-Nickel-Cobalt-Mangan-Zellen mit einem hohen Anteil an Silizium als anodischem Material. Und dann wird es sehr fachlich: „Dadurch peilen wir eine Energiedichte von über 800 Wattstunden pro Liter an“, sagte der Vorstand der Konzernforschung. „Gleichzeitig erhalten wir die Zyklenfestigkeit auf einem hohen Niveau von größer 1.200 Zyklen.“ Daneben gebe es jedoch auch günstigere Alternativen für Fahrzeuge mit kleiner Batterie, wie etwa Lithium-Eisenphosphat-Akkus, die ebenfalls beständig weiter entwickelt würden.

Auf die Frage von auto-motor-und-sport.de ob ein E-Auto mit einem Verbrenner-Fahrzeug, das im Schnitt etwa sechs Minuten brauche, um vollständig aufgetankt zu werden, gleichziehen könnte, antwortete der Forschungsvorstand der Daimler AG: „In allernächster Zukunft sind 15 Minuten für eine Ladung realistisch, aber auch die sechs Minuten sind erreichbar.“ Dies sei laut Markus Schäfer jedoch erst in den 2030er Jahren zu erwarten. Der EQS soll dagegen bereits sehr bald auf die Straßen kommen und neben einer völlig neuen Batterie auch den größten Bildschirm bieten, der jemals in ein Mercedes-Fahrzeug eingebaut wurde. Das neue Daimler-E-Auto soll dadurch zum Super-Konkurrenten für Tesla werden.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG - Global Commun

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