Markt für E-Autos

„Fenster wird immer kleiner“: Daimler läuft Zeit davon - China-Experte warnt vor Tesla-Dominanz

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Die Daimler AG investiert massiv in die E-Mobilität. Doch der Rückstand auf die Konkurrenz ist groß - das könnte dem Konzern in China zum Verhängnis werden.

Stuttgart/Peking - Die Daimler AG befindet sich mitten im Strukturwandel hin zur Elektromobilität. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart investiert ebenso wie die gesamte deutsche Autoindustrie massiv in die Entwicklung von E-Autos. Doch der Vorsprung der Konkurrenz ist groß, besonders Tesla ist bei Innovationen seinen Wettbewerbern gefühlt immer einen Schritt voraus. Zuletzt verunsicherte ein Ex-BMW-Manager die Mitarbeiter von Daimler mit einer Vorhersage. Die aktuelle Situation des Stuttgarter Konzerns fasste er mit den Worten „Tesla frisst Daimler“ zusammen.

Der Vorsprung von Tesla auf die Daimler AG ist auch deshalb noch groß, weil das Coronavirus in Baden-Württemberg dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart zuletzt stark zusetzte. Experten rechnen 2021 mit einem großen Erwachen für Daimler, BMW & Co. Erst dann beginne für die Autoindustrie eine „brutale Auslese“ mit unvermeidbaren Werkschließungen und Job-Verlusten. Rettender Anker angesichts von Strukturwandel und Coronavirus war für Daimler zuletzt der Markt in China, der sich schnell erholte. Doch genau hier droht der Fahrzeughersteller abgehängt zu werden.

Daimler AG kann Beliebtheit in China nicht nutzen - und droht Dominanz an Tesla zu verlieren

Eigentlich sind deutsche Autos in China überaus beliebt, auch die Fahrzeuge der Daimler AG. Doch der Strukturwandel könnte für den Konzern auch hier zum Problem werden. Denn auf der „Auto China 2020“ in Peking waren laut „der Aktionär“ Elektroautos die Stars der Messe. „Der Leitmarkt der Elektromobilität ist China - und zwar mit deutlichem Abstand“, so Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management gegenüber „der Aktionär".

Daimler in China: Der Konzern bietet für den chinesischen Markt noch zu wenige E-Autos an.

Das liege zum einen an Chinas Regierung, die Anreize für E-Auto-Käufer schaffe und in vielen Metropolen Verbrenner beschränke und stattdessen Ladestationen für Elektromobilität einrichte. Der wachsende Markt für E-Autos liegt aber auch an den Chinesen selbst, die laut Stefan Bratzel offener für technische Innovationen seien. „Man muss sehr aufpassen, da nicht abgehängt zu werden", erklärte Stefan Bratzel deshalb. Genau das könnte Daimler, BMW & Co. allerdings passieren. Denn bislang haben deutsche Fahrzeughersteller kaum vollelektrische Modelle im Angebot.

Zu wenig Modelle: Daimler AG hat bei der E-Mobilität Nachholbedarf, Tesla könnte deshalb in China profitieren

Anlässlich der Messe „Auto China 2020“ in Peking fällt ein China-Experte laut „der Aktionär“ deshalb ein vernichtendes Urteil über Daimler, BMW & Co. „Was Elektromobilität angeht, muss man sagen, fahren sie fast gar nicht mit“, so Peter Hage von der Unternehmensberatung Districom Group. Insgesamt hätten deutsche Fahrzeughersteller in China „bisher sehr wenige Modelle wirklich im Vertrieb“. Laut Peter Hage könnte die Daimler AG „mit ihrer Marke viel stärker ins Geschäft kommen, haben bisher aber nicht die Produkte.“

Mit andere Worten: Die Chinesen haben großes Interesse an E-Autos von Daimler, aber Daimler nicht genügend E-Autos. „Je länger diese Situation vorhält, umso stärker ist es möglich für andere Anbieter, besonders Tesla , dieses Feld zu besetzen“, warnte Peter Hage deshalb. „Das Fenster wird immer kleiner.“ Neben Tesla wartet aber auch die chinesische Konkurrenz bereits darauf, ihre Chance zu nutzen. Laut „der Aktionär“ gibt es mit Nio, Li Auto oder Xpeng gleich drei Hersteller von E-Autos, die Daimler den Rang ablaufen könnten. Ein Hoffnungsschimmer ist aus Sicht von „der Aktionär" die neue Factory 56 von Daimler, in der auch der vollelektrische EQS gebaut werden soll. Dort überwacht die Daimler AG Mitarbeiter mit einem neuen System jede Sekunde. Auch für "der Aktionär" ist die digitalisierte und CO2-neutrale Fabrik ein Quantensprung für Daimler.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Andreas Landwehr/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare