Autonomes Fahren

Daimler will bei entscheidender Zukunftstechnologie sparen - und überlässt Tesla das Feld

Demonstration des „Drive Pilots“ in einer Mercedes S-Klasse.
+
Mit dem „Drive Pilot“ könnte Daimler Tesla deutlich überlegen sein. Der Konzern sieht die Technologie allerdings nicht mehr als Top-Priorität.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Die Daimler AG setzte bislang stark auf die Technologie des autonomen Fahrens und galt in diesem Bereich als Vorreiter - gerade dort wollen die Stuttgarter jetzt offenbar sparen.

Stuttgart - In der Automobilindustrie ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Wandel bemerkbar. E-Autos werden immer beliebter und komplettieren die Fahrzeugflotten bei den großen Autobauern immer mehr. Auch die Daimler AG setzt stark auf die E-Mobilität und stellte bereits mehrere neue Modelle vor. Der elektrische SUV EQC wurde intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet aber die Schwaben schickten vor wenigen Wochen mit der elektrischen S-Klasse EQS ihre E-Auto-Hoffnung ins Rennen. Das E-Auto soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden.

Im Bereich der E-Autos muss sich auch die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart mit dem E-Auto-Pionier Tesla messen, der oftmals als Marktführer bezeichnet wird. Daimler könnte bei einer Zukunftstechnologie Tesla allerdings weit überlegen sein, glauben Experten. Die Schwaben testen bereits seit Langem das autonome Fahren, beispielsweise in einem speziell präparierten Parkhaus am Stuttgarter Flughafen. Daimler plante sogar autonome Autos mithilfe von Satelliten zu steuern.

Laut einem Bericht des Portals Business Insider drosselte der Stuttgarter Autobauer die Investitionen in die Zukunftstechnologie nun jedoch und will sich zunächst noch stärker auf E-Autos und die entsprechende Software konzentrieren.

Daimler AG: Autobauer sieht autonomes Fahren nicht mehr als Top-Priorität

Bei der Daimler AG ist ebenfalls ein großer Wandel zu bemerken. Der Traditionskonzern soll schon bald in zwei Unternehmen aufgeteilt werden. Damit verschwindet der Name „Daimler“ auch aus Stuttgart, denn die Pkw-Sparte soll zukünftig Mercedes-Benz AG heißen. Nun folgte nach Angaben von Business Insider der nächste große Schritt. Demnach hat das autonome Fahren zunächst keine Top-Priorität mehr. „Wir wirtschaften mit begrenzten Mitteln, da müssen wir schlicht Prioritäten setzen“, sagte ein Daimler-Manager gegenüber dem Portal.

Im Gegensatz zum großen Konkurrenten Tesla, der von Beginn an ausschließlich auf die Produktion von E-Autos setzt, hat die Daimler AG eine lange Geschichte hinter sich. Der Stuttgarter Konzern ist weltweit noch immer hauptsächlich für die Verbrenner-Modelle von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz bekannt. Von den Luxuslimousinen S-Klasse und E-Klasse gibt es bereits zahlreiche Modellreihen und viele Autofahrer weltweit vertrauen auf die Qualität der Marke mit dem Stern. Im Bereich der E-Autos sind die Schwaben dagegen noch relativ am Anfang und müssen die Standorte weltweit erst entsprechend umstellen. Umso verwunderlicher ist es, dass Daimler nun ausgerechnet der Technologie keine Top-Priorität mehr einräumt, in der sie der Konkurrenz deutlich überlegen sind.

Daimler AG sieht Entscheidung nicht als „Eingeständnis des eigenen Scheiterns“

Die Daimler AG stellte vor Monaten die neueste Version der C-Klasse als Plug-in-Hybrid vor und verspielte laut Meinung eines Experten damit eine Angriffschance auf Tesla. „Daimler kapituliert vor Tesla“, hieß es in der Bilanz des Autoexperten. Dass die Stuttgarter nun auch den Fokus auf das autonome Fahren drosselt, sieht der Konzern allerdings nicht als „Eingeständnis des eigenen Scheiterns“ an, wie Business Insider berichtet. Stattdessen will Daimler nach eigenen Angaben in den Jahren 2021 bis 2025 70 Millionen Euro in Elektrifizierung und Digitalisierung investieren.

Die vollständige Elektrifizierung der Fahrzeugflotte der Daimler AG - inklusive der AMG-Sparte ist allerdings auch sehr kostspielig. Zudem entwickelt der Konzern auch die Software immer weiter, was ebenfalls ein Kostenfaktor darstellt. In der elektrischen Limousine EQS ist beispielsweise der größte Bildschirm verbaut, der je in ein Mercedes-Fahrzeug eingebaut wurde. Das ist laut Business Insider jedoch nicht der einzige Grund für die Sparmaßnahmen beim autonomen Fahren. Die Entwicklung der Technologie sei ebenfalls sehr kostspielig, rechne sich bislang allerdings nicht. Auch die Kundenreaktionen auf den „Drive Pilot“ sind noch nicht absehbar.

Daimler AG: Konzern will Zukunftstechnologie nicht vollständig aufgeben

Als die Daimler AG im vergangenen Jahr das neue Modell der S-Klasse vorstellte, wurde das autonome Fahren bei der Weltpremiere mehrfach betont. Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton demonstrierte bei der Premiere, wie die Limousine selbstständig zu einem im Vorfeld festgelegten Standort zurückkehren kann. Die S-Klasse und auch das elektrische Pendant EQS sollen ab Herbst mit der Level-3-Technologie selbstständig fahren können. Als „Level 3“ werden Autos bezeichnet, die zeitweise und in bestimmten Bereichen das Steuer übernehmen können. Der Einsatz dieser Technologie ist erst ab Herbst 2021 per Gesetz freigegeben, berichtet Business Insider.

Auch sonst will die Daimler AG die Zukunftstechnologie nicht vollständig aufgeben. Das autonome Fahren sei „eine Schlüsseltechnologie für den gesamten Daimler-Konzern, sowohl für den PKW, als auch für den Nutzfahrzeug-Bereich“, sagte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage von Business Insider. Mit der Drosselung der Investitionen für die Technologie könnten die Schwaben allerdings ihre Vorreiterrolle in diesem Bereich verlieren. Tesla investiert dagegen stark in den eigenen Autopiloten und plant auch sogenannte „Robotertaxis“.

Demnach könnte das Unternehmen von Elon Musk auch in diesem Bereich der Daimler AG davonfahren. Der Daimler-Sprecher sagte jedoch, dass das autonome Fahren auch bei den Schwaben in Zukunft Mittel aus dem Investitionstopf erhalten werde. Wie hoch diese Mittel ausfallen, sagte er nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare