Herstellung in China

Daimler unter Druck: Ingenieure veröffentlichen unangenehme Wahrheit über E-Autos

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG konzentriert sich voll auf E-Autos. Die Technologie ist jedoch hochumstritten. Eine Studie zeigt: Offenbar sind E-Batterien doch nicht klimaneutral.

Berlin/Stuttgart - Kaum ein Fahrzeughersteller zweifelt inzwischen noch daran, dass der E-Mobilität die Zukunft gehört - auch die Daimler AG nicht. Die Strategie von Daimler ist voll auf die Herstellung von reinen E-Autos ausgerichtet. Für die Daimler-Tochter Mercedes-Benz sind bereits mehrere Modelle geplant.

Ganz freiwillig hat der Fahrzeughersteller aus Stuttgart diesen Kurs jedoch nicht eingeschlagen. Die Bundesregierung fördert die E-Mobilität. Die EU plant gar, den Verbrenner schnell zu verbieten - ein Albtraum für die Daimler AG. Denn noch ist der Konzern weit davon entfernt, ausschließlich E-Autos zu produzieren.

Das zeigt sich auch bei einem Bestandteil von E-Autos, der immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen und Kritik ist. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat jetzt eine Studie veröffentlicht, die die schlechte CO2-Bilanz von Batterien entlarvt - unter anderem, weil viele Fahrzeughersteller die Batterien in China produzieren. Das gilt auch für Daimler.

CO2-Bilanz von E-Autos: Daimler lässt seine Batterien zu einem großen Teil in China fertigen

Auf den ersten Blick sind E-Autos deutlich klimaschonender als Verbrenner. Anstatt fossile Brennstoffe zu verbrennen und damit Treibhausgase auszustoßen, fahren E-Autos nur mit Strom. Allerdings beginnt schon da die Problematik: Kommt die Energie aus nicht erneuerbaren Energiequellen, ist auch das E-Auto nicht klimaneutral.

Dieses Problem besteht auch bei der Produktion von Batterien, wie sie Daimler für seine E-Autos benötigt. „Die CO2-Bilanz von Elektroautos ist keineswegs grundsätzlich besser als die CO2-Bilanz von Autos mit Verbrennungsmotor“, erklärte VDI-Präsident Volker Kefer das Studienergebnis dem Handelsblatt.

CO2-Bilanz: Bei der Produktion von Batterien für E-Autos werden Treibhausgase ausgestoßen - besonders in China (Symbolbild).

Denn die Batterien deutscher Fahrzeughersteller wie der Daimler AG kommen größtenteils aus Asien bzw. vor allem aus China. Erst Mitte des Jahres hatte Daimler eine Kooperation mit einem chinesischen Unternehmen angekündigt. Die Herstellung von Batterien erfordert aber enorme Energiemengen - die in China hauptsächlich von klimaschädlichen Kohlekraftwerken kommt. Laut der VDI-Studie fallen für ein Auto mit Dieselmotor derzeit 8,4 Tonnen CO2-Emissionen an, für ein E-Auto mit Batterie aus China sind es 16,8 Tonnen.

Für bessere CO2-Bilanz müsste Daimler Batterien für E-Autos in Deutschland produzieren

Die Produktion der Batterie „verhagelt die CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeuges“, so Volker Kefer zum Handelsblatt. „Autos mit modernen Verbrennungsmotoren tragen diese Last nicht, ihre Ökobilanz ist daher deutlich besser.“ Der VDI-Präsident sieht deshalb die Politik in der Verantwortung, die Herstellung von Batterien in Deutschland attraktiver zu machen.

Wie das Handelsblatt schreibt, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Bedeutung der Batteriefertigung inzwischen auch realisiert. Er treibt den Aufbau einer europäischen Fertigung voran und hat deutlich mehr als eine Milliarde Euro öffentlicher Gelder bereitgestellt.

Auch bei der Daimler AG wurde das Problem grundsätzlich erkannt. Ein Daimler-Betriebsrat forderte sogar die Batterie-Produktion in Stuttgart. Viel passiert ist bislang allerdings noch nicht. Die sächsische Daimler-Tochter Accumotive soll bald über 500.000 Lithium-Ionen Batteriesysteme pro Jahr herstellen können.

Daimler erklärte Konkurrent Tesla im Kampf ums E-Auto unlängst den Krieg. Dabei geht es dem Konzern zwar auch um Batterien, allerdings hauptsächlich um die Forschung und Optimierung.

Studie zur CO2-Bilanz von Batterien: Keine Absage an E-Autos, sondern Aufforderung zum Handeln

Angesichts der aktuellen CO2-Bilanz von Batterien, die wesentlich in China hergestellt werden, schlägt der VDI vor, mehrgleisig zu fahren. „Die einseitige Fokussierung der Politik auf Elektroautos ist unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes kontraproduktiv“, sagte Volker Kefer dem Handelsblatt. Ein „komplementäres Miteinander der Technologien“ stelle die einzige Chance dar, im Verkehrssektor die CO2-Ziele für 2030 zu erreichen.

Das Urteil des VDI über die CO2-Bilanz von Batterien klingt für Unterstützer der E-Mobilität zwar vernichtend. Die Ergebnisse sieht der Verein deshalb eher als Aufforderung. „Wir sind nicht gegen Elektroautos. Man darf sich jedoch nicht vor der Erkenntnis drücken, dass die Ökobilanz eines Elektroautos unter den aktuellen Produktionsbedingungen für die Batterie sehr schlecht ausfällt“, so VDI-Experte Ralf Marquard gegenüber dem Handelsblatt.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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