E-Auto-Strategie

Daimler bereitet Verbrenner-Aus für 2030 vor - aber das ist nur die halbe Wahrheit

Ein blauer Mercedes-Benz EQS fährt auf einer Straße.
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Mit dem EQS begann bei der Daimler AG eine neue Ära. Bis Ende des Jahrzehnts will der Konzern nur noch E-Autos bauen - zumindest in der EU.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG verkündete kürzlich, ab 2030 ausschließlich E-Autos bauen zu wollen. Dieses Vorhaben ist jedoch offenbar nicht für die Standorte weltweit gedacht.

Stuttgart - Der Druck auf die Daimler AG steigt weiter an. Die EU-Kommission fordert bereits seit langem ein frühzeitiges Verbrenner-Aus und auch die Grüne-Partei in Deutschland will eine CO2-neutrale Autoproduktion. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart leitet deshalb das endgültige Verbrenner-Aus früher ein als gedacht. Ursprünglich wollte Daimler-Chef Ola Källenius das Unternehmen mit dem Stern bis 2038 voll elektrisch ausrichten. Deshalb bereitete er den Konzern auf eine Extremsituation in Deutschland vor. Die neuen Modelle der elektrischen Baureihe EQ sollen demnach ein Jahr früher auf den Markt kommen.

Bei einer Pressekonferenz stellte die Daimler AG vor wenigen Tagen die stark beschleunigte E-Auto-Strategie des Konzerns vor. Demnach will der bekannte Autobauer ab 2025 nur noch neue Elektro-Architekturen bauen und bis Ende des Jahrzehnts ausschließlich E-Autos produzieren. Zudem sollen ebenfalls ab 2025 alle Modelle der Mercedes-Benz AG auch als elektrische Versionen verfügbar sein. Die endgültige Abkehr vom Verbrenner bei der Daimler AG ist jedoch nur die halbe Wahrheit, wie das Portal focus.de berichtet. Vollständig verschwinden sollen die Verbrenner-Modelle demnach nicht.

Daimler AG und die E-Auto-Strategie: Pläne gelten offenbar nicht für alle Standorte

Der Einstieg in die Welt der E-Autos gelang der Daimler AG verhältnismäßig spät. Der weltbekannte Konzern geht bis auf die Erfinder des Automobils Gottlieb Daimler und Carl Benz zurück. Demnach hat das Unternehmen eine lange Geschichte des Autobaus hinter sich, in der an den Standorten weltweit vor allem Benziner- und Dieselmodelle mit Verbrenner-Motor gebaut wurden. Im vergangenen Jahr führte Daimler mit den SUV EQC und EQA die ersten E-Autos ein. Diese basierten jedoch noch auf einer umgerüsteten Verbrenner-Architektur. Das erste wirklich vollelektrische Modell ist demnach das Flaggschiff EQS.

Mit der beschleunigten E-Auto-Strategie hat die Daimler AG große Pläne. In weniger als zehn Jahren sollen demnach unter dem Motto „Electric only“ nur noch E-Autos von den Bändern der Werke laufen. Laut focus.de gilt die Strategie der reinen E-Auto-Flotte jedoch offenbar nicht für alle Produktionsstätten des Autobauers. Demnach können Kunden auch nach 2030 noch Verbrenner-Modelle mit dem berühmten Mercedes-Stern kaufen, aber nicht mehr in der EU. Daimler veröffentlichte Pläne für das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. Das Werk soll einem Elektro-Campus weichen, die Verbrenner-Produktion wird dagegen ins Ausland verlagert.

Daimler AG: Großaktionär Geely plant Verbrenner-Produktion in China

Für die Daimler AG ist China seit langem der mit Abstand wichtigste Markt. Der Stuttgarter Konzern verlagerte bereits ganze Produktionsketten in das Reich der Mitte und CEO Ola Källenius will die umstrittene China-Strategie weiter ausbauen. Demnach ist die beschleunigte E-Auto-Strategie auf Europa ausgelegt, während die Verbrenner-Modelle weiterhin in China produziert werden. Auch der Großaktionär Geely hat Gerüchten zufolge große Pläne. Laut focus.de plant der chinesische Investor mit Daimler und Volvo ein Joint Venture für den Bau und die Entwicklung von neuen Fahrzeugen mit Verbrenner-Motor in China.

Der Einfluss des chinesischen Marktes auf die Daimler AG ist jedoch nicht ungefährlich. Durch die Verlagerung der Produktionsstätten von Deutschland und anderen europäischen Ländern nach China werden in Europa tausende Stellen abgebaut. Das Daimler-Bündnis in China wird demnach Tausende Mitarbeiter arbeitslos machen. Für die E-Auto-Strategie und die Produktion neuer elektrischer Modelle sucht der Autobauer dagegen aktiv Fachkräfte. Daimler sucht 3.000 neue Mitarbeiter mit besonderen Qualifikationen.

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