Sinneswandel beim Autobauer

Nach „fatalem Fehler“: Daimler ändert E-Auto-Strategie radikal

Ein EQC der Daimler AG mit geöffneter Motorhaube am Standort in Bremen.
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Die Daimler AG plant nun doch, in die Batteriezellenfertigung einzusteigen.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG will ihre Transformation zum E-Auto deutlich beschleunigen. Deshalb plant der Autobauer nun wohl auch eine eigene Batterieproduktion - das hatten die Stuttgarter zuvor abgelehnt.

Stuttgart - Die Daimler AG hat mit der vollelektrischen Limousine EQS ihr aktuell stärkstes E-Auto auf den Markt gebracht. Die einige Monate zuvor vorgestellten SUV EQC und EQA hatten dagegen starke Startprobleme. Nicht zuletzt durch den steigenden Druck der EU, die ein Verbrenner-Aus bis 2030 fordert, will der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart die Umstellung auf die Produktion von E-Autos deutlich beschleunigen. Daimler-Chef Ola Källenius bereitet den Konzern auf ein extremes Szenario in Deutschland vor. Die für 2024/2025 angesetzten neuen Modelle der Baureihe EQ sollen nun ein Jahr früher auf den Markt kommen.

Das ist jedoch nicht die einzige Änderung in der E-Auto-Strategie der Daimler AG. Während die Autobatterie den Verbrenner-Motor und auch die Lichtanlage und andere Elemente mit Energie versorgt, kommen bei den E-Autos Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Die Produktion der Batterien erfolgt bislang hauptsächlich in asiatischen Ländern und wird von dort unter anderem auch nach Deutschland importiert. Die Daimler AG setzte bislang ebenfalls ausschließlich auf Zulieferer, will jetzt jedoch selber in die Batterieproduktion einsteigen, wie Business Insider berichtet.

Daimler AG: Sinneswandel beim Autobauer - Stuttgarter wollen doch eigene Batteriezellen produzieren

Bislang war die Rollenaufteilung in der E-Auto-Strategie der Daimler AG klar vorgegeben. Das Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz baut die Fahrzeuge, IT-Firmen liefern die Software und Drittanbieter die benötigten Batteriezellen. Inzwischen hat sich jedoch einiges geändert. Der Autobauer baut in Sindelfingen einen Software-Campus, deshalb sucht Daimler 3.000 neue Mitarbeiter mit besonderen Qualifikationen. Bei den Batteriezellen wollten die Schwaben dagegen weiterhin auf Zulieferer setzen.

Die Entscheidung der Daimler AG, weiterhin auf Batterielieferungen aus China zu vertrauen, sei ein Fehler, sagte Sahin Albayrak, Professor an der TU Berlin vor wenigen Monaten gegenüber Business Insider. „Wie kann man das absolute Differenzierungsmerkmal seiner Fahrzeuge in fremde Hände geben?“

Beim Stuttgarter Autobauer hat sich nun jedoch ein Sinneswandel eingestellt. Aufgrund von „katastrophal“ schlechten Batterien aus China war zwischenzeitlich sogar die E-Auto-Strategie bedroht. Nicht zuletzt deshalb nimmt die Daimler AG die Batteriefertigung nun in die eigenen Hände. Konzern-Chef Ola Källenius will der Produktion mehr Gewicht verleihen.

Daimler AG: Noch viele Details offen - Konzern will im Laufe des Jahres genauer informieren

Ursprünglich plante die Daimler AG, bis zum Jahr 2039 komplett CO2-neutral zu produzieren und die gesamte Fahrzeugflotte elektrifiziert zu haben. Durch den steigenden Druck der EU und auch der Grünen im eigenen Land, die ebenfalls ein Verbrenner-Aus bis 2030 fordern, beschleunigte der Autokonzern dieses Vorhaben jedoch.

Demnach werden die neuen E-Autos deutlich früher produziert, dadurch steigt auch der Bedarf an Batteriezellen bei den Schwaben an. Daimler baute zwar bereits eine Fabrik, die den Makel von E-Autos ausmerzen soll. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Batteriefabrik, sondern ein Batterie-Recycling-Werk in Gaggenau (Kreis Rastatt).

Ob die Daimler AG beabsichtige, in Zukunft die Batteriezellenfertigung komplett in Eigenregie oder mit einem Partner zu produzieren, sei bislang noch ungeklärt, berichtet Business Insider. Angesichts der beschleunigten E-Auto-Strategie des Stuttgarter Konzerns müsse die Frage, wo und wann die Batterien hergestellt werden, bald geklärt sein. Daimler-Chef Ola Källenius will die beschleunigte Strategie noch vor der Sommerpause ankündigen, hieß es aus dem Unternehmen.

Ansonsten hält sich die Daimler AG mit Details zur Batteriefertigung und der E-Auto-Strategie allerdings noch bedeckt. „Spekulationen zu unserer Elektrifizierungs-Strategie werden wir nicht kommentieren“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von Business Insider. „Wir werden aber im weiteren Verlauf des Jahres umfassend über unsere Aktivitäten in diesem Segment informieren.“

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