Elektrische Luxuslimousine EQS

„Das habt ihr richtig versaut“: Daimler stellt „Tesla-Killer“ EQS vor - Design spaltet Fans

Die elektrische Mercedes-S-Klasse EQS fährt auf einer Straße.
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Der Druck auf die elektrische S-Klasse EQS der Daimler AG ist hoch.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG hat am 15. April die lang erwartete elektrische S-Klasse EQS enthüllt. Der Druck auf die E-Limousine ist hoch - ist sie wirklich der erhoffte „Tesla-Killer“?

Stuttgart - Die im vergangenen Jahr mit dem EQC gestartete E-Auto-Offensive der Daimler AG verlief bislang eher holprig. Der SUV EQC wurde sogar intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet und basierte auch wie der kleinere EQA auf einer Verbrenner-Plattform, die dementsprechend umgerüstet wurde. Am gestrigen Donnerstag, dem 15. April, präsentierte der schwäbische Traditionskonzern die E-Auto-Hoffnung EQS. Die vollelektrische Luxus-Limousine ist erstmals vollständig als E-Auto konzipiert und basiert auf der völlig neuen Architektur „EVA II“ (Electronic Vehicle Architecture) auf der auch nachfolgende Elektromodelle basieren sollen. Mit dem EQS versprach die Daimler AG im Vorfeld der Weltpremiere viel: Das E-Auto soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden.

Nun ist das elektrische Flaggschiff EQS der Daimler AG offiziell enthüllt. Mit der E-Limousine wollen die Stuttgarter auch dem vermeintlichen Marktführer Tesla den Kampf ansagen. Ein direkter Vergleich des Mercedes-EQS mit dem Tesla Model S ist allerdings nicht ohne Weiteres möglich, berichtet das Portal futurezone.at. Handelt es sich beim EQS von Mercedes-Benz nun um einen „Tesla-Killer“ und etabliert sich der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart endlich vollständig als E-Auto-Hersteller?

Daimler AG: Elektrische S-Klasse EQS - Start mir hohem Erwartungsdruck

Im vergangenen Jahr stellte die Daimler AG die Neuauflage ihres Flaggschiffs S-Klasse in einer Weltpremiere in der „Factory 56“ in Sindelfingen bei Stuttgart vor. Nicht mal ein Jahr später präsentierte der Autobauer nun die elektrische Version des Luxus-Modells. Der Erwartungsdruck an das E-Auto ist nach den geringen Verkaufszahlen der SUVs EQC und EQA nicht nur für den schwäbischen Konzern selbst, sondern auch für Daimler-Chef Ola Källenius persönlich hoch, wie das Manager Magazin berichtet. Mit dem EQS will Daimler in der „Elektromobilität vorn mitspielen“, sagte Källenius bereits im Oktober. Bis zum Jahr 2030 plant Mercedes, mindestens 50 Prozent elektrifizierte Autos zu verkaufen.

In Zukunft wird demnach auch Ola Källenius an dem Marktstart der elektrischen S-Klasse der Daimler AG gemessen werden, berichtet das Manager Magazin. Die Reaktionen nach der Weltpremiere des EQS fallen größtenteils positiv aus. Vor allem die Leistung der E-Limousine sorgt für Aufregung. Mit der größeren der beiden angebotenen Batterien soll der EQS eine Reichweite von 770 Kilometern pro Akkuladung haben. Die Stärke des E-Autos liegt im Grundmodell bei 330 PS, es soll zum Marktstart im August jedoch bereits auch eine Version mit 520 PS angeboten werden.

Daimler AG: EQS mit beeindruckender Leistung - bei einem Aspekt ist er jedoch nicht führend

Mit dem Start der vollelektrischen S-Klasse EQS kann die Daimler AG auch von der zumindest in Baden-Württemberg bereits gut ausgebauten Infrastruktur an Ladesäulen profitieren. Das Mercedes-E-Auto kann an den Ladesäulen bis zu 200 Kilowatt Strom ziehen. Laut den Angaben des Konzerns könne der EQS in 15 Minuten Strom für weitere 300 Kilometer laden. Damit spielt der Luxus-Stromer in dieser Disziplin jedoch nicht in der ersten Liga, berichtet das Manager Magazin. Der elektrische Taycan der Porsche AG und der Audi e-tron GT leisten 270 Kilowatt und auch das Model S von Tesla liegt mit einer Leistung von bis zu 250 Kilowatt höher als die elektrische S-Klasse von Mercedes.

Die Daimler AG bezeichnete den EQS bereits vor der Weltpremiere am 15. April als ein Auto, dass „die Welt noch nicht gesehen“ habe. Tatsächlich stellt das E-Auto mit einem cW-Wert von 0,20 einen neuen Weltrekord auf und ist damit das aerodynamischste Serienauto der Welt. Auch mit der Reichweite von 770 Kilometern übertriff der Mercedes-Stromer das Konkurrenzmodell von Tesla, obwohl die tatsächliche Reichweite im Straßenverkehr nicht mehr als 500 Kilometern betragen dürfte, wie das Manager Magazin schreibt. Die Werte des EQS der Daimler AG sprechen demnach für sich. Ein „Tesla-Killer“ ist die elektrische S-Klasse dennoch nicht, wie futurezone.at berichtet. Das hat einen besonderen Grund.

EQS der Daimler AG: Elektrische S-Klasse noch kein „Tesla-Killer“ - das sind die Gründe

Mit dem EQS auf Basis einer eigenen E-Auto-Architektur hat die Daimler AG den Schritt zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für Tesla und Co. absolviert. Ein direkter Vergleich mit dem Tesla Model S gestaltet sich jedoch schwierig. Ein genauer Preis für den Luxus-Stromer liegt zwar noch nicht vor, unter 100.000 Euro dürfte er jedoch nicht über die Ladentheke gehen. Im Tesla-Portfolio muss das Model S als direkter Konkurrent angesehen werden, das Modell kostet aktuell rund 87.000 Euro und ist damit günstiger als das Mercedes-E-Auto.

Mit dem stolzen Preis bedient die Daimler AG mit dem EQS genau wie auch mit dem Verbrenner-Modell der S-Klasse ganz klar das Luxussegment. Der US-Autobauer Tesla verkauft seine Fahrzeuge dagegen im Mittelklassensegment und spricht damit eine ganz andere Zielgruppe an, berichtet futurezone.at. Selbst wenn Mercedes Tesla mit dem EQS einen großen Teil des Elektro-Marktes abspenstig machen würde, würde der US-Konzern nicht besonders darunter leiden. Als elektrische Luxuslimousine muss der EQS der Daimler AG allerdings keine Konkurrenz fürchten und dürfte für die Stuttgarter den erwarteten Start in die E-Auto-Welt darstellen. Im nächsten Jahr soll auf Basis der EVA II-Architektur die elektrische E-Klasse EQE folgen, die als Mittelklassefahrzeug dem Tesla Model 3 dann endgültig den Rang streitig machen könnte.

Mercedes-EQS: Interieur überzeugt - das Außendesign spaltet die Autofans jedoch

Bereits einige Tage vor der Weltpremiere zeigte die Daimler AG exklusive Innenraumbilder des EQS. Mit dem gläsernen Armaturenbrett, MBUX und einer topmodernen Ausstattung überzeugt das Interieur der elektrischen Limousine auch die Kritiker. Von dem Außendesign sind jedoch nicht alle Autofans begeistert. Als der Stuttgarter Autobauer den EQS erstmals als Konzeptcar Vision EQS präsentierte, sprachen kritische Stimmen bereits von einem Tesla-Klon. Auch wenige Tage vor der Premiere hieß es, Daimlers Auto-Design sei gewagt und könne Stammkunden abschrecken.

Unter dem Video zur Weltpremiere des EQS auf Facebook gibt es kritische Stimmen, die das Design der elektrischen S-Klasse der Daimler AG bemängeln. „Das Design habt ihr richtig versaut“, schrieb ein Nutzer. „Sieht aus wie ein Zäpfchen“, kommentierte ein anderer. Für die Aerodynamik ist das Auto auch deutlich runder und abgeflachter als beispielsweise die Verbrenner-Version der S-Klasse. Das „One Bow-Design“, des EQS dürfe zwar einige Stern-Traditionalisten abschrecken, bietet für die Aerodynamik jedoch einige Vorteile, berichtet das Manager Magazin. Da eine S-Klasse als Luxusmodell eben auch als Statussymbol gilt, wünschen sich einige Mercedes-Fans neben der beeindruckenden Leistung und Reichweite eben auch eine entsprechende Optik.

Deswegen sind auf Facebook in Bezug auf die EQS der Daimler AG auch Kommentare wie „gar nicht mal so schön“ zu lesen. Es gibt jedoch auch mildere Kritik. „Na ja, die Front ist nicht so hässlich wie die aktuellen BMW aber offensichtlich der Aerodynamik geschuldet“, schrieb ein User. „Insgesamt zu futuristisch. Aber es könnte schlimmer sein.“ Insgesamt wird der Mercedes EQS wohl nach seiner Leistung und Reichweite bewertet werden, bei einer elektrischen Luxus-Limousine mit dem bekannten Stern achten die Autokäufer aber wohl besonders genau auf das Äußere.

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