„Verschwendung von Ressourcen“

„Ausgemachter Blödsinn“: Vorstand von Daimler macht Pläne zur E-Mobilität von Baden-Württemberg zunichte

Die Sonne geht hinter einem Mercedes-Stern auf dem Mercedes-Benz-Werk auf
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Die Daimler AG will sich nicht an den Plänen der Landesregierung beteiligen
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Auf die Pläne der Landesregierung zur E-Mobilität reagierte Daimler-Vorstand Martin Daum barsch. Von dem aufwendigen Projekt im Murgtal hält er nur wenig.

Stuttgart - Die Daimler AG setzt in den vergangenen Jahren verstärkt auf E-Mobilität. Der Autohersteller mit Hauptsitz in der Landeshauptstadt Stuttgart hatte deshalb sogar die Brennstoffzelle verworfen, obwohl der Konzern in der Entwicklung einst führend war. Bei den neuen Fernverkehrs-Lastwagen setzt das Unternehmen jedoch wieder auf die fast vergessene Alternative zum E-Auto.

Bei der Vorstellung der Doppelstrategie und der Präsentation des neuen Brennstoffzellen-Lastwagens von Daimler-Tochter Mercedes Benz am Mittwoch in Berlin ging es auch um die Teststrecke „eWayBW“ in Gaggenau (Kreis Rastatt). Für das Pilotprojekt fand Daimler-Vorstand Martin Daum markige Worte.

Daimler AG: Trucks-Chef macht Ansage - „Wir können das liefern, aber es macht keinen Sinn“

Die Präsentation des neuen GenH2 Trucks der Daimler AG wurde weltweit als Pressekonferenz übertragen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung stellte eine Frage an den anwesenden Vorstandschef von Daimler-Trucks. Die Frage des Politikers zielte darauf ab, warum in den neuen und miteinander verschmolzenen Batterie-Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw nicht auch Lkw-Oberleitungstechnologie beinhaltet sei. Martin Daum antwortete mit deutlichen Worten. „Oberleitungstechnologie ist ausgemachter Blödsinn und Verschwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen. Wir können das liefern, aber es macht keinen Sinn!“, sagte der Daimler-Trucks-Chef.

Bei der Teststrecke eWayBW handelt es sich aktuell ein Pilotprojekt, das in Gaggenau im Murgtal realisiert wird. Auf einer etwa 18 Kilometer langen Strecke werden drei Abschnitte mit einer Länge von insgesamt etwa vier Kilometern elektrifiziert, wie das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg angab. Lkws, die mit einer geeigneten Technik ausgestattet sind, können über die Oberleitungen Strom beziehen. Gleichzeitig werde eine Batterie aufgeladen, die dem Fahrzeug eine Weiterfahrt nach Beenden der Oberleitung ermögliche. Das würde auch dem elektrischen Truck der Daimler AG zugutekommen, dessen Reichweite deutlich geringer ist als bei dem Brennstoffzellen-Truck.

Daimler AG: FDP-Politiker fühlt sich durch Aussage von Daimler-Vorstand bestätigt

Aufgrund der Aussage des Vorstands der Daimler AG fühlt sich FDP-Politiker Jung bestätigt. „Die heutigen Technologie-Ankündigungen von Daimler als einem der wichtigsten Lkw-Produzenten überhaupt und die klaren Worte von Herrn Daum zeigen, dass wir die Lkw-Oberleitungsstrecke im Murgtal auf der B462 nicht benötigen“, heißt es auf seiner Facebook-Seite. „Wenn die FDP nach einer erfolgreichen Landtagswahl 2021 in die Landesregierung eintreten wird, werde ich mich persönlich dafür einsetzen, dass die Lkw-Oberleitungsteststrecke zeitnah abgebaut wird“.

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