Bereitschaft für Umstieg aufs E-Auto

Daimler laut Studie beim E-Auto „meilenweit entfernt von dort, wo man sein müsste“

Ein Mercedes EQT der Daimler AG fährt auf einer Straße.
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Die Daimler AG setzt ihren Fokus auf die E-Mobilität. Laut einer Studie sind die Schwaben jedoch noch „meilenweit“ von den CO2-Zielen entfernt.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG sattelt derzeit auf E-Autos um. Laut einer Studie sind der Stuttgarter Autobauer und auch andere deutsche Hersteller noch „meilenweit“ von dem CO2-Ziel entfernt.

Stuttgart - Winfried Kretschmann lenkt als grüner Ministerpräsident seit zehn Jahren die Geschicke der Politik in Baden-Württemberg. Mit der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock könnten die Grünen nach der Bundestagswahl auch das Ruder in ganz Deutschland übernehmen. Die Partei setzt stark auf Klimaziele und fordert von der Autoindustrie ein Verbrenner-Aus bis zum Jahr 2030. Das hat auch Folgen für die großen Hersteller wie die Daimler AG. Der Konzern stellte mit der vollelektrischen Luxuslimousine EQS vor wenigen Wochen seine E-Auto-Hoffnung vor und will in Zukunft stark auf E-Autos setzen. Ursprünglich plante die Daimler AG, bis zum Jahr 2039 komplett CO2-neutral zu produzieren.

Doch nicht nur die Grünen in Deutschland forcieren das frühe Verbrenner-Aus, auch die EU-Richtlinien in Bezug auf die CO2-Emissionen werden immer strenger. Daimler-CEO Ola Källenius will darauf vorbereitet sein. Der Daimler-Boss bereitet den Konzern auf ein extremes Szenario in Deutschland vor. Die Daimler AG will demnach die für 2024/2025 geplanten neuen EQ-Modelle ein Jahr früher auf den Markt bringen und die Elektrifizierung der Fahrzeugpalette insgesamt schneller vorantreiben. Laut einer Studie von Transport & Environment (T&E) sind der Autobauer und auch andere deutsche Hersteller noch weit vom Erreichen des Ziels entfernt.

Daimler AG hinkt beim „Umstieg aufs E-Auto bis 2030“ hinterher

Die Daimler AG stellte bislang mit den SUV EQC und EQA und der Limousine EQS mehrere E-Autos vor. Zudem startete Daimler eine Elektro-Revolution in einem Bereich, der bislang im Schatten stand. Im zweiten Halbjahr 2021 soll der eActros der Daimler Truck AG in die Serienproduktion gehen. Obwohl die Schwaben die E-Mobilität stark priorisieren und mit der „Factory 56“ in Sindelfingen bei Stuttgart eine moderne Fabrik für die Produktion von E-Autos errichtet haben, ist der elektrische Fuhrpark der Stuttgarter bislang noch übersichtlich. Laut der Analyse von T&E haben die Schwaben jedoch kein „belastbares Konzept, wie sie den Umstieg schaffen könnten“, heißt es.

Die Analyse von T&E ist eine Rangliste der zehn größten Automobilhersteller in Europa zum Umstieg auf die E-Mobilität bis 2030. Dabei schnitten die Daimler AG und auch BMW am schlechtesten ab. Grund dafür seien die geringen Absatzzahlen der E-Autos, die kurzen Reichweiten sowie der noch immer starke Fokus auf Hybrid-Modelle. Daimler enthüllte am 23. Februar die neue C-Klasse und setzte noch einmal auf den Hybrid-Antrieb. Zudem verbannte Daimler bei der neuen C-Klasse den Mercedes-Stern von der Motorhaube. Im Ranking der Autobauer würden Volkswagen und Volvo überzeugende Strategien vorlegen. Daimler und BMW „hinken wenig motiviert hinterher“, heißt es weiter.

Daimler AG und Co.: Laut Studie noch „meilenweit entfernt“ vom angestrebten CO2-Ziel

Die Daimler AG setzt derzeit stark auf das Erreichen der CO2-Ziele und den Ausbau der elektrischen Fahrzeugflotte. Deshalb sucht Daimler auch 3.000 neue Mitarbeiter, vorrangig Elektro-Ingenieure und Softwarespezialisten. Neben den Schwaben haben auch die anderen großen deutschen Autobauer engagierte Pläne für den Klimaschutz. „Autohersteller wollen verzweifelt mit ihrer Umweltverträglichkeit angeben“, sagte Julia Poliscanova, zuständig für Fahrzeuge und E-Mobilität bei T&E. „Aber in Wahrheit sind die meisten noch meilenweit entfernt von dort, wo sie sein müssten.“

Stef Cornelis, Direktor Deutschland bei T&E ist jedoch der Meinung, dass die Autobauer die Ziele durchaus erreichen könnten. „Die Autohersteller sind eindeutig in der Lage, ihre Produktion auf Elektrofahrzeuge umzustellen, aber es gibt derzeit keinen Anreiz, Gas zu geben.“ Laut der Analyse zeigen die Daten, dass die Produktion von E-Autos bis 2030 die der Verbrenner-Modelle übersteigt. „Die Produktion von Elektroautos wird viel schneller zunehmen, als wir heute denken, und wird die Rückgänge bei der Produktion von Verbrennern aufwiegen“, so Cornelis. Die Daimler AG könne bis zum Jahr 2030 ohne Probleme 50 Prozent der Fahrzeuge elektrisch betreiben, heißt es in dem Ergebnis der T&E-Studie.

Daimler AG: Konzern-Chef will Transformation beschleunigen

Es ist jedoch anzumerken, dass die Ergebnisse der Analyse von T&E in Bezug auf die Umstellung zur E-Mobilität in der deutschen Automobilindustrie am 15. Juni vorgestellt wurden. Daimler-Chef Ola Källenius kündigte wenige Tage später an, die Transformation deutlich beschleunigen zu wollen.

Bei der Daimler AG gibt es inzwischen sogar Pläne, selbst in die Batterieproduktion einzusteigen. Das hatten die Schwaben bislang abgelehnt und sich auf Zulieferer verlassen. Daimler-CEO Ola Källenius will die beschleunigte Elektro-Strategie des Stuttgarter Autokonzerns noch vor der Sommerpause öffentlich vorstellen, hieß es aus dem Unternehmen.

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