Doppelstrategie

Daimler AG macht eine „große Enthüllung“: Arbeit an fast vergessener Alternative zum E-Auto

Nahaufnahme zeigt das Vorderrad und das Fahrgestell des neuen elektrischen Daimler-Trucks
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Die Daimler AG will sich nicht nur auf E-Mobilität konzentrieren, sondern auch den Wasserstoff-Antrieb massentauglich machen
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Daimler entwickelt auch eine Alternative zum E-Auto - einst war der Konzern aus Stuttgart in diesem Bereich Vorreiter. 

Stuttgart - Die Gründer der Daimler AG mit Hauptsitz in der Landeshauptstadt Stuttgart gelten als Erfinder des Autos und waren einst Pioniere der Automobilbranche. Der Automobilkonzern war zudem Vorreiter in Sachen Brennstoffzelle und in diesem Bereich der Konkurrenz weit voraus. Daimler-Chef Ola Källenius vernachlässigte die Technologie jedoch und setzte vermehrt auf die E-Mobilität. Ein fataler Fehler, wie ein hochrangiger Toyota-Berater fürchtet. Laut ihm sei Daimler deshalb dabei, Selbstmord zu begehen.

Bei den neuen schweren Fernverkehrs-Lastwagen der Daimler AG setzt der Konzern jedoch auf eine Technologie, die einst so vielversprechend schien. Die E-Mobilität verliert der Fahrzeughersteller aus Stuttgart dabei jedoch nicht aus den Augen. „Zeit für die große Enthüllung“ - mit diesen Worten kündigte der Konzern die Neuheit bei Twitter an. Die LKW sollen mit einer Doppelstrategie aus Batterie und Brennstoffzelle betrieben werden.

Daimler AG: Autobauer aus Stuttgart nutzt bei neuen LKWs Batterie und Brennstoffzelle

Der Fokus der Daimler AG auf die E-Mobilität brachte dem Konzern erst kürzlich einen Rekord-Deal mit dem Handelsriesen Amazon ein. Im Rahmen der Kooperation bestellte Amazon 1.800 E-Transporter bei Mercedes-Benz. Bei langen Strecken sei die Batterie jedoch nur zweite Wahl, wie Daimler-Trucks-Vorstand Martin Daum am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt gab. Auf Strecken, die 1.000 Kilometern und länger sind, sollen die neuen Daimler-Trucks zukünftig mit flüssigem Wasserstoff fahren. Zeitgleich bringt Daimler auch einen komplett elektrisch betriebenen 40-Tonner auf den Markt, wie die dpa berichtet. Das Fahrzeug soll nur etwa die halbe Reichweite haben, dafür aber mehr Effizienz und Flexibilität bieten.

Martin Daum, der Chef von Daimler-Trucks, erklärte die Doppelstrategie der Daimler AG in Berlin wie folgt: „Je leichter die Ladung und je kürzer die Distanz, desto eher wird die Batterie zum Einsatz kommen“, sagte er nach Angaben der dpa bei der Präsentation des GenH2. Der Truck soll noch in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in Serie gehen. „Je schwerer die Ladung und je länger die Distanz, desto eher wird die Brennstoffzelle das Mittel der Wahl sein", so Daum weiter.

Ohne entsprechende Infrastruktur ist der Brennstoffzellen-LKW der Daimler AG uninteressant

Auf der Langstrecke gibt es aktuell keine wirkliche Alternative zum Diesel. Die Daimler AG legte erst kürzlich einen Streit in den USA wegen mutmaßlichen Abgasmanipulationen bei und zahlte eine Abfindung von umgerechnet 1,9 Milliarden Euro. Die E-Mobilität könnte dafür eine theoretische Lösung sein. Rein elektrische Lastwagen schaffen längere Strecken jedoch nur mit Zwischenstopps. „Wenn wir auf die Langstrecke gehen, müssen wir zusätzlich zu rein batterieelektrisch angetriebenen Lkw auch auf die Brennstoffzelle gehen“, sagte Daum der dpa.

Die Daimler AG sieht sich in diesem Bereich als Vorreiter, allerdings müssten andere nachziehen. „Der größte Nachteil ist die fehlende Infrastruktur“, erklärte Daum. Ohne geeignete Infrastruktur bestehe auch kein Interesse an einem Brennstoffzellen-LKW. „Es würde ihn heute keiner kaufen, selbst wenn wir ihn im Serienangebot hätten“, sagte der Daimler-Trucks-Chef.

Daimler AG: Konzern fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen

Laut Angaben der dpa nutze die Daimler AG die Präsentation am Mittwoch in Berlin auch für eine Forderung an die Politik. „Um CO2-neutrale vollelektrische Fahrzeuge wettbewerbsfähig zu machen, bedarf es regulatorischer und staatlicher Steuerungsmaßnahmen einschließlich der nötigen Infrastruktur für das Laden von Ökostrom sowie für die Erzeugung, Speicherung und den Transport von grünem, flüssigem Wasserstoff“, erklärte Daum. Daneben brauche es weitere Anreize, wie etwa eine CO2-basierte Maut, führte er gegenüber der dpa weiter aus.

Der batteriebetriebene eActros der Daimler AG kommt bereits nächstes Jahr in Serie auf den Markt. Der Bund investierte dagegen knapp 17 Millionen Euro an Fördermitteln in die Entwicklung des Brennstoffzellen-Lasters. „Wir brauchen eine schnelle Flottenwende“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Dazu müsse man jedoch nicht nur die Technologie an sich unterstützen, sondern eben auch auf die Infrastruktur und die Kaufpreise achten.

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