Kooperation wird zum Flop

Daimler: E-Auto entpuppt sich als Flop - Interne sprechen von „Desaster“

Der Denza X von vorne und mit „styles by Mercedes-Benz“-Logo
+
Der Denza X sollte der Daimler AG Erfolg in China bringen
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

China ist für die Daimler AG aktuell der mit Abstand wichtigste Markt. Die Luxusautos und SUVs verkaufen sich dort gut - ein eigens für den chinesischen Markt entwickelter E-SUV wurde jedoch zum Flop.

Stuttgart - Die Daimler AG verlagert Teile ihrer Produktion zunehmend ins Ausland und will die beliebten E-Smarts in Zukunft in China produzieren. Der Konzern setzt insgesamt seit einiger Zeit sehr stark auf die E-Mobilität und rüstet die Standorte weltweit entsprechend um. Neue Verbrennertechnologien sollen dagegen auch nur noch in China entwickelt werden, wo aktuell vor allem das Geschäft mit Luxusautos boomt. Für die deutschen Autobauer ist China seit Langem der mit Abstand wichtigste Markt.

Die Daimler AG hat im letzten Jahr den elektrischen SUV EQC auf den Markt gebracht. Das Fahrzeug wurde allerdings zum Flop und sogar konzernintern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet. Vor wenigen Tagen enthüllte der Stuttgarter Autobauer dann die E-Auto-Hoffnung in Form des EQA. Das Fahrzeug von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz ist ebenfalls ein SUV. Nach der Verkündung des Modells gab es in den sozialen Medien eine Menge Spott für das E-Auto. Daimler scheint aktuell mit den elektrischen SUV kein gutes Händchen zu haben, wie auch ein eigens für den chinesischen Markt entworfenes Modell zeigt. Laut dem Handelsblatt ist auch das neueste Modell der Marke Denza ein Flop und wird intern bereits als „Desaster“ bezeichnet.

Daimler AG: Erfolg in China - doch eine Kooperation wird zum „Desaster“

Die Daimler AG ist weltweit vor allem für die Modelle von Tochter Mercedes-Benz bekannt. Während der Mercedes-Stern als Symbol wahrscheinlich noch bekannter ist als der Autobauer selbst, haben wohl die wenigsten in Europa bislang von der Marke Denza gehört. Unter diesem Namen vertreibt die Daimler AG bereits seit dem Jahr 2014 Elektroautos in Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen BYD. Die Modelle sind jedoch ausschließlich für den chinesischen Markt vorgesehen. Der Autobauer aus der Schwaben-Hauptstadt veröffentlichte Ende 2019 das neue Modell Denza X, einen elektrischen SUV.

Die wohl erfolgreichste Kooperation der Daimler AG in China ist die mit dem Pekinger Staatskonzern BAIC. In Zusammenarbeit produzieren und verkaufen die Konzerne Luxuslimousinen und SUV. Zuletzt konnte der Absatz von Mercedes dadurch allein in China um das Fünffache gesteigert werden, berichtet das Handelsblatt. Die Kooperation mit dem Elektroautohersteller BYD ist dagegen alles andere als erfolgreich und wird in Konzernkreisen bereits als „Desaster“ bezeichnet. Von dem elektrischen SUV Denza X habe Daimler im vergangenen Jahr nur 4.175 Fahrzeuge ausgeliefert, wie das Statistikportal Carsalesbase angibt. Die Konzerne hatten zuvor mit der zehnfachen Menge gerechnet.

Daimler AG: Marke Denza hat viele Probleme - kaum bekannt und zu teuer

Der Denza X der Daimler AG in Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen BYD ist nicht das erste Fahrzeug der Marke. Bereits im Jahr 2014 kam in China der Denza 500 auf den Markt, wie das Handelsblatt berichtet. Davon wurden seit der Markteinführung allerdings nur 14.000 Fahrzeuge verkauft und das Modell offenbar im vergangenen Jahr endgültig eingestellt. Nun ruht die Hoffnung für den chinesischen Markt also auf dem Denza X, doch der hat gleich mehrere Probleme. Aufgrund der katastrophalen Verkaufszahlen von knapp über 4.000 Einheiten im vergangenen Jahr, stellt sich dem Gemeinschaftsunternehmen inzwischen bereits die Existenzfrage. Auch aus den eigenen Reihen werden Stimmen laut, wie auch 24auto.de* berichtet.

Es ergebe keinen Sinn, weiter Millionen mit einer strategisch irrelevanten Kooperation zu verbrennen, heißt es aus der Zentrale der Daimler AG in Stuttgart. Andere befürchten jedoch, es sei zu früh, das Projekt Denza einzustellen. Auch die beiden Automobilkonzerne stehen nach wie vor hinter dem E-SUV. „Grundsätzlich halte ich den Denza X für ein gut gemachtes Auto“, sagt auch Experte Jan Burgard von Berylls Strategy Advisors laut dem Handelsblatt. Das Modell weise beispielsweise eine Reichweite von 530 Kilometern auf und könne auch durch die Optik punkten. „Was mir fehlt, sind herausstechende Merkmale [...], denn der Denza X ist kein günstiges Fahrzeug“.

Tatsächlich kostet der E-SUV der Daimler AG umgerechnet mindestens 40.700 Euro. Die Plug-in-Hybrid-Version sei zu einem etwas günstigeren Preis zu haben, berichtet das Handelsblatt. Neben dem hohen Preis sei auch die Wahrnehmung ein Problem der Marke Denza. Obwohl die Fahrzeuge extra für den chinesischen Markt entwickelt werden, kenne sie auch in China fast niemand. Das liege unter anderem daran, dass die Autos bislang nicht in Showrooms von BYD, sondern von Mercedes ausgestellt werden. Die schlechten Verkaufszahlen, ausgerechnet auf dem wichtigsten Markt sind ein herber Schlag für Daimler und auch an kritischen Stimmen mangelt es derzeit nicht - die kommen auch aus den eigenen Kreisen. *24auto.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare