„Nachhaltige Mobilität hat ihren Preis“

Daimler AG warnt vor Preisexplosion bei Autos und Aussterben des Kleinwagens

Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation einer Geschäftsstelle des ADAC in der Region Hannover.
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Durch die hohen Kosten droht ein Aussterben der Kleinwagen - auch der E-Smart von Daimler ist betroffen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG setzt immer stärker auf das E-Auto. Doch laut Entwicklungschef Markus Schäfer wird der Wandel die Branche dramatisch verändern - auch auf Kosten der Kunden.

Stuttgart - Bei der Daimler AG stehen die Zeichen auf Veränderung. Der Konzern aus Stuttgart baut die Produktion an vielen Standorten auf die E-Mobilität um und verlagert die Herstellung von Komponenten ins Ausland. Der Automobilpionier kündigte vor wenigen Wochen an, die Produktion von Verbrennern im Daimler-Werk Berlin nach 118 Jahren einzustellen.

Auch im Stammwerk Untertürkheim sollen zukünftig E-Autos produziert werden. Während in Deutschland Tausende Mitarbeiter um ihre Jobs fürchten müssen, expandiert die Daimler AG weiter in China und gibt die Entwicklung neuer Technologien in fremde Hände.

Durch die Umstrukturierung sind jedoch nicht nur deutsche Standorte der Daimler AG betroffen. Der Konzern verkaufte bereits das Smart-Werk im französischen Hambach an einen britischen Milliardär und verlegte die Produktion nach China. Der Wandel zum E-Auto verschlingt Milliarden. Der Entwicklungschef der Daimler AG, Markus Schäfer, sagte nun vorher, dass der Preis für die Tech-Revolution in Zukunft noch viel höher ausfallen wird - für die gesamte Branche und auch für die Kunden. Grund dafür seien die hohen Kosten bei der Produktion von E-Autos, sagte Schäfer in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz).

Daimler AG: Fokus aus E-Autos - Fahrzeuge werden teurer

Die Daimler AG stellte bereits ihre Pläne für das kommende Jahr vor. Demnach werde der Autobauer ab 2021 drei völlig neue E-Auto-Modelle der Marke EQ produzieren. Die Verbrennertechnologie wird dagegen immer weiter eingestellt. Bis zum Jahr 2030 werde der Konzern sogar 70 Prozent aller Motorenvarianten aus dem Sortiment streichen, sagte Markus Schäfer der Faz. „Wir elektrifizieren die Verbrenner im gesamten Portfolio. Insgesamt fahren wir die Investitionen in diesem Bereich jedoch deutlich zurück und setzen hier künftig viel weniger Entwickler ein.“

Auch die kommende Euro 7-Norm hat großen Einfluss auf die Produktion der Daimler AG. Die neue Regelung droht derart scharf zu werden, dass der Konzern zu drastischen Schritten greifen muss. „Den Plänen zufolge sollen Autos die kaum noch messbaren Emissionswerte unter allen Bedingungen im Alltag einhalten, also auch bergauf mit Anhänger einen Pass hoch“, sagte der Entwicklungschef der Daimler AG im Gespräch mit der Faz. „Das überschreitet Grenzen der Physik.“

Die Konsequenz sei, dass Kleinwagen aller Hersteller wegen zu hohen Kosten möglicherweise verschwinden und Autos grundsätzlich teurer werden, sagte der Daimler-Entwicklungschef. „Ja, nachhaltige Mobilität hat ihren Preis.“

Daimler AG: Entwicklung der Batterietechnologie wird langsam voranschreiten

Im Gespräch mit der Faz warnte der Entwicklungschef der Daimler AG auch davor, in der Batterietechnologie eine schnelle Entwicklung zu erwarten. Laut ihm werde ein Akku noch viele Jahre deutlich teurer sein als die konventionellen Antriebe. Der Konzern setzt demnach auf eine längere Überbrückungszeit, in der vor allem die Plug-in-Hybriden und die elektrifizierten Verbrennungsmotoren eine tragende Rolle spielen werden, so Markus Schäfer gegenüber der Faz. Derzeit seien die reinen E-Autos noch sehr teuer, was sich auch auf das Kundenverhalten auswirke. Der Aufschwung der Elektromobilität werde weltweit aktuell nur durch Subventionen erreicht.

Im Zuge der Umstrukturierung auf die E-Mobilität steht die Daimler AG noch vor einigen Hürden. Die derzeit noch sehr schweren Batterien lasten derart auf Reifen, Fahrwerk und Karosserie, dass sogar ein Fahrverbot für E-Autos drohen könnte. Das gilt auch für die Kleinwagensparte Smart, die inzwischen zusammen mit dem chinesischen Investor Geely in Peking gebaut wird.

In China boomt derzeit vor allem das Geschäft mit Luxusautos, die Marke Smart soll neu erfunden werden. Bereits Ende 2022 soll bei dem deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen der Neustart beginnen. Jedoch nicht mit einem klassischen kleinen Zweitürer. „Unser erstes Auto wird ein kompaktes SUV“, kündigte der zuständige Daimler-Manager Daniel Lescow laut der faz an.

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