Zukunftsvision auf der IAA

Daimler testet Steuerung von Autos mit Gehirnströmen - und bringt Teslas Macht ins Wanken

Ein Frau mit dem Stirnband für das BCI (Brain Computer Interface) in einem Vision AVTR der Daimler AG.
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Auf der Automesse IAA stellte die Daimler AG die Technologie BCI vor. Damit sollen Autos per Gehirnstrom gesteuert werden.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG hat mit dem „Drive Pilot“ den fortschrittlichsten Autopiloten der Welt entwickelt. Eine Technologie-Studie geht jedoch noch einen ganzen Schritt weiter.

Stuttgart - Während vor 135 Jahren viele Menschen wohl nicht daran glaubten, dass ein Gefährt ganz ohne Pferde oder andere Zugtiere bewegt werden kann, ist heute sogar ein selbstfahrendes Auto keine Zukunftsmusik mehr. Die Daimler AG forscht bereits seit langem am autonomen Fahren und könnte Tesla bei einer wichtigen Zukunftstechnologie überlegen sein. Bereits bei der Weltpremiere der neuen S-Klasse im vergangenen Jahr präsentierte die Daimler AG den Fortschritt des Autopiloten. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton demonstrierte, wie die Luxuslimousine selbstständig zu einem im Vorfeld festgelegten Punkt zurückkehren kann.

Seitdem hat sich bei der Entwicklung des Mercedes „Drive Pilot“ viel getan. Daimler will autonome Autos beispielsweise mithilfe von Satelliten steuern. Auf der IAA in München zeigte der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart jedoch eine Technologie-Studie, die noch einen ganzen Schritt weiter geht.

Daimler AG: Technologie-Studie zeigt Zukunftsvision - Auto mit Gedanken steuern

Die Automesse IAA in München steht ganz im Zeichen von E-Autos und erneuerbaren Energien bei der Mobilität. Die Daimler AG stellte bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Messe die elektrische Business-Limousine EQE vor. Das neue E-Auto ließ Fans völlig ausflippen, es „kann die Welt revolutionieren“, schrieb ein User auf Facebook. Die Technologie-Studie zeigt dagegen keine Neuheit im Rahmen der E-Mobilität, sondern eine Zukunftsvision für die Zeit, wenn sich E-Autos vollständig durchgesetzt haben. Ein Video des Portals n-tv.de zeigt, wie ein Fahrer ein Mercedes-Auto mit Gehirnströmen lenkt.

Ein Auto der Daimler AG mit der Kraft der eigenen Gedanken lenken, klingt zwar wie eine Vision der fernen Zukunft. Inzwischen können jedoch bereits Computer und auch Drohnen mit der Gedankenkraft gesteuert werden. Das Hightech-Gerät zur Steuerung eines Mercedes-Fahrzeugs durch Gehirnströmungen, das die Daimler AG auf der IAA präsentierte, sieht dagegen fast schon altmodisch aus. Ein Band, das wie ein Stirnband aussieht, misst die Hirnströme des Fahrers. „So kann er nur mithilfe seiner Gedanken mit dem Auto kommunizieren und es kontrollieren“, heißt es im Video von n-tv.de.

Daimler AG-Technikstudie: Gedankenauslese „auf keinen Fall möglich“

Das autonome Fahren hat bei der Daimler AG bereits eine vergleichsweise lange Entwicklung hinter sich. Die ersten Erforschungen wurden noch in einem speziell präparierten Parkhaus am Flughafen Stuttgart durchgeführt. Dort waren unzählige Sensoren angebracht, mit denen das Auto interagieren konnte. Nun bringt Daimler jedoch eine Technologie auf den Markt, die den Fahrer vollkommen ersetzt - zumindest teilweise. Damit haben die Stuttgarter den fortschrittlichsten Autopiloten der Welt auf dem Markt, die Technik sieht man dem Fahrzeug noch nicht mal an. Im Gegensatz zu den Testfahrten im Silicon Valley braucht die Technik keine speziellen Kameras, die auf dem Dach montiert sind, schreiben die Stuttgarter Nachrichten.

Autonom fahrende Autos sind demnach keine Vision mehr, sondern schon bald Realität auf den deutschen Straßen. Die Steuerung per Gehirnstrom könnte jedoch einige Kunden abschrecken. Dass die Technik durch das Band die Gedanken auslesen könne, müsse jedoch nicht befürchtet werden, sagte Maxine Benz von der Konzernforschung der Daimler AG gegenüber n-tv.de. „Was auf keinen Fall möglich ist, ist es die Gedanken auszulesen“, so Benz. „Dafür ist das Gehirn einfach noch zu wenig verstanden.“ Die Technik der Zukunft heißt bei Daimler BSI (Brain Computer Interface) und soll beispielsweise auch Menschen eine Fahrt mit dem Auto ermöglichen, die aufgrund einer Behinderung normalerweise nicht Auto fahren können.

Daimler AG vs. Tesla: Ist die Technologie BSI eine Attacke auf das Neuralink-Projekt?

Im Feld der E-Autos muss sich die Daimler AG seit jeher mit dem vermeintlichen Marktführer Tesla messen lassen. Deren Chef Elon Musk stellte erst vor wenigen Tagen in San Francisco ein neues Start-up namens „Neuralink“ vor, berichtete das Handelsblatt. Während Daimler mit dem BSI „Neuronen bewusst feuern“ lässt und „diese Impulse im Gehirn misst“, wie Maxine Benz auf der IAA sagte, soll bei Tesla gleich ein Chip ins Gehirn eingesetzt werden. Dieser Chip soll zunächst Schmerzen besiegen und später auch Gedankenübertragung möglich machen. Elon Musk hat mit dem Neuralink ambitionierte Pläne. Ob der Chip auch für die Steuerung der Tesla-Modelle zum Einsatz kommen soll, ist allerdings noch nicht bestätigt.

Demnach könnte die Daimler AG dem Tech-Pionier zuvor kommen und mit dem BSI bereits früher Fahrzeuge mithilfe von Gedanken steuern. Dabei muss im Gegensatz zum Projekt von Musk noch nicht mal eine Operation vorgenommen werden. „Der große Vorteil ist, dass BSI ohne jegliche Muskelbewegung funktioniert“, erklärt Maxime Benz gegenüber n-tv.de. „Man kann das Auto also von jeder beliebigen Sitzposition aus steuern.“ Marktreif soll die Technologie-Studie der Daimler AG in 15 bis 20 Jahren sein.

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