Umsatz in der Corona-Krise

„Trügerisch“: Daimlers überraschende Erfolgszahlen bedeuten für Beschäftigte in Deutschland nichts Gutes

  • Valentin Betz
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Daimler hat sich im dritten Quartal etwas von den Folgen der Corona-Pandemie erholt. Experten warnen allerdings vor einer zu ausgelassenen Stimmung deswegen.

Stuttgart - Das erste Halbjahr 2020 verlief für die Daimler AG desaströs. Der Konzern aus Stuttgart schrieb vor allem wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg tiefrote Zahlen. Schon seit geraumer Zeit ist der Fahrzeughersteller deshalb zu einem strikten Sparkurs gezwungen, auch ein Stellenabbau stand im Raum.

Inzwischen scheinen die Maßnahmen von Daimler Wirkung gezeigt zu haben, wie sich an den unlängst veröffentlichen Zahlen des dritten Quartals ablesen lässt. Doch dass sich Daimler für den Milliarden-Gewinn feierte, sorgte für Empörung. Besonders von der Partei Die Linke hagelte es dafür Kritik. Allerdings betrachten auch andere die Zahlen des dritten Quartals von Daimler bei weitem nicht so beruhigend.

Daimler AG verdient im dritten Quartal Milliarden, bleibt aber unter Vorjahresumsatz

Insgesamt machte die Daimler AG im dritten Quartal einen Umsatz von 40,3 Milliarden Euro. Damit liegt der Fahrzeughersteller sieben Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals. Der Konzern teilte aber mit, dass man am Ende zwar bei Absatz und Umsatz unter dem Niveau des Vorjahres landen werde, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen aber in der gleichen Größenordnung ausfallen werde.

Die Daimler AG ist nach dem dritten Quartal zuversichtlich, doch der Schein trügt (Symbolbild).

Die Rettung für Daimler stellte dabei die wider Erwarten schnelle Markterholung dar, kombiniert mit den Maßnahmen für mehr Effizienz und Kostendisziplin. Auch die Aktionäre können sich dementsprechend freuen, auf sie entfällt ein Gewinn von 2,05 Milliarden Euro - 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern beläuft sich laut Daimler auf 3,1 Milliarden Euro.

Bis zur Veröffentlichung der Zahlen aus dem dritten Quartal war Daimler davon ausgegangen, aufgrund der massiven Folgen der Corona-Pandemie überall unter dem 2019er-Wert zu bleiben. Doch der Markt erholte sich schnell - besonders in China. Entsprechend fürchten Mitarbeiter, dass sich Daimler von Deutschland abwenden könnte.

Laut Welt machen aber gerade die Verkaufszahlen in China die Zahlen des dritten Quartals so trügerisch. Denn die Lage in Deutschland ist nach wie vor kritisch. Außerdem besteht die deutsche Autoindustrie eben nicht nur aus der Daimler AG. Zahlreiche Zulieferer und damit Zehntausende Jobs hängen daran. Nach Ansicht der Welt hat Deutschlands Schlüsselindustrie die Corona-Krise noch lange nicht überstanden.

Noch immer lägen die Verkaufszahlen in Westeuropa deutlich unter denen des Vorjahres. Für das Gesamtjahr werde trotz der Erholung in den vergangenen Wochen ein Absatzminus von weltweit fast 20 Prozent erwartet, so die Welt.

Die Daimler AG atmet auf - die gesamte Autoindustrie befindet sich aber noch mitten in der Corona-Krise

Die Welt geht zielt mit ihrer Analyse dabei auf eine Industrie ab, die bereits jetzt massiv unter der Corona-Pandemie leidet. Denn am Zustand von Daimler hängt auch das Schicksal zahlreicher deutscher Zulieferer. Die Zulieferer warfen Daimler, BMW & Co. bereits vor, für ein Massensterben und Jobvernichtung zu sorgen.

Daran ändert laut Welt auch ein Absatzplus der Daimler AG in China nichts. Denn Autos, die in China verkauft werden, werden in der Regel auch dort gebaut - einschließlich der Einzelteile, die dafür nötig sind. Deutsche Zulieferer verdienen also an Autos der Daimler AG für den chinesischen Markt eher wenig.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Uli Deck/dpa

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