Vorschlag der IG Metall

Daimler AG lehnt Vier-Tage-Woche ab - Mitarbeitern könnte jetzt viel Schlimmeres drohen

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG wurde hart von der Corona-Krise getroffen. Die IG Metall kommt dem Konzern deshalb mit der Forderung einer Vier-Tage-Woche entgegen. Doch der Daimler-Personalchef hält davon wenig.

  • Die IG Metall hat der Daimler AG eine Vier-Tage-Woche im Kampf gegen die Corona-Krise vorgeschlagen.
  • Die Reduzierung soll die Arbeitsplätze und das Einkommen der Beschäftigten sichern.
  • Der Personalvorstand von Daimler hält den Vorschlag der IG Metall für nicht umsetzbar.

Stuttgart - Bereits bevor das Coronavirus in Baden-Württemberg die Daimler AG schwer traf, hatte der Konzern mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Fahrzeughersteller befindet sich mitten in einem gigantischen Umstrukturierungsprozess und will in Zukunft verstärkt auf Elektromobilität setzen. Zuletzt hatte Daimler sein Smart-Werk in Hambach verkauft und verzweifelte Mitarbeiter zurückgelassen. Denn der Smart wird künftig von Großaktionär Geely in China gebaut. Die Arbeitnehmer wissen nicht, ob und wie viele Anteile von einem möglichen Käufer übernommen werden.

Der Verkauf von Werken ist allerdings nicht die einzige Daimler-Sparmaßnahme wegen des Coronavirus. Das zweite Quartal hatte es in sich für den Fahrzeughersteller aus Stuttgart. Daimler hat Milliarden-Verluste gemacht und prüfte deshalb Massen-Entlassungen. Der Abbau von mindestens 20.000 Stellen stand zur Debatte. Selbst der Betriebsrat kam dem Vorstand um CEO Ola Källenius entgegen und ging Kompromisse ein. Schließlich kürzte Daimler die Arbeitszeit von 70.000 Mitarbeitern um zwei Stunden - ohne Lohnausgleich.

Um die Folgen der Corona-Krise für die Beschäftigten abzufedern und um ihre Arbeitsplätze und ihre Einkommen zu sichern denkt auch die Gewerkschaft IG Metall über neue Modelle zur Reduzierung von Arbeitszeiten nach. Der Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, hat deshalb die 4-Tage-Woche für Unternehmen ins Gespräch gebracht. Bei der Daimler AG löst diese Idee allerdings nur wenig Begeisterung aus.

Daimler könnte mit Vier-Tage-Woche auch den Strukturwandel meistern

Der IG Metall geht es mit ihrem Vorschlag nicht nur darum, die durch das Coronavirus in Baden-Württemberg entstandene Krise zu bewältigen. Die Gewerkschaft möchte mit der Vier-Tage-Woche auch auf den Strukturwandel reagieren, der durch die Themen Digitalisierung, Energiewende und Klimawandel vorangetrieben wird - alles Themen, die auch die Daimler AG beschäftigen.

Die IG Metall schlägt die Vier-Tage-Woche im Kampf gegen die Corona-Krise vor. Daimler ist davon absolut nicht begeistert.

„Die Kurzarbeit ist dazu da, den Konjunktureinbruch abzufedern. Die 4-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie“, erklärte IG Metall-Vorsitzender Jörg Hofmann in der Süddeutschen Zeitung. „Künftig sollte allen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie dieser Weg offenstehen. Mit einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten und mit Anreizen, diese freie Zeit für berufliche Fortbildung zu nutzen.“

Daimler gegen Vorschlag der IG Metall: Personalchef will keine Vier-Tage-Woche

Obwohl die IG Metall damit eigentlich Unternehmen wie der Daimler AG entgegenkommt - die Gewerkschaft könnte wegen der Sparmaßnahmen auch deutlich stärker auf die Barrikaden gehen - hält der Personalvorstand des Fahrzeugherstellers wenig davon. „Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich, wie von der IG Metall gefordert, ist angesichts der Situation in der Automobilindustrie weder zielführend, noch wirtschaftlich darstellbar“, so Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth laut dpa.

Daimler AG: Mitarbeiter müssen weiter um ihre Jobs bangen

„Es geht jetzt darum, die Kostensituation, die Transformation und die Nachfrage für unser Unternehmen nachhaltig abzusichern und trotzdem die Chancen erfolgreich zu nutzen, die uns steigende Absatzzahlen in Zukunft wieder bieten werden“, erklärt Wilfried Porth weiter. Konkrete Vorschläge, wie diese Herausforderungen gemeistert werden sollen, liefert Wilfried Porth allerdings nicht. Stattdessen könnten nach wie vor Kündigungen das Mittel der Wahl für die Daimler AG sein, sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht rasch genug verbessern.

Erst kürzlich hatte der Betriebsratschef der Daimler AG gewarnt, dass es doch noch zu Entlassungen kommen kann. Die Sparmaßnahmen durch die gekürzte Arbeitszeit und wegfallende Boni reichen seiner Meinung nach nicht annähernd aus, um die Verluste zu kompensieren.  „Das trägt für ein Jahr zur Entspannung bei, kann aber nicht die ganzen anstehenden Themen lösen“, sagte Daimler-Betriebsratchef Michael Brecht.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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