Starker Euro

„Schock“: Daimler droht laut Experten neuer Tiefschlag, der „wenig Hoffnung“ übrig lässt

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG hat derzeit viele Probleme: Coronavirus, E-Mobilität, Dieselaffäre. Doch kaum kann der Konzern durchatmen, wartet schon die nächste Herausforderung: Währungsbelastungen.

  • Die Daimler AG könnte durch Währungsbelastungen Probleme bekommen.
  • Der Fahrzeughersteller ist stark abhängig vom Export in die USA oder nach China, doch der Dollar schwächelt.
  • Dadurch könnten für Daimler Fehlbeträge von bis zu 500 Millionen Euro entstehen.

Stuttgart - Die Daimler AG hat es in letzter Zeit wirklich nicht leicht. Das Coronavirus in Baden-Württemberg setzt dem Konzern aus Stuttgart zu. Um die Corona-Krise zu bewältigen, hatte die Gewerkschaft IG Metall Unternehmen wie Daimler zuletzt eine Reduzierung der Arbeitszeit vorgeschlagen. Doch Daimler lehnt die Vier-Tage-Woche ab, dadurch könnten den Mitarbeitern Entlassungen drohen. Zumindest in der Dieselaffäre konnte die Daimler AG zuletzt einen Teil-Erfolg verbuchen. Daimler muss Milliarden für alte Sünden zahlen, kann damit aber wohl weitere Verfahren abwenden.

Jetzt droht der Daimler AG durch Währungsbelastungen allerdings erneut Ärger. Denn während der momentan starke Euro eigentlich eine positive Entwicklung ist, kann er für viele Unternehmen zum Problem werden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Konzerne wie Daimler stark vom Export ihrer Waren abhängig sind.

Daimler AG drohen durch starken Euro Fehlbeträge von bis zu 500 Millionen

Wie der Aktionär berichtet, war der Euro vergangene Woche fast 1,20 Dollar wert. Über der Grenze von 1,20 bewegte sich die Währung zuletzt 2018. Das Problem dabei ist, dass die deutsche Autoindustrie - die Daimler AG eingeschlossen - sehr abhängig vom Export ist. Daimler verschifft zusammen mit Volkswagen und BMW jährlich mehr als 650.000 Pkws alleine nach Amerika - neben China deren größter Absatzmarkt nach Europa. Allerdings werden die Produktionskosten in Euro eingetragen, der Umsatz hingegen in Dollar.

Der Daimler AG droht durch Währungsbelastungen neuer Ärger.

„2021 dürften wir erkennbare Währungsbelastungen bei den deutschen Autoherstellern sehen. Wir reden hier von möglichen Fehlbeträgen von 200 bis 500 Millionen Euro bei VolkswagenDaimler oder BMW“, erklärte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler gegenüber dem Handelsblatt. Angesichts dieser Prognose sieht auch Volker Treier, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) schwere Zeiten auf Konzerne wie Daimler zukommen. „Im Moment haben wir wenig Hoffnung für einen kraftvollen Aufschwung durch das internationale Geschäft deutscher Firmen“, so Volker Treier zum Handelsblatt.

Daimler durch Währungsbelastungen bedroht - Produktion vor Ort könnte Lage entspannen

Wie sehr die Daimler AG auch vom US-Absatz abhängig ist, zeigt der Importanteil. Der Importanteil am US-Absatz lag im ersten Halbjahr 2020 bei 68 Prozent. Entsprechend gefährlich sind Währungsbelastungen für den Konzern. Allerdings konnte Daimler sein Risiko in den vergangenen Jahren reduzieren, weil der Konzern auch im Süden der USA produziert.

Dennoch warnt auch das Institute of International Finance (IIF) vor den Folgen einer weiteren Aufwertung des Euros. „Eine größere Aufwertung des Euros wirkt wie ein deflationärer Schock, der die Preise noch weiter abrutschen lässt“, erklärte Robin Brooks, Chefvolkswirt des IIF gegenüber dem Handelsblatt. Robin Brooks wünscht sich deshalb, dass die Europäische Zentralbank den Euro-Kurs über bessere Kommunikation und Anleihenkäufe steuert.

Rubriklistenbild: © dpa/Marijan Murat

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