Trotz Halbleiterkrise

Daimler macht überraschend hohen Gewinn und baut trotzdem weiter Stellen ab

Ein Mitarbeiter der Daimler AG hat in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
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Die Daimler AG machte trotz Chipkrise überraschenden Gewinn im zweiten Quartal 2021. Der Sparplan wird jedoch fortgesetzt.
  • Julian Baumann
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Obwohl es bei Bauteil-Lieferungen Probleme gibt, fuhr die Daimler AG im zweiten Quartal ansehnliche Gewinne ein. Der Sparkurs wird dennoch fortgesetzt, Jobs fallen weg.

Stuttgart - In den vergangenen Monaten machte die Chipkrise der Autoindustrie schwer zu schaffen. Die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart war und ist ebenfalls von dem Lieferengpass bei den wichtigen Halbleiterkomponenten betroffen. Daimler stoppte die Produktion der meistverkauften Modellreihe und schickte Tausende Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Vor ein paar Monaten waren vor allem die Daimler-Standorte Bremen und Rastatt von Stillstand und Kurzarbeit betroffen. Aktuell steht jedoch auch die Daimler Hightech-Fabrik in Sindelfingen nur zehn Monate nach der Eröffnung wieder still. In der „Factory 56“ werden unter anderem die Luxusmodelle S-Klasse und das elektrische Pendant EQS gefertigt.

Die Halbleiterkrise führte bei der Daimler AG nicht nur zur Kurzarbeit, sondern auch dazu, dass viele Modelle über längere Zeit nicht fertiggestellt werden konnten. Bei den fehlenden elektrischen Halbleitern handelt es sich um Komponenten, die in nahezu jedes Fahrzeug von Mercedes-Benz verbaut werden. Trotz des zeitweisen Produktionsstillstands in mehreren Werken machte die Daimler AG im zweiten Quartal 2021 einen überraschend hohen Gewinn, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) berichtet. Der Stuttgarter Konzern will die Sparmaßnahmen auch in Bezug auf die Transformation zur E-Mobilität jedoch fortsetzen und baut weiter massiv Arbeitsplätze ab.

Daimler AG: Konzern nahm im zweiten Quartal trotz Chipkrise fast 5,2 Milliarden Euro ein

Aufgrund des anhaltenden Lieferengpasses bei den Halbleiterkomponenten setzte die Daimler AG bereits vor Monaten auf eine Strategie, um einen starken Umsatzverlust abzufedern. Während die Produktion der E-Klasse aufgrund des Mangels zeitweise stillstand, verbaute der Hersteller die verfügbaren Komponenten bevorzugt in die hochpreisigen Luxuslimousinen S-Klasse und EQS. Dank steigender Verkäufe der Luxusautos und höherer Preise habe Daimler im zweiten Quartal die Erwartung der Analysten deutlich übertroffen. Vor Abzug von Steuern und Zinsen habe der Stuttgarter Konzern fast 5,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht, hieß es am Donnerstag aus dem Unternehmen, wie die faz berichtet.

Im vergangenen Jahr hatte auch die Daimler AG stark unter der Corona-Krise zu leiden. Dazu kamen Altlasten und die andauernde Diesel-Affäre, weswegen der weltbekannte Konzern ein Umsatzminus von 1,7 Milliarden Euro zu verbuchen hatte. Die Autoanalysten gingen auch aufgrund der Chipkrise und des zeitweisen Produktionsstillstands von einem Gewinn von rund 4 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2021 aus, was der Autobauer demnach deutlich überstieg. „Wir erzielen in allen Divisionen weiterhin eine starke finanzielle Performance, trotz der anhaltend geringen Verfügbarkeit von Halbleitern, die sich im zweiten Quartal belastend auf unsere Produktion und unseren Absatz ausgewirkt hat“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius laut der faz.

Daimler AG: Trotz deutlicher Gewinnsteigerung geht der Stellenabbau weiter

Obwohl die Daimler AG im vergangenen Jahr zunächst einen deutlichen Umsatzeinbruch verzeichnete, machte der Konzern letztendlich einen Milliardengewinn. Der hohe Gewinn des Stuttgarter Autobauers und die großzügige Ausschüttung an die Aktionäre hatte für viele jedoch einen faden Beigeschmack. Denn der Autobauer hatte im vergangenen Jahr durch Sparmaßnahmen und die Umstellung auf die Produktion von E-Autos Tausende Arbeitsstellen abgebaut. Die Transformation zum E-Auto-Hersteller soll nun sogar noch beschleunigt werden, denn Ola Källenius bereitet Daimler auf ein extremes Szenario in Deutschland vor.

Demnach werden die Sparmaßnahmen bei der Daimler AG trotz des überraschend hohen Gewinns im zweiten Quartal wohl fortgesetzt. Durch Kostensenkung und Personalabbau wollen die Schwaben für Anleger attraktiv bleiben und die kostenintensive Umstellung zur E-Mobilität besser bewältigen, berichtet die faz. „Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist unser starkes Angebot an hochattraktiven Fahrzeugen, die zunehmend elektrisch werden, kombiniert mit unserem unermüdlichen Fokus auf profitablem Wachstum und strenge Kostenkontrolle“, sagte Ola Källenius. Zugleich will Daimler mit großzügigen Boni Ingenieure weltweit anlocken. Die abschließenden Quartalszahlen will die Daimler AG am kommenden Mittwoch vorlegen.

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